gar zu wahr. Elise war mir geraubt, war aus den Händen meiner Leute, durch den Grafen von Kastelmoro gerissen worden; die tapfersten hatten ihr Leben beim Gefecht zugesetzt, die andern waren dem Glück gefolgt und geflohen, ich wär ganz verloren gewesen, hätte nicht der redliche Paul sich meiner erbarmt, und mich verborgen, geschützt, und geheilt, da die ganze Welt nach meinem Blute dürstete.
Ich hatte nichts ihn zu lohnen, da ich sein Haus verliess, als einen köstlichen Ring, den er mit Unmut von mir annahm, weil er meinte, ich würde ihn wohl in meiner Lage selbst brauchen können; ich stellte ihn hierüber zufrieden, und konnte mit Mühe mich seiner erwehren, dass er mir nicht folgte, mein Unglück mit mir zu teilen, so lieb hatte er mich gewonnen; ich siegte nur durch die Versicherung, über seine guterzige Zudringlichkeit, dass die Sicherheit meiner Flucht, auf der Einsamkeit beruhe.
Ich ging bei Nacht, aus Meister Pauls haus, und hatte nun die weite Welt vor mir, um einen Zufluchtsort zu wählen; dies machte mir keine sonderliche sorge, ich kannte das ganze Elend meiner Lage noch nicht; denn die Worte Acht und Bann hatte ich nicht in dem ganzen Umfange genommen, wie sie hier genommen werden mussten. Mein erster Gedanke war, zu meiner Freundinn, der Kayserinn Irene, zu eilen, von deren Treue ich mir Trost und Entschuldigung versprach, wenn alle Welt mich verliess und verdammte. Ach ich wusste noch nicht, dass sie den Tod ihres Gemahls nicht überlebet, dass kurz nach der Schrekkenspost, eine frühzeitige Niederkunft ihr Leben geendet hatte.
Meine Brüder, der Bischof von Bamberg und Heinrich von Andechs, sollten meine nächste Zuflucht werden, aber ach, sie hatte Acht und Bann getroffen, wie mich; heimlos und vom Schwerdte verfolgt irrten auch sie umher, wie sollten sie mir, dem Heimlosen und Verfolgten Schutz geben.
Da dachte ich an Herzog Bernharden; allein wie ward mir, da ich merkte, dass auch zu ihm der Weg mir verschlossen war; die Kläger hatten auch vor seinem grossen furchtbaren Gericht geklagt, der Richter hatte den Freund richten müssen, nicht genug, dass die Hand der öffentlichen Gerechtigkeit wider mich gerüstet war, auch der heimliche Bann verfolgte mich, ich war während meiner Krankheit zu dreienmahlen vor das Tribunal geladen worden, wo auch ich einst als ein Richter tronte; ich hatte nichts von der Ladung gewusst; ich war nicht erschienen, hatte nicht erscheinen können, nun war ich verfehmt, wer sollte mich retten? In jedem meiner Schlösser, das ich heimlich und zitternd besuchte, fand ich, dass die Schöpfen da gewesen waren mich zu laden. Sie hatten Späne aus meinen Pfosten, und Steine aus meiner Türschwelle mit sich genommen, und dadurch das Signal gegeben, was dem Kaysermörder, dem Durchächteten, Verfehmten gebühre.
Die Wut des Pöbels war wider mich entbrannt; ich sollte das Verderben des Kaysers sein, aus dem man nun erst, da er nicht mehr war, einen Abgott machte. Meine Burgen waren teils geschleift, teils rauchende Aschenhaufen, teils verödet. Wie ein gescheuchter Vogel irrte ich von einem zum andern, ohne eine Ruhestätte zu finden; doch brachte ich in der Stille der Nacht, wie ein Dieb, hie und da von dem Meinigen, wo es die Habsucht nicht hatte ausspüren können, einen kleinen Schatz zusammen, den ich, als ich durch Regenspurg zog, in einem alten Gemäuer barg, weil ich hier mehr, als an irgend einem Orte merkte, dass meine Henker mir im Nacken waren, und dass ich ihnen in die hände fallen musste, wenn ich durch irgend was meine Flucht erschwerte.
Endlich fand ich Sicherheit in diesem wilden wald, eine klägliche Sicherheit, bei welcher ich mir nicht das Leben hätte wünschen wollen, wenn mir es nicht die Freundschaft von neuem teuer gemacht hätte; ich fand dich, mein Alf von Dülmen, oder vielmehr, du fandst mich, du suchtest mich auf, da alles mich verliess, vor Mangel wär ich längst verschmachtet, aus Verzweiflung wär ich längst umgekommen, wärst du nicht mein Engel gewesen.
O Adolf, Adolf! wie verdiente ich das um dich! Unsere Freundschaft, es ist wahr, war fest und herzlich, aber manche drängten sich, zur Zeit des Glücks, näher zu meinem Herzen, als du; sie haben mich verlassen, nur du stehst noch fest, wie ein Fels. Gott lohne dir die Treue, die du einem Durchächteten erzeigst; ich kann dir sie nicht lohnen, kann auf nichts denken, als dir noch neue Lasten aufzulegen, die du für mich übernehmen sollst. Noch drei Bitten an dich habe ich auf meinem Herzen; du darfst, du kannst sie mir nicht abschlagen, du, der mir schon so viel aufgeopfert hat.
Unsre Reise nach dem heiligen land ist nun beschlossen; auch den Hofnungsstrahl, der mir auf dieser Gegend leuchtet, danke ich deinen Ratschlägen; aber wie sollen wir die Kosten der Reise bestreiten, da du so arm bist, als ich, du sowohl deiner land beraubt lebst, als ich? Ziehe hin, dies ist meine erste Bitte, ziehe hin nach Regenspurg, und hebe an dem Orte, den ich dir bezeichnen werde, den Schatz, den ich vergrub; nimm dann zweitens diesen Brief, an Kayser Philipps Töchter; sie sind grausam genug gewesen, wider mich, den Unschuldigen, zu klagen,