1791_Naubert_079_14.txt

jungen König von Sicilien fallen, dessen wir als Vormund uns anzunehmen, vielleicht gehalten sein möchten; doch fern sei es von uns, der Billigkeit entgegen für einen Prinzen zu sprechen, der hier gar nicht in Betrachtung kommen darf, indem er bei seiner ehemaligen Ernennung zum Nachfolger seines Vaters, ja noch nicht einmal getauft, und folglich nicht wahlfähig war; – Wär indessen auch dieses nicht, so verwehrte doch auch sein gegenwärtiges noch zu zartes Alter schon jeden Gedanken auf ihn. Wehe dem land, des König ein Kind ist, und dessen Fürsten frühe essen! welches letzte vielleicht auf noch einen andern passen möchte, den wir sonst Freudschafts halber unser Wort gern zu geben geneigt wären.

Philipp von Schwaben ist unser Freund, aber darf Freundschaft bei einer Sache in Anschlag kommen, wo bloss die Gerechtigkeit vorwalten muss? – Nein, sie darf uns nicht gegen die Wahrheit verblenden, darf uns nicht vergessen lassen, dass Philipp als ein Gewalttäter von unserm in Gott ruhenden Vorfahren excommunicirt wurde, und noch unter dem Banne liegt; seine heimliche3 widerrechtliche Loszählung durch den Bischof von Sutri kann ihm hier nicht helfen. Warum heimlich, wenn, wie er rühmt, unser Beifall auf seiner Seite war? Ueberdieses ist Philipp ein Wollüstling und Schwelger, bei welchem, wie wir oben berühmten, Tag und Nacht, Abend und Morgen der Ueppigkeit geweiht sind, ein Meineidiger, welcher das Kaysertum an sich riss, das er seinem Mündel, dem jungen König von Sicilien zu erhalten schuldig war, ein Feind der Kirche, ein Abkömmling Heinrich des Fünften und Friedrich des ersten, Heinrich des Sechsten Bruder, und all dieser Widersacher der Kirche würdiger Nachfolger, welcher schon einige Proben gegeben hat, was diese heilige Mutter von ihm fürchten muss.

Werdet ihr nach diesen angezogenen Punkten noch zweifeln, auf wen unsere entscheidende stimme fällt? Was fehlt dem Herzog von Braunschweig? ist er nicht ein Held und eines Helden Sohn? ist er nicht ein getreues Kind der Kirche? Ihm mag nicht schaden, dass er später und von wenigern gewählt wurde, als Philipp, da er zur Regierung tauglicher, und uns und der Kirche anständiger ist als er.

Habt ihr indessen etwas wider diesen unsern Gewählten einzuwenden, so wollen wir euch in so weit eure Freiheit nicht beschränken, sondern euch nur andeuten, dass ihr euch bald über die Wahl eines Würdigern vergleichet, oder widrigenfalls gewärtig seid, dass wir Otten von Braunschweig öffentlich als König erkennen, und zu uns nach Rom zur Kaiserkrönung berufen.

Irene an Elisen.

1200.

Eine Hoffnung bleibt uns noch, nach so manchen blutigen Händeln, die jener ungerechten unerwarteten Entscheidung des Pabsts folgten, auf die ich all meine Hoffnung setzte. O Elise, freue dich, der ehrwürdige Konrad von Maynz ist von seinem zug nach Palästina zurück! Er war der Jugendlehrer deines Vaters, er vermag alles über ihn, so wie hingegen Philipp immer auch sein Liebling war. In gleicher achtung steht er mit dem Herzog von Braunschweig, (dem nach seiner Krönung zu Aachen jedermann den Kaisernamen gibt), – und selbst der Pabst fürchtet sich vor ihm, o Elise, was lässt sich von der Vermittelung eines Heiligen, wie Konrad erwarten! Vermittler will er sein, das hat er meinem Gemahl in den mildesten Ausdrükken geschrieben, und Philipp, der nie etwas von Vermittlung hören wollte, hat zum erstenmal dieses Wort geneigt aufgenommen, er tut noch mehr, er geht der Vermittlung entgegen, und vergiebt sich damit, wie einige Friedensstöhrer wollen, etwas von seiner Hoheit. Ich kann ihn nicht tadeln. Erzbischof Konrad ist ein achtzigjähriger Greis, ist für den geistlichen Vater des Kaisers zu rechnen, dem er die ersten Grundsätze der Tugend ins Herz prägte, es geschieht ihm wohl nicht zu viel Ehre, wenn ihm Philipp zu Gefallen nach Maynz geht, seine Meinung zu hören. Sie sei, welche sie wolle, mir soll sie willkommen sein. Ein Mann, den die Glorie der Heiligen schon bei lebendem leib umstrahlt, kann nicht falsch entscheiden. Wenn er nun auch von gemeinschaftlicher Herrschung mit Otto sprechen sollte, würde das Philipps Hoheit etwas benehmen? da er als der ältere immer den Vorrang behielt, da er durch seine Tochter sich seinen Nebenkaiser noch fester verbinden könnte? Und ich? wär ich denn nicht zugleich Mutter und Gemahlin eines Kaisers? sähe ich nicht meine Kinder um mich her glücklich und das Reich in Ruhe? – O ihr Engel des Friedens beglückt die Anschläge, die jetzt im Verborgenen zu unserer aller Besten reifen, gebt Konrads Worten unwiderstehliche Gewalt, und Philipps Herzen Biegsamkeit!

Pfalzgraf Otto von Wittelsbach an Adolf,

Grafen von ***.

1200.

Du verziehst deine Nachfolge zu lange, mein Freund, komm, eile zu kommen, mein Herz sehnt sich nach dir. Ich lebe hier in einer Welt, für die sich mein deutsches Herz nicht schickt. Himmel, an wen hat Bernhard von Sachsen meine anhänglichkeit für ihn abgetreten! Hätte ich doch Kaiser Philippen und seine verführerische Tochter nie gesehen! Du weisst, wie Kunigunde anfangs mein Herz fesselte, du weisst auch, wie wenig sie bei genauerer Bekanntschaft demselben genug tat. Sie ist schön, aber nicht für mich, munter und witzig, aber nur mich bei meiner Gerechtigkeit in denken und sprechen in Verlegenheit zu setzen; ich glaube sie ist mir hold, und möchte mich ungern verlieren, woher sonst ihre Bemühungen, mich wieder auszusöhnen, wenn ihre italiänischen Grillen mich einmal aufgebracht haben? gleichwohl aber scheint