Elise! was hast du da geschrieben? Prüfe dich, ob nicht in diesen Aeusserungen etwas Neid lauscht, Neid gegen Kunigunden, wegen Philipps und Ottos Vorliebe, welche sie doch wegen Schönheit, Munterkeit, Geist und Weltsitte so sehr verdient! – Wahrhaftig, Alix, ich fühle, es ist Zeit, dass ich in unsere heilige Einsamkeit zurückkehre. Die Kunst, mein Herz zu prüfen, mag ich wohl aus derselben mit in die Welt gebracht haben, aber die Kunst, es zu besiegen, liess ich zurück; ich muss eilen, sie wieder zu finden.
Pabst Innozens III. an Kaiser Philippen.
1198.
Ich höre, das Oberhaupt des deutschen Reichs klagt über den Stattalter Christi, wegen einiger Unannehmlichkeiten, die ihm von demselben widerfuhren. – Mögen doch der Pabst und der Kaiser Klage wider einander haben, wenn nur der Graf von Segni und Philipp von Schwaben die alte Freundschaft wiederfinden können. Oder habt ihr dieselbe vergessen? haltet ihr die Kleinigkeiten, die euch, seit ich auf Sankt Peters Stuhl sitze, widerfuhren, für Erneuerungen alter Fehden, die ehemals unter uns vorfielen? – Sollte ich doch nicht glauben, dass Philipp, welcher nun selbst weiss, was höhere Würden oft von uns heischen, so schwachsinnig urteilen könne! Was der Pabst dem Kaiser Pflicht wegen zuwider tun musste, das geht ja die Freunde Lotar und Philipp nicht an! Lasst die Kirche und das Reich diese Dinge mit einander ausmachen!
Um euch indessen zu beweisen, wie viel ich euch, meinem alten Freunde, zu Liebe zu versuchen im stand bin, so hat derjenige, aus dessen Händen ihr dieses vertrauliche Schreiben erhaltet, Befehl, mit euch geheime Unterhandlungen zu treffen, und so viel von euren Beschwerden zu heben, als nur bei unserer Pflicht für das uns befohlne Wohl der Kirche möglich ist.
Lebt wohl, mein Bruder, und empfangt den herzlichsten Glückwunsch zur erlangten Kaiserwürde, und den apostolischen Segen von eurem alten Freunde.
Philipp an Innozens.
1198.
So viel ich mich erinnere, habe ich nie über das geklagt, was mir von Rom her begegnete. Wir Deutsche klagen überhaupt niemals, wir tragen ein Schwerd an der Seite, welches allen Beschwerden ein schnelles Ende macht. – Doch ziehen wir es nie ohne Not, und es ist mir daher lieb, dass ich von eurem Gesandten, dem Bischof von Sutri Vorschläge gehört habe, die mir nicht ganz unannehmlich dünken. Doch ich gedenke nicht über diese Dinge der einige Richter zu sein, die deutschen Fürsten mögen die Sache beleuchten und entscheiden.
Dass ihr als Pabst noch der ehemaligen Freundschaft denkt, erfreut mich. Es waren selige Tage, die wir, entfernt von der Höhe, die wir erstiegen haben, verlebten; wollte Gott, sie möchten wiederkehren! – An mir soll es nicht liegen, dass dieses – so fern es möglich ist, – nicht geschehe, auch könnt ihr mir glauben, dass ich den Kaisernamen, den ihr mir in eurem letzten Schreiben zuerst zugestehet, nicht gesucht, nicht euch zum Trotz angenommen habe. Vielmehr hatte ich auch hier, so wie allemal euer Wohl und das Wohl der heiligen Kirche zum Augenmerk. Philipp ist ein treuer Sohn dieser heiligen Kirche, ob er gleich aus ihrem Schooss verstossen leben muss, er wird ihr und Sankt Peters Nachfolger nicht so viel Unruhe machen, wie mancher andre, auf den die Wahl schier gefallen wär. Nehmt den Herzog von Zähringen, der überall nur auf seinen Nutzen denkt, nehmt den Philosophum, – hätte bald gesagt den Ungläubigen! – Bernhard von Sachsen, und fragt euch selbst, ob Philipp von Schwaben, der euch zu Liebe alles glaubt, was ihr wollt, der freigebige Philipp, der auch bei dieser gelegenheit Sankt Petern ein Zeichen seines guten Willens zusendet, ob ihr ihn nicht lieber euch gegenüber auf dem Trone seht als jene?
Bloss um Unheil für euch zu verhüten, ward ich Kaiser, und aus dem nehmlichen grund werdet ihr, hoffe ich, zugeben, das ich es bleibe, als welches sich doch nun nicht ändern lässt.
Hiemit Gott befohlen, von eurem geneigten Bruder Philipp.
Pabst Innozens an den Bischof von Sutri.
1198.
Ich habe ein Schreiben von meinem lieben Sohn und Bruder, Kaiser Philippen erhalten, welches mich bis zu Tränen bewegt hat; er klagt, aus dem Schooss der heiligen Kirche verstossen zu sein, welcher er so treulich anhangt. Diesem Jammer muss abgeholfen werden, und ihr erhaltet hiermit Befehl, den frommen Fürsten vom Banne loszusprechen, mit welchem er von unsern in Gott ruhenden Vorfahren wegen einiger im Toskanischen verübten Gewalttätigkeiten belegt wurde.
Dass dieses auf das feierlichste geschähe, wär wohl mein heissester Wunsch, doch äussern sich dabei einige Bedenklichkeiten; daher ihr auch dieses Schreiben kaiserlicher Majestät insgeheim zu zeigen, und mit ihr darüber zu rat zu gehen habt.
Die Excommunication unsers teuren Sohns und Bruders ist, so viel uns wissend, nur wenigen bekannt, denn wie möchte er sonst, bei der Verehrung, die noch jedermann für die stimme Gottes aus unserm mund hat, durch einhellige Wahl zum Kaisertum gelangt sein? Sollen wir nun durch öffentliche Lossprechung erst kund machen, dass er bisher ein Gebundner des Herrn war? würden wir nicht durch dieselbe ihm vielleicht mehr Leid zufügen als Gutes erzeigen? –
Noch einmal, gehet ihr selbst mit unserm Freund, Kaiser Philipp, hierüber zu rat, und was er für gut finden wird, das geschehe; doch habt ihr überall ihn