durch eure bessere Einsicht in geistlichen Dingen zu leiten.
Von Rom an den Erzbischof von Kölln.
1198.
Auf Befehl melden wir euch, dass der Bischof von Sutri in diesen Tagen Philippen von Schwaben, der, wie ihr wisst, unter dem Kirchenbann liegt, unter Vorwand päbstlicher Vergunst heimlich losgesprochen, und wieder in den Schooss der Kirche aufgenommen hat, bedenket, ob euch ansteht, dieses zu dulden.
Gar nicht zu gedenken, dass ihr bei dieser hochfeierlichen Handlung so schimpflich übergangen worden seid, so liegt euch auch noch überdem, ohne weitere Rücksicht auf euch selbst, ob, an der Rechtmässigkeit der ganzen Sache zu zweifeln, da die Lossprechung heimlich vor sich ging, und päbstliche Heiligkeit sich wohl nie zu einem Anteil an dem ganzen Vorgange verstehen wird.
Es ist wohl billig zu beklagen, dass das deutsche Reich ein unter dem Bann liegendes Oberhaupt haben soll, da es sich besseres Glücks unter einem andern Könige hätte erfreuen können; aber niemand denkt mehr daran, dass Heinrich des Löwen Sohn, der fromme Herzog Otto noch lebt, welcher sich wohl besser für das Reich geschickt haben würde, als ein excommunicirter Philipp. – Der Empfang dieses Schreibens bleibt verschwiegen.
Die Kaiserin Irene an ihre Tochter Elise.
1198.
Glücklichere zeiten begannen uns zu lächeln. Das Joch des Banns war von des Kaisers Nacken gerissen, er atmete freier, und konnte nun, so meinte er, mit heiterm Mut auf das Wohl des Reichs und das Glück seiner Kinder denken. O Elise, wie soll ich dir die Plane zärtlicher Eltern zum Besten ihrer Lieblinge schildern! Dir, du Heilige, die sich, wie es scheint, den Himmel zum einigen Erbteil erwählt hat, dir weltliches Glück zu bereiten, daran dachten wir wohl nicht, aber unversorgt sollst du auch nicht geblieben sein, die Aebtissinnen von Quedlinburg waren immer Töchter deutscher Kaiser, und du kannst also erraten, worauf man für dich dachte, und was dir auch noch nicht entgehen soll, da das Glück all deiner Schwestern gestört ist. –
Zufrieden, unsere Kunigunde mit Pfalzgraf Otten von Wittelsbach so wohl beraten zu sehen, dachten wir nun auch an unsere Jüngern. Für die dreijährige Agnes bestimmte dein Vater den jungen König von Sicilien, und für Beatrix den wackern Herzog von Braunschweig, Heinrich des Löwen Sohn; Verbindungen, welche dem ganzen Reiche den Frieden gebracht haben würden.
Die Ausführung guter Plane darf nicht verschoben werden: Kunigundens Vermählung mit dem Pfalzgrafen war so gut als geschlossen; du weisst, dass dich mein letzter Brief zum Hochzeitfest einlud. Von der kleinen Agnes etwas zu gedenken, war fast noch zu früh, doch liess dein Vater, der jetzt auf ganz gutem fuss mit dem Pabste steht, in einem vertraulichen Schreiben einige Worte davon fallen; und wegen Beatrix waren schon Boten an den Herzog nach Poiton abgeschickt, als wir, o Jammer! erfahren mussten, dass man eben diesen Herzog von Braunschweig, eben diesen Otto, Heinrich des Löwen Sohn, den wir verehren, den wir an unser Haus zu verbinden trachteten, zum Gegner deines Vaters macht.
Ach, Elise, du wirst es nicht aus meinem Briefe zuerst erfahren, dass es das Ansehen hat, als wollte das Reich zwei Kaiser bekommen! auch schrieb ich dir ihn nicht in der Absicht, sondern nur um die Einladung des Letzten zu widerrufen. Du kannst dir wohl vorstellen, dass man bei jetzigen Aussichten nicht an Hochzeitfeste denken darf. Der Pfalzgraf und Kunigunde bleiben vor der Hand nur Verlobte, und es ist zu verwundern, wie wohl sie sich darein schicken, besonders Kunigunde, sie scheint mehr ererfreut als bekümmert über den Aufschub zu sein; welches ich weder begreifen noch billigen kann.
O Elise! mein Herz ist gepresst! was wollte ich darum geben, dich als meine Trösterin bei mir zu haben! – Noch hoffe ich, es wird alles gut gehen. Alle deutsche Fürsten sind auf Philipps Seite, und der Pabst, welcher hier so viel tun kann, ist sein Freund; ich wünsche, dass man, um Blutvergiessen zu verhüten, die Sache seiner Entscheidung übergiebt, er wird gewiss wider den Herzog von Braunschweig und für deinen Vater sprechen.
Das ganze Unglück entspann sich durch Anstiften des Erzbischofs von Kölln, welcher die Rechtmässigkeit der Lossprechung des Kaisers vom Banne nicht anerkennen wollte; es ist lächerlich, das bezweifeln zu wollen, wobei wir die stimme des Pabsts vor uns haben, und ich kann nicht begreifen, warum der Beweis dieser Dinge darüber Brief und Siegel in den Händen des Bischofs von Sutri ist, so erschwert wurde, bis alles zu spät, und die Trennung im Reiche da war.
Pabst Innozens an die deutschen Fürsten.
1198.
Da das Reich erst durch die Päbste von den Griechen auf die Deutschen gebracht wurde, da kein Kaiser diesen erhabenen Namen mit Recht führen kann, wir geben ihm denn Salbung und Krone, und da besonders mir, wegen erlangter Macht und Ansehens die stimme der Entscheidung in solchen Sachen zukommt, so tut ihr recht und löblich, getreue Söhne der Kirche, dass ihr euch in gegenwärtigem zweifelhaften Fall an den heiligen Stuhl wendet, und ihm die Berichtigung der grossen Frage vorlegt: Wer soll unser Oberhaupt sein?
Es ist ein schmeichelhafter Beweiss eures Zutrauens auf unsere Unparteilichkeit, dass ihr kein Bedenken traget, uns zu fragen, da ihr doch vielleicht wähnen könntet, wir möchten mit unserm Vorwort (dass wir unserer stimme keinen höheren Namen geben) – auf unsern Mündel, den