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hof des Herzogs von Pohlen aus, und merkte nichts, bis sich einst das Gesicht des Herzogs bei Verlesung der kayserlichen Schreiben auf eine seltsame Art veränderte, und sein blick mit einer Art von Mitleiden an mir hängen blieb.

Herr Pfalzgraf, sagte er, nach einer langen Pause, meine Nichte ist dem Herzog von Sachsen unversagt, ob ich Euch gleich gestehen muss, dass ich Euch noch ungleich lieber zum Anverwandten gehabt hätte, als ihn; ich weiss, dass Freundespflicht und frühere Verlobung die Erfüllung dieses Wunsches auf Eurer Seite unmöglich machen, aber was das letzte, was Eure Verlobung mit der prinzessin Elise anbelangt, so wünsche ich nur herzlich, dass Eure Treue diejenige, welche man Euch zu halten gesonnen ist, nicht weit übertreffe.

Ich weiss, was ich an meiner Verlobten habe! antwortete ich mit einigem Unwillen.

Wisst ihr das nehmliche von Eurem gehoften Schwiegervater?

Ihr spielt vielleicht auf die kastilische Heirat an, mit welcher sich jetzt das müssige Gerücht trägt, und mit welcher ich selbst von einigen meiner Freunde geschreckt worden bin.

Ich spiele auf nichts an, ich weiss von all diesen Gerüchten nichts, ich urteile nur nach dem, was ich vor Augen sehe. Leset diesen Brief, den mir der Kayser durch Eure Hand schickt, und der doch wohl ein Empfehlungsschreiben sein soll, und sagt mir dann, was ihr von dem Schreiber desselben haltet, ob ihr nicht glaubt, von so einem Mann alles zu fürchten zu haben.

Ich nahm den Brief, ich las, las ganz andre Dinge als die, welche ich aus Philipps mund gehört hatte, las unter einer Menge von geschraubten Worten mit Entsetzen folgendes: "Politisch betrachtet, sei nach den vorhergehenden Berichtigungen an der Werbung, welche durch Pfalzgraf Otten geschähe, nichts auszusetzen, und ein Herzog von Sachsen sei einer pohlnischen prinzessin wohl würdig; aber Herzog Bernhard und sein Freund und Freiwerber der Wittelsbacher, seien im grund gefährliche Leute, unruhige Köpfe und Unglücksfackeln für jedes Land, in welches sie kämen; man liebe den Herzog von Pohlen und seine schöne Nichte zu sehr; um zu einer solchen Verbindung, als ein Freund raten zu können, und man glaube, das beste für ihn würde sein, Zeit zu gewinnen, und den Herzog von Sachsen in seinen Bewerbungen um die prinzessin Adila dergestalt hinzuhalten, wie man es am kayserlichen hof mit dem Wittelsbacher mache, den man für zu mächtig hielt, um ihm geradezu eine Tochter abzuschlagen, dem man vielmehr alles verspräche, und die Erfüllung der Zeit überliesse.

Und das schrieb Philipp? schrie ich, indem ich den Brief knirschend vor Wut auf den Boden warf, und ihn mit Füssen trat. Hin an den Hof des Verräters, um ihn zur Rede zu stellen, um augenblickliche, um blutige Erklärung dieser Schlangenworte, um schnelle Erfüllung seines Worts von ihm zu fordern. Zwar Philipps Tochter ist nichts in meinen Augen, und ich würde meine Verlobte von selbst verächtlich von mir stossen, wäre sie nichts als das! Aber Elise! Elise, dich verlieren? dich, deinem heimtückischen Vater so ganz unähnlich, dass ich dich kaum für sein Kind halten kann? Nein, dies ist unmöglich; ich fliege, dich zu meinem Eigentum zu machen, und mich dann zu rächen, an dem, welcher dich mir rauben will.

Der Herzog von Pohlen bestärkte mich in meinem Entschluss, tat allen möglichen Vorschub zur Beschleunigung meiner Reise, und gab mir die vorteilhaftesten Versprechungen für den Herzog von Sachsen mit auf den Weg.

Noch ehe ich die Residenz erreichte, kam mir das Gerücht von den kastilischen Gesandten, und ihrer Werbung um die prinzessin Elise entgegen, die allgemeine Meinung war, sie würden nicht abgewiesen werden; die Heirat sei vorteilhafter, als die Verbindung mit dem Wittelsbacher, der ja darum auch nicht zu kurz kommen würde, da der Kayser noch zwei Töchter habe!

Hölle und Teufel! wer waren diese beiden Töchter? die schon an einen andern Verlobte, schon für einen andern glühende Beatrix, deren Charakter so schlecht zu dem meinigen passte? die kleine Agnes, ein Kind, über dessen Heranwachsen ich zum Greise werden müsste? und diese elenden Hofnungen sollte ich um die Gewissheit, den Engel Elise zu besitzen, eintauschen? Nein, mein Entschluss war gefasst, und das allgemeine Zutrauen, das man bezeigte, der guterzige Wittelsbacher würde es sich schon gefallen lassen, abermahl zurückgesetzt zu werden, dies brachte vollends alles zur Reife, was in meinem Herzen tobte, welches aber doch bei Gott nicht den entferntesten Zug von den Mordanschlägen hatte, deren Ausführung man mir jetzt beimisst.

Ich schrieb an Elisen, so viel ich mich erinnere, einen bedrohlichen Brief; – ich weiss beim Himmel nicht genau, was ich eigentlich geschrieben habe, mein Blut kochte, mein Verstand verwirrte sich, denn in dem nehmlichen Augenblicke, da ich schrieb, erhielt ich Post vom Kayser: Er habe gehört, ich sei von meiner Reise nach Pohlen glücklich wieder angelangt, und er bäte mich, meine Ueberkunft nach der Residenz zu beschleunigen, und mich auf einen bestimmten Tag und Stunde zuverlässig bei ihm einzufinden, weil er sehr wichtige Dinge mit mir abzutun habe.

Diese Botschaft vollendete meinen Grimm, und überzeugte mich von allem, woran ich noch hätte zweifeln können. Als man mich ehemals von Kunigunden trennte, ward ich gerade auf ähnliche Art vorbeschieden, ich wusste also ganz genau, was man mir zu sagen habe: den Antrag des kastilischen Prinzen, mit der