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möglichen Bitte an mich verbunden, ich möchte doch so gefällig sein, meine Braut abermals abzutreten, es wäre ja besser und glorreicher für sie, eine königin, als eine gräfin von Wittelsbach zu werden.

Ich lachte höhnisch, liess Philippen sagen, ich würde eher, würde auf eine Art kommen, als er dachte und setzte mich, meinen Brief an Elisen zu vollführen; er geriet ganz so, wie meine damahlige Laune es mit sich brachte, ermahnte sie auf, mit mir davon zu gehen, und drohte ihr mit Gewalt, wenn sie sich weigerte.

Hätte ich mich dann erst ihrer Hand bemächtigt, so war mein Entschluss gefasst, mit hülfe des eben sowohl, als ich, beleidigten Herzogs von Sachsen, und meiner zahlreichen Waffenfreunde, dem heimtückischen Kayser ein Heer auf den Hals zu führen, das ihn wohl zur erkenntnis seiner Falschheit gebracht, und seinen Stuhl ziemlich erschüttert haben sollte. Dies war mein ritterlicher Entschluss; Meuchelmord ist mir nie in den Sinn gekommen.

Ehe dieses ausgeführt wurde, musste Elise erst die Meinige sein; ich wusste vorher, dass sie nach einmal verübten Feindseeligkeiten wieder ihren Vater, glauben würde, Gewissenswegen mit mir brechen zu müssen, und meine Pflicht war, die fromme Seele auf alle Art zu schonen; war ich erst ihr Gemahl, so konnte sie von nichts Rechenschaft geben, was ich tat, sie blieb mir dann, ungeachtet des Zwists mit ihrem Vater, als Gattin treu, so wie ich von ihr überzeugt war, sie würde mir als Liebhaberinn treu bleiben, so lang ich nichts tat, ihre Treue zu verwirken.

O wie sehr hatte ich mich geirrt! ein Brief von ihr, die Antwort auf den meinigen, sagte mir ab auf ewig, sie beschuldigte mich der Treulosigkeit, versagte mir das, was ich von ihr forderte, und spottete meiner Drohungen. Jetzt entbrannte meine Wut auch wider sie; ich würde zu den verzweifeltsten Handlungen geschritten sein, wenn mich nicht ein Gedanke an die Kayserinn Irene zur Besonnenheit gebracht hätte; sie war immer meine Freundinn gewesen, sie hatte ich immer treu erfunden, wenn alle andre mir Tücke bewiesen, sollte ich diese durch irgend einen übereilten Schritt beleidigen? –

Ich schrieb ihr alle meine Klagen, und erhielt den Bescheid zurück, sie sei zu schwach, mir schriftlich zu antworten, ich solle selbst kommen und die Aufklärung meiner Zweifel aus ihrem mund hören. Aber ich sollte eilen, weil Eile not wäre!

Ich flog auf das benachbarte Lustschloss, wo sie ihre Niederkunft in äusserster Schwäche erwartete, um aus deren mund, die mich nie betrog, die Wahrheit zu vernehmen, um bei dem Krankenbette derjenigen zu weinen, die mir immer mehr als Mutter war.

Als sie mich erblickte, streckte sie die hände nach mir aus, voll Freude mich zu sehen. Seid ihr gekommen, mein Sohn? sagte sie, ach Eure Zukunft entzückt mich doppelt, ich wünschte sie nicht allein um Euret, wünschte sie auch um meinetwillen. Verzeihet den Phantasien einer Kranken! mein immer schwaches Geschlecht wird doppelt schwach in den Augenblikken, in welchen ich mich befinde. Dinge, welche uns sonst nie schreckten, selbst Träume werden uns in denselben furchtbar. Denket was mir begegnete. Als ich gestern euren klagenden Brief erhielt, hatte mich eben ein leichter Schlummer überfallen, mir kam es vor, so deutlich, als ob ich wachte, es träte Einer an mein Bette und spräch: Irene, Wittelsbach hält sich vom Kayser tödlich beleidigt, verhüte die Folgen! Drauf war mir es, als wäre gerade der heutige Tag, und die Stunde, in welcher ich Euch jetzt vor mir sehe; ich befand mich im kayserlichen Kabinet, da trat einer herein, den ich den Waffen nach für Euch selbst halten musste, und durchbohrte den Kayser; urteilet, was nach einem solchen Traum, euer verzweiflungsvoller Brief, der einen teil meines Gesichts zur Wahrheit machte, für eine Würkung haben musste, und verzeihet, dass ich so eifrig darauf drang, euch bei mir zu sehen, damit nicht eine unglückliche Uebereilung mein Trauerbild ganz in Würklichkeit verwandle.

Wie? rief ich, kann Irene mich irgend einer schändlichen Tat, die mich noch oben drein auf ewig von Elisen trennen würde, fähig halten?

Noch einmal, mein Sohn, verzeiht einer schwachen kranken Frau, setzet euch, und sagt mir alle eure Beschwerden, damit ihr dann auch meinen Trost vernehmen könnet.

Hier begann ich mein ganzes Herz in den Busen der treuen Mutter auszuschütten, und wahrhaftig, der Trost, den sie mir gab, tat Wunder auf meine bekümmerte Seele. Diese Frau vermochte alles über mich. Ich, der ich Philipps verräterischen Brief an den Herzog von Pohlen mit eignen Augen gelesen, die Gerüchte von der kastilischen Heirat, mit eigenen Ohren gehört hatte, und die Bestätigung aller dieser für mich so schrecklichen Dinge, in der Botschaft des Kaysers an mich, und in Elisens Weigerung, mir zu folgen, vor mir zu haben vermeinte, ich horchte voll Zutrauen auf die Widersprüche, die Irene in diesen Vorgängen fand, und auf die ganz andere Deutung, welche sie ihnen beilegte. – Sie merkte meine Rührung und endete folgender Gestalt: "Gewährt mir nur dieses eine, mein Sohn, zürnet nicht mit Elisen, und brechet nicht mit dem Kayser, bis ihr beide gesprochen habt. Eurer Verlobten war wahrscheinlich Herzog Bernhards Liebe zu der pohlnischen prinzessin so unbekannt, als sie mir bis diese Stunde gewesen ist,