unserer Höle und Regenspurg gelegen, so dass es uns beiden gleich bequem und gefahrlos war, zu den Stunden, wie sie uns die gelegenheit darbot, und die wir einander nicht voraus bestimmen konnten, einander Nachricht von unserm Zustande zu geben, oder dieselben zu finden.
Ich erreichte Regenspurg ohne Anstoss, da mich die Kenntniss der Heimlichkeiten des verborgenen Gerichts geschickt machte, den Pfaden, welche die Rächer zu nehmen pflegen, die auch hinter mir her waren, immer glücklich auszuweichen. Ich fand den vergrabenen Schatz des Pfalzgrafen ohne Mühe, und brachte ihn, auf die verabredete Art, in Sicherheit, seinen Brief an die Prinzessinnen bestellte ich mit eigner Hand. Beatrix, von welcher man sagte, der nunmehrige Kayser habe sich ihre Liebe durch das Todesurteil über den Wittelsbacher erkauft, befand sich damals eben zu Regenspurg, und ihre Heimholung zu ihrem Bräutigam war vor der Tür. Ich sah sie nicht, aber ich sah Alverden, sah die Schwester, welcher die Rache das Schwerdt, wider ihren eigenen Bruder, in die Hand gegeben hatte. Ich weiss, sie war unwissend zu meinem Verderben tätig, aber doch war es, als wenn mein Herz sich wider sie heimlich empörte; ich glaubte ihr, besonders in meiner geschichte mit Alix, viel vorwerfen zu können, damit sie gern oder ungern, billig oder unbillig mein Schicksal verwirrte. Doch ich bin ungerecht! Ewig, ewig schweige jede Klage, als die, über meine eigene Vergehungen!
Alverde sah mich, aber sie kannte mich nicht! ob sie mich vielleicht nicht kennen wollte? flüsterte mein empörtes Herz mir zu; doch nein, Alverde liebte mich immer, sie war nie boshaft, und das Elend macht ja jeden Menschen, auch seinen besten Freunden, unkenntlich! Wie konnte Alverde in einem bleichen abgezehrten Gerippe, unter einer Verkleidung von Lumpen, die ich zu meiner Sicherheit angelegt hatte, ihren Bruder ahnden, den blühenden Jüngling, den Prinzessinnen bewunderten, den stolzen Fürsten, den seine Feinde glücklich genug fanden, um ihn zu neiden, und seinen Untergang zu suchen.
Noch verschiedene Umstände hielten mich in Regenspurg auf; was ich zu unserer orientalischen Reise zu besorgen hatte, das musste mit der äussersten Behutsamkeit besorgt werden, und dieses erforderte Zeit. Die prachtvolle Heimholung der kayserlichen Braut ging vor sich, ich sah die von jedermann hochgepriesene, von jedermann beneidete prinzessin, wie sie in ihrem Pomp daher zog, aber tiefer Gram sass auf ihrer Stirne, die strahlenden Augen und der holde Mund konnten ihn nicht hinweg lächeln. Alverde, ihre Gespielin, barg ein bleiches abgezehrtes Gesicht, unter einem köstlichen Schleier, man sagte mir, sie sei kürzlich von einer tödtlichen Krankheit aufgestanden; da wallte mein Herz vor Mitleid gegen beide, und ich dachte, ob sie auch so schuldig sein möchten, als ich und Otto sie wähnten; Dinge, über welche ich nie volle Aufklärung erhalten habe, denn auch der Augenblick war nahe, der mit mir und meinem Freunde schnell und auf ewig enden sollte.
Wie werde ich die Vorgänge schildern, die nur noch wie Traumbilder vor mir über schweben? Vorgänge, das Werk weniger Minuten, bestimmt das einst nicht unrühmliche Leben zweier unglücklichen Freunde, in Dunkelheit zu enden, Vorgänge, von einem Zufall herangeführt, welcher leicht durch andre Zufälle, vielleicht durch einen zeitiger oder später getanen Schritt, oder ein ähnliches Nichts hätte verhindert werden können! doch hinweg mit dem traurigen Wort, Zufall! wehe dem, welcher an diesen blinden Götzen der Toren glaubt, nichts vermag ihn zu trösten!
Mein Briefwechsel mit dem Pfalzgrafen, vermittelst der holen Weide, hatte ununterbrochen fortgedauert, er wusste durch denselben, alles was mir begegnet war, wusste auch die Zeit meiner Wiederkunft. Von der Gefahr seines und meines Zustandes immer deutlicher überzeugt, je mehr ich von den Verfolgern, die in unsere Fussstapfen traten, hier und da erlauscht hatte, schloss ich keinen meiner Briefe, ohne ernstliche Anmahnung zur Behutsamkeit; seine Wanderungen aus der Höle hatte ich gänzlich auf die Stunden der Mitternacht eingeschränkt, weil diese Zeit, von je her, im heimlichen Gericht, mehr zur Ablegung der Rechenschaft von bereits geübter, mehr zu Planen noch zu übender Rache, als zu der Tat selbst, bestimmt zu sein pflegte. Diese, meines Erachtens, gefahrloseste Stunde, sollte auch die Stunde des Wiedersehens, zwischen mir und Otto, sein; bei der holen Weide wollten wir uns treffen, und dann unverzüglich den Weg antreten, der uns dem Arm der rächenden Gerechtigkeit am sichersten entreissen konnte; o Himmel, eben dies sollte die Stelle, dies die Stunde sein, wo das Schicksal auf einmal über uns beide unwiderruflich entschied.
Ich kam in der Hülle der Nacht, wie ich meinem Freunde geschrieben hatte. Schon sah ich im Mondschein von weitem die Stelle, wo ich ihn treffen wollte; aber der trügerische Strahl entdeckte mir ganz etwas anders, als ich zu sehen erwartete. Ich erblickte nicht eine männliche, sondern zwo weibliche Gestalten. Ich glaubte getäuscht zu sein, und eilte näher zu kommen; da sah ich noch deutlicher zwei Händeringende Frauen, über einen auf dem Boden ausgestreckten Leichnam gebeugt, da vernahm ich die stimme ihrer Klagen, mir nicht unbekannter, mein Herz zerreissender Töne. Eine von ihnen sah mich kommen, sprang auf und flog mir entgegen.
hülfe! schrie sie, hülfe für einen tödlich Verwundeten!
Wo ist er? erwiderte ich, was ich vermag, das will ich ihm leisten!
Ach