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ihr Herz nie ganz bei mir zu sein, und bei den unablässigen Hinderungen unserer Verbindung ist sie so wohlgemut, dass ich wohl deinen Scharfsinn haben möchte, aus ihr klug zu werden. Komm, mir diese Dinge zu enträtseln, und mir aus neuen noch fürchterlichen Zweifeln zu helfen, die sich in mir von einer andern Seite erheben.

Gott und alle Heilige was soll ich von Philipp denken! Sollte das möglich sein, was mir der Bischof von Sutri bei dem, was sich in diesen Tagen hier zutrug, ins Ohr raunte? Wir sind in Maynz, Erzbischof Konrad, ein leibhafter Sankt Peter, der Würde und dem Ansehn nach, ein Engel an Beredsamkeit, ein sichtbarer Heiliger, hat den Kaiser hieher erbeten, Unterhandlungen zu treffen, über die ich, der mehr vom Schwerde halte, nicht richten kann; alles fügt sich wohl, Philipp lebt und webt in seinem alten Lehrer, kann keine Stunde ohne ihn sein, speisst mit ihm aus einer Schüssel, trinkt mit ihm aus einem Becher, und man sagt, er sei sein heimlicher Feind? Kann, kann dies möglich sein?

Erzbischof Konrad ist tod, schnelles Todes gestorben, nach einer an Philipps Seite gehaltenen einsamen Mahlzeit; kann, kann Philipp, wie man mich bereden will, sein Vergifter sein?

Ich bin ausser mir, ich kann und darf mit niemand von diesen schrecklichen Dingen reden, Philipp kann unschuldig sein, niemand ausser mir und dem, der dieses Gift der Hölle, diesen teuflischen Verdacht in mein Herz goss, denkt daran, dass Konrad eines andern Todes als des Todes hohen Alters gestorben sei; doch kann ich den quälenden Gedanken nicht los werden, alles bestättigt mich in demselben, selbst die Behändigkeit, mit welcher Philipp gleich nach seinem tod wusste, was ihm zu tun sei, die Eil, mit welcher er einen andern, eigenmächtig an seine Stelle gesetzt hat.

Mein Herz wollte springen, ich musste mich einer Seele vertrauen, ich schüttete meinen inneren Gram gegen die einige person aus, gegen welche ich hier am hof unumschränkte achtung hege, gegen die Kaiserin Irene, die durch ächte deutsche Redlichkeit ihre griechische Abkunft so ganz verleugnet. Sie hat mit mir gesprochen, wie ein Engel. Sie bürgt mir für ihren Gemahl, wie könnte ich noch Misstrauen in ihn setzen. Gleichwohl ist und bleibt mir hier alles zu enge; ich kann niemand ganz trauen als ihr, und ich muss fort, wenn du nicht bald erscheinst, meine Unruhe durch deine Freundschaft zu lindern; komm, wenn du kannst, unter verstelltem Namen, ich habe hiezu Ursachen, die du ein andermal erfahren sollst.

Der Bischoff von Sutri an den Kardinal

Guido von Präneste.

1201.

Ich höre, ihr seid zu Kölln angelangt, die Eingriffe zu ahnden, welche Philipp durch Einsetzung eines maynzischen Erzbischofs in die päbstlichen Rechte tat, und ich eile, mich gegen euch über gewisse Dinge zu erklären, welche man mir, wie ich höre, am römischen Höfe zur Last legte, ich erkenne in euch nicht allein den päbstlichen Legaten, dem ich Rechenschaft von meinem Verhalten schuldig bin, sondern auch den Freund, gegen welchen ich mich offenherziger über meine Lage herauslassen kann, als gegen andre, den Mann, von dem ich weiss, er wird das, was ich ihm sage, und sagen muss, nicht zu meinem Nachteil gebrauchen. Hört meine kurze geschichte, und denn beurteilet mich nach eurem eigenen Herzen, nach dem was, wie ihr wisst, in dieser argen Welt ein jeder tun muss, der sich empor schwingen will, der sein Leben nicht im Staube zu endigen denkt.

Aus dem widrigsten unter allem Staub auf Erden, aus dem Klosterstaube hatte ich mich schon längst empor geschwungen. Ich war Bischof von Sutri, und wurde, was ihr jetzt seid, päbstlicher Legat. Ich erhielt geheime und öffentliche Aufträge nach Deutschland, wie ihr sie erhalten habt, und richtete sie hoffentlich so gut aus, wie ihr die eurigen ausrichten werdet. Ich sprach den Kaiser gerade so vom Banne los, wie mir vorgeschrieben, und alles hatte die Folgen, die es haben sollte: Zwist und Uneinigkeit entsprang, und das Reich sieht jetzt zwei Kaiser. –

Dass man, nachdem alles geschehen war, was man von mir verlangte, mir den rücken wandte, mir keine Versprechungen hielt, die mir getan wurden, und sich gar unter der Hand verlauten liess: man müsse dem Bischof von Sutri wegen Kaiser Philipps heimlicher Lossprechung an den Hals; dies waren freilich Dinge, die ich hätte voraussehen sollen, da mir meine Erfahrung sagte, man pflege sich gern derer auf eine gute Art zu entledigen, durch die man heimliche Dinge ausgerichtet hat, und das Werkzeug ins Feuer zu werfen, wenn das Werk geschehen ist; Leider fanden mich diese Dinge unvorbereitet. Ich war ein Mensch, ich ward aufgebracht, und suchte, da Rache unmöglich war, meine Sicherheit.

Ich fand sie in Philipps Armen, Philipp schätzte und liebte mich, weil er aus meinem mund zuerst die Worte der Gnade gehört hatte, und ich nicht unterliess, ihm täglich zu versichern, dass meine ihm erteilte Absolution gültig sei, und dass er sich dem Pabst und dem ganzen Kardinalskollegio zum Trotz für bannfrei halten könne. Diese Tröstungen trugen mir ausser der kaiserlichen Gnade und Vertraulichkeit noch glänzende Versprechungen ein, ich traute auf sie, denn ich bedachte nicht, dass Philipp nur ein halber Deutscher ist. Ich rechnete in der Stille auf