aus einem gefundenen Briefe von Evert von Remen, dass ich ihn, den einigen, der mir diese Gegenden hätte lieb machen können, dort nicht mehr finden würde. Gram um mich und Alverden hatte ihn nach Palästina getrieben, wo er vielleicht längst seinen Tod gefunden haben konnte.
Ich fasste den Entschluss, Rudgers Hut heimlich zu entwischen, und meinem Schicksal auf einem Wege, den ich selbst noch nicht wusste, entgegen zu gehen. Meine Flucht gelang, und auf dem wilden regellosen Wege, den mich die Verzweiflung führte, fand ich bald Veranlassung zu dem, was mir zu tun oblag. Ueberall kam mir das Gerücht entgegen: Pfalzgraf Otto habe Kayser Philippen ermordet und werde nun als ein Durchächteter überall verfolgt; hier erfuhr ich zuerst den ganzen Umfang, die vollen schrecklichen Folgen meiner Tat. Ich hatte nicht auf meine Rechnung, hatte auf die Rechnung eines andern gesündigt, der nun für mein Verbrechen büssen sollte. Hier scheiterte mein oftmahls schon dicht an die Ausführung gränzender Entschluss, mein Leben durch eigene Hand zu enden. Nein, schrie ich, ich darf nicht ehe sterben, bis Otto gerettet und gerechtfertigt ist! schon zu viel Schuld haftet auf meiner Seele, ich darf sie nicht durch das Blut eines Freundes vermehren, der um meinetwillen leidet! Hin will ich, vor jenes grosse Gericht, und überlaut rufen: Otto von Wittelsbach ist unschuldig und ich bin der Mörder, hier bin ich, strafet mich, dass er gerettet werde!
Der Stuhl der heimlichen Gerechtigkeit ist für den Wissenden bald zu finden, denn er ist überall; auch war mir die Zeit günstig, dass ich nicht lang auf das warten durfte, wonach meine Seele schmachtete: Rechtfertigung für meinen Freund, und Urteil des Todes für mich.
Der Tag erschien, dessen Nacht mich in die geweihte Versammlung führen sollte; langsam und traurig trat ich in den grossen Kreis, wo ich so oft auf meiner erhabenen Stelle, wie ein König getront hatte. Rings um wich die Menge vor mir. Das ist Graf Adolf! flüsterte man sich zu, den wir so lange nicht sahen; Platz für ihn! er wird unserm Oberhaupte willkommen sein.
Herzog Bernhard war selbst gegenwärtig, wir konnten, weil die Handlung begann, wenig Worte wechseln, und ich nahm, weil einige der Richter fehlten, die über mir sassen, meinen Platz ihm zunächst. Ein schöner Rang für den Verbrecher, den die Gerechtigkeit, so bald er sich ihr kenntlich machte, in die unterste Tiefe hinabstürzen musste!!
Halb ausser mir hörte ich nichts von alle dem, was diese Nacht vorgebracht wurde, und spielte ganz die Rolle eines Abwesenden; noch wusste ich nicht, wie ich das geständnis meines Verbrechens, das ich mir vorgenommen hatte, einleiten sollte. Der grösste Verbrecher, der gerechteste Selbstasser bleibt ein Mensch, und bebt vor dem Urteil, wenn er sich demselben nahe glaubt, zurück. Ich kannte die Rechte unserer Gerechtigkeit zu gut, um bei dem Gedanken, mich in ihre hände zu liefern, nicht ein heimliches Grauen zu fühlen. Doch das Schicksal wollte meiner Schwäche und Unentschlossenheit zu hülfe kommen.
Am Ende der Sitzung warf sich eine Jungfrau vor den Stufen des Trons nieder, und stammelte das15 Geschrei um Rache, wie man es sie gelehrt hatte.
Und welche blutige Tat, fragte der Oberrichter, ist es, über die ihr Rache fordert?
Kayser Philipps Ermordung!
Seid ihr eine seiner Töchter?
Nein, aber ich rede in ihrem Namen und auf ihren Befehl!
über wen klagt ihr?
über keinen! aber ich fordre das Auge des Richters auf, den Täter zu finden!
Er ist gefunden! Es ist Pfalzgraf Otto von Wittelsbach!
Nein, er ist es nicht! schrie ich mit schrecklicher stimme, indem ich aufsprang, und die Hand zum Zeichen des Widerspruchs in die Höhe hob.
Nein, er ist es nicht! schrie die Jungfrau, sehet und höret hier meine Beweise.
Pfalzgraf Otto ward entschuldigt, so bündig entschuldigt, als es bei der Gerechtigkeit seiner Sache unausbleiblich war, und man hiess die Klägerin sich erheben und gegen alle vier Winde Rache gegen den unbekannten Mörder rufen! sie schlug den Schleier zurück, und tat mit zitternder stimme, wie man ihr gebot.
Ihr Gesicht, ihre Sprache machte sie mir auf einmal kenntlich, und mein ganzes Wesen durchlebte ein unwillkührlicher Schauer. Alverde! rief ich, indem ich von meinem Stuhl herabstieg, Alverde, meine Schwester! Du schreist Rache über deinen Bruder? Ich, ich bin Kayser Philipps Mörder! Hier bin ich, tödtet mich! Pfalzgraf Otto ist unschuldig!
Alverde wurde ohnmächtig und ward hinweggeschaft, man nahm meine Worte auf; das Gericht erging über mich; ich ward verurteilt.
Da erhub sich ein Mann aus der untern Klasse, mich zu verteidigen, es war Rudger, der mich, den Verlornen, mit Erstaunen hier wiederfand. Seine Worte konnten kein Gewicht haben, denn die mächtige Wahrheit und mein eigenes zeugnis waren wider mich. Man hiess ihn schweigen, und in heimlichen Banden, als ein Gefangner, bleiben, bis der Kaysermörder seinen Lohn empfangen hätte; darauf brach man den Stab über mich, und stiess mich hinaus, ruhlos in der Welt umherzustreichen, bis mich der Bluträcher finde und mich tödte.
Ich eilte davon, damit man Raum hätte, das los über diejenigen zu werfen, welchen man das Rachschwerdt wider mich vertrauen wollte. Ach ich dachte nicht, dass es auf denjenigen fallen