zu werden, gewagt hatte, so kostete es mich noch weniger Ueberwindung auch an andern Orten zu lauschen, und überall Bestättigung eines Verbrechens zu hören, das ich nicht begangen hatte. Zuletzt ging ich nach meinem eigenen Pallaste welcher stark bewacht ward, weil der Pöbel verschiedene mahl Miene gemacht hatte, ihn zu schleifen. Mir war ein verborgener Seitenweg bekannt, der durch einen verfallenen Keller in den Garten, und durch diesen auf ein Lustaus führte, welches an die Seite des benachbarten Pallasts gelehnt, den die prinzessin Elise bewohnte, mir oft gelegenheit gegeben hatte, sie in der Einsamkeit zu belauschen, da ihr Kabinet dicht an die Mauer gränzte, durch welche mir ein ausgehobener gut verdeckter Stein die freie Einsicht verstattete.
In verschiedenen Beschäftigungen, hatte ich hier diesen Engel oft beobachtet; schlafend, betend, weinend, mit ihren Jungfrauen scherzend, oder mit ihnen von mir sprechend, hatte ich sie hier gesehen und gehört; aber so noch nie, als wie in diesem schrecklichen Augenblicke, sie sprach von mir, aber in welchem Tone! Sie weinte, aber über mich, sie betete, aber wie ich glaube, um Rache, über den unschuldigen Wittelsbach; Alverde war ihre Gefärtinn; ich weis nicht genau, was sie eigentlich sagten, nur dies weis ich, dass hier meine Verzweiflung den höchsten Gipfel erreichte, und den Entschluss fest machte, Elisen gewaltsam zu entführen, wenn sie mir nicht gutwillig folgen wolle, wär es auch nur, um sie von meiner Unschuld zu überzeugen, und dann vor ihren Augen zu sterben.
Ich riss mich los von dem grauenvollen Schauspiele, eine Heilige, über mich zum Himmel hinauf weinen zu sehen, ich verliess das Haus und die Stadt, und eilte zu meinen Leuten, denen ich ihr Ablager in einem gewissen dorf angewiesen hatte.
Ich bin Wittelsbach, sagte ich, indem ich unter sie trat, haltet auch ihr mich für Kayser Philipps Mörder? – Sie erhuben ein grosses Freudengeschrei über meinen Anblick, und einige schwuren, dass sie nie etwas Böses von mir glauben könnten, andere, dass sie, ob ich auch der wär, für den mich das Gerücht ausgäb, dennoch bei mir leben und sterben wollten!
Die Treue dieser Leute, welche jetzt meine einigen Freunde waren, rührte mich, ich redete mit ihnen offenherzig, von meiner Lage; und forderte als den ersten Beweis dessen, was sie geschworen hatten, dass sich einer von ihnen aufmachen sollte, Elisen ein Schreiben von mir zu bringen, indessen die andern sich rüsteten, die ihr in demselben verkündete Tat stracks zu vollführen. Ich selbst wollte bei der Entführung sein, aber meine Leute, welche meine Verwundung entdeckt hatten, wehrten mir, drangen darauf, dass ich mich der Hand des Wundarztes untergeben müsste, und gaben mir den Handschlag, dass sie alles ohne mich so gut vollführen wollten, als ob ich selbst gegenwärtig wär.
Es war die höchste Zeit, dass zu meinen Wunden Rat geschaft wurde, welche durch Vernachlässigung, und durch die ruhelosen heimlichen Wanderungen der vergangenen Nacht sich schon sehr entzündet hatten. Ich ward ohnmächtig unter dem Verbinden, und fiel darauf in ein hitziges Fieber, dass mir auf geraume Zeit, alle Besonnenheit raubte.
Als ich weit genug in meiner Genesung gegangen war, um auf das, was mich umgab, wieder einen blick zu werfen, erstaunte ich, mich an einem ganz fremden Orte zu sehen; es war ein kleines dunkles Zimmer, von einer traurigen Lampe sparsam erleuchtet; ein altes Weib sass an meinem Bette, welches über die wenigen Worte, die ich ihr sagte, einiges Wohlgefallen spüren liess, und ohne sie zu beantworten, aufstand, um, wie sie sagte, ihrem Herrn Nachricht, von meiner Besserung zu geben.
Und wo ist dieser Herr? stammelte ich.
Meister Paul von Eisenberg, der Wundarzt antwortete sie, in dessen haus ihr Euch schon seit drei Wochen befindet.
Meister Paul erschien, und ich kannte wirklich an ihm das guterzige Gesicht des Mannes, der bei den Schmerzen, die mir neulich seine Behandlung meiner Wunden machte, so viel Mitleid zu fühlen schien. Freude glänzte jetzt auf seinem Gesicht, mich so weit gebracht zu haben, aber auf all meine fragen, erhielt ich keine befriedigende Antwort von ihm, sondern nur die Weisung, ruhig zu sein, und für meine Genesung zu sorgen, da sich alles schon geben würde.
Ach Gott! was für Entdeckungen standen mir, bei meiner Wiederherstellung bevor, die endlich doch erfolgte. Ich hatte genug schlimmes geahndet, aber doch nicht so viel, als ich nun vernahm, und als mir der guterzige Paul, der meine Lage noch nicht ganz kannte, doch nicht ganz wusste, was meine Seele am meisten erschüttern musste, mitunter unvorsichtig genug hinplauderte.
Sagt mir um Gotteswillen, sprach ich eines Tages zu ihm, wo ich mich eigentlich befinde?
In guter Sicherheit; in meinem haus!
Kennt ihr mich?
Ihr seid der Wittelsbacher, den man in sehr bösem Verdacht hat, den aber ich für unschuldig halte.
Ist der wahre Kaysermörder entdeckt?
Nein, aber man verfolgt ihn in Eurer person mit Acht und Bann.
Wo ist die prinzessin Elise?
Vor acht Tagen ging sie mit den Gesandten nach Kastilien ab!
Meine Leute?
Die besten – bei einer Expedition, deren Endzweck ich nicht genau weis, erschlagen, die andern – von Euch gewichen, da euch jedermann als einen Durchächteten verliess.
Ach, es war nur