meinem Schwerdt, das Blut der unglücklichen Alix zu rächen, meine Hand sank zurück, und ich fiel in gänzliche Bewustlosigkeit.
Was von diesem Augenblick an bis auf den fürchterlichsten Zeitpunkt meines Lebens mit mir vorgegangen ist, schwebet mir nur wie Traum vor den Augen. Schmerzen, Hitze, tödliche Entkräftung besinne ich mich gefühlt zu haben! – Alverdens Namen hörte ich verschiedenemahl nennen, und er war allemahl ein Zauber, mich auf einige Augenblicke zur Besonnenheit zu bringen.
Was will sie bei mir? schrie ich mit knirschenden Zähnen.
Gnädiger Herr, euch sehen, euch in eurer Krankheit pflegen, ungeachtet sie selbst krank ist.
hinweg mit der Mörderinn! schrie ich; durch Bosheit oder wenigstens Vernachlässigung lieferte sie Alix in Philipps hände.
Fürchterliche Rasereien folgten hierauf, meine Reden wider den Kaiser waren so, dass man sich scheute sie einem Fremden hören zu lassen, daher ward mein Zimmer vor jedermann verschlossen. Meine natürliche Stärke, welche durch die Krankheit verdoppelt ward, nötigte meine Leute mich zu binden, weil ich auf keine andere Art zu bändigen war, und ich mit der grössten Schlauhigkeit Gewehr oder andere Werkzeuge zum Schaden an mich zu bringen wusste, die mir denn schwer zu entreissen waren.
Man versuchte tausend Mittel mich zu besänftigen. In meinen sanftern Stunden, pflegte ich oft Herzog Bernhards Namen zu nennen, und über Otto und Rudgers langes Ausbleiben wie ein Kind zu weinen; man sagte mir, der letzte werde nur noch wenige Meilen von der Stadt von den Folgen eines Sturzes vom Pferde, bettlägrig gehalten, und den Pfalzgrafen erwarte man in wenig Tagen von seiner Reise aus Pohlen zurück, Umstände, aus welchen sich die Dauer meiner Krankheit erraten lässt.
Von Herzog Bernhard gab man mir einen Brief; er machte die idee von Sutrinos Briefe wieder in mir rege, und statt ihn zu lesen, zerpflückte ich ihn in kleine Stücken.
Raserei und Wehmut wechselten lang bei mir ab; bis endlich die letzte die Oberhand behielt und man mich gelinder behandeln konnte, man band und bewachte mich nicht mehr so scharf, nur die Mittel, mein Zimmer zu verlassen, benahm man mir, indem man mir Kleider und Rüstung aus dem Wege räumte. Alverde liess sich wieder bei mir melden, aber mein Widerwille vor ihr blieb entschieden, ich liess ihr sagen, ich wolle sie nicht sehen, und legte damit einen Beweis ab, wie viel noch an der völligen Wiederherstellung meines Verstandes fehlte. Sie sandte mir einen Brief, mit Bitte ihn, da er offen war, zu lesen, und denn zu bestellen; ich warf ihn verächtlich auf die Seite. Ich erhielt einen anderen von Kalatin, und er würde um des Schreibens willen, ein noch schlimmeres Schicksal gehabt haben, wenn ich ihn nicht verloren hätte. So veranlasste mich meine unglückliche Gemütsfassung alles hinweg zu werfen, was mich hätte retten können, und blind in mein Unglück zu rennen.
O dass ich mich mit meinem halben Wahnsinn schützen, o dass ich behaupten könnte, ich habe völlig als ein Trunkener gehandelt, als ich die Tat beging, die ich, ich zögre auch noch so lang, doch endlich bekennen muss; aber hinweg mit der Schminke eine Tat zu beschönigen, die doch allemahl ihren greulichen Namen, Kaisermord, behalten wird, da ich mich jedes Umstandes bei derselben zu deutlich erinnere, um mich hinter Bewusstlosigkeit verbergen zu dürfen.
Mein Gesundheitszustand war leidlich, meine Hüter fingen an nachlässig zu werden, und meiner Besserung zu viel zu trauen. Sutrinos Brief war mir wieder in die hände gefallen, und hatte meine Wut gegen Philipp erneuert, ich zwang sie ein, um mir Freiheit zu handeln zu erhalten. Nach einer von Alix Blut und Rache durchträumten Nacht, erhub ich mich um aufzustehen, ich sah mich noch schlechter als bisher bewacht, und wünschte mir Glück die Stunde gekommen zu sehen, die ich schon lang erwartet hatte. Ich fühlte die Unschicklichkeit und Gefahr im Nachtrock auszugehen, und suchte nach meinen Waffen und Kleidern; sie waren verschlossen.
Der Weg zu Wittelsbachs Rüstkammer war mir nicht unbekannt. Ich sah in den Hof hinab, der zu dem teil des Pallasts führte, wohin ich wollte. – Der Hof war leer. Ich eilte ungesehen hinüber, warf mein Nachtgewand unterwegens ab, flog in die Waffenhalle, welche offen stand, schlüpfte in die erste beste Rüstung, die mir in die Hand fiel, behelmte mich und schloss das Visier, nahm Wittelsbachs Kriegsschwerdt und seinen Schild, und eilte auf die Strasse hinaus, gerüstet wie zur Schlacht, um einen einzelnen Mann zu erwürgen.
Ohne Anstoss erreichte ich den kaiserlichen Pallast; man liess mich ein, worüber ich mich wunderte, weil mir es war, als müsste jedermann mir meinen Mordanschlag ansehen, und ich nicht soviel Besonnenheit hatte zu denken, dass in Wittelsbachs Waffen mich bei der Gleichheit unserer Statur, die niemand anders hier mit uns gemein hatte, mich jedermann für Wittelsbach halten müste, für Wittelsbach, dessen Ankunft, wie ich hernachmahls erfuhr, man heute erwartete, und der als des Kaisers Schwiegersohn nicht allein immer den freisten Zutritt hatte, sondern heute noch besonders zu einer geheimen Audienz berufen worden war.
Von allen diesen Dingen wusste ich nichts, ich konnte weder ursache noch Folgen dessen, was ich vor mir hatte, beherzigen, sondern lebte und webte nur in dem Gedanken, die Rache zu vollführen, welche schon so lange in meinem Innersten kochte, und zu welcher ich mich, wenn mir die Aufträge zu