dies war die vollkommene Gestalt meiner Schwester. Meine Leute wurden beordert; Erkundigung einzuziehen, und sie brachten Bestättigung zurück: Die Dame nenne sich Alverde von Merode und komme aus Pamiers mit wichtigen Nachrichten an den kaiserlichen Hof.
An den Hof? sagte ich zu mir selbst, warum nicht zu ihrem Bruder? was sie zu melden hat, sind doch wohl nichts anders als Nachrichten von Alix. – Gott, wenn die Erreichung meiner Wünsche so nahe wär! wenn sie käme, mich aufzufordern, der verflossenen gräfin von Toulouse meinen Arm zu reichen, und sie in ihr Vaterland zurückzuführen! – Aber warum musste Alverde selbst kommen? Wie konnte sie ihre Freundinn in einer Lage, welche auf alle Art bedenklich sein muss, allein lassen? – Ach sollte hierin vielleicht noch mehr, als ich zu hoffen wage, verborgen liegen? – O gewiss, gewiss! – Die Umstände sind dringender geworden, man hat vielleicht böse Anschläge auf Alix gehabt, mich zu hülfe zu rufen, war zu weitläuftig, die beiden Freundinnen haben sich selbst helfen müssen, sie sind geflohen, Alix hat Alverden voraus geschickt, ihr Zuflucht an Philipps hof zu erbitten, und wird ihr diese gewährt, so ist dies ein neues Band, mich an den zu fesseln, den ich verderben soll. Nein, Philipp! ich schwöre dir, giebst du meiner Geliebten Schutz vor ihren Feinden, so soll mich nichts bewegen, dein Leben anzutasten, und wärst du all der Untaten schuldig, deren man dich zeihet, und gäb mir Herzog Bernhard selbst das Schwerd in die Hand, die Befehle der Gerechtigkeit an dir zu vollziehen.
Ich wartete diesen Tag, ich wartete den ganzen Abend vergebens auf Nachricht von meiner Schwester, ich bewachte die Strasse, wo ich glaubte, dass Alix, meinen Phantasien zufolge, herkommen müsse; niemand erschien, ich sah Alverden drüben im Pallaste der Prinzessinnen weinend am Fenster stehen, ich sah auch Beatrix und Elise weinen! Himmel, was mochte das zu bedeuten haben! Mein Blut ward zu Eis, und ich hatte kaum so viel Kraft, Befehl zu geben, man möge der neuangekommenen Dame Nachricht geben, ihr Bruder wohne im benachbarten haus und wünsche sie zu sprechen; die Antwort kam zurück: die fremde Dame befinde sich sehr übel, und könne weder Bruder noch Freund sehen und sprechen. Himmel, welch eine Antwort! entweder falsch ausgerichtet oder falsch verstanden, oder in einer Verwirrung gegeben, welche sich bei Alverdens damahliger Gemütsfassung wohl entschuldigen liess.
Ich war ausser mir, Ahndung von, ich weis nicht, welchem Unglück durchströmte mein Innres. Ich schleppte mich mit Mühe an das Fenster, weil ich Geräusch auf der Gasse hörte, und die lächerliche Hoffnung auf Alix Zukunft noch immer meine Phantasie beschäftigte. Ich sah einen prächtigen Zug die Strasse herauf nach dem kaiserlichen Pallaste kommen. Ich erkannte in den beiden Hauptfiguren des beweglichen Gemäldes, den Bischoff von Kastilien und den Grafen von Kastelmoro.
Was ist das? rief ich, indem mir kalter Angstschweiss über die Stirne lief. – Es sind die kastilischen Gesandten, erwiderte einer meiner Leute, der hinter mir stand, man hat sie diesen ganzen Tag erwartet, aber sie haben sich auf einem benachbarten Lustschloss verweilt, um sich zur Audienz zu schicken, zu welcher sie, weil man sich angenehme Werbung von ihnen versieht, augenblicklich geführt werden.
Eine Frage schwebte auf meinen Lippen, welche mir hier wohl schwerlich hätte beantwortet werden können; sie wurde gehemmt und alle weitere Betrachtungen über das, was ich sah und hörte, wurden gestört, denn man trat ein, mir die Ankunft eines reitenden Boten zu melden, welcher mich selbst zu sprechen verlange. Der Zusatz, er komme mit der Gesandschaft aus Pamiers von Sutrino, verschafte ihm augenblicklichen Zutritt. Ich riss ihm den Brief aus der Hand, ich öfnete, ich las, und wenn der, für welchen ich schreibe, ihn ebenfalls gelesen haben wird, so wird der grosse Zwischenraum, den ich zwischen diesem schrecklichen Schreiben und der Fortsetzung meiner geschichte machen muss, von ihm sehr leicht ausgefüllt werden können.
Sutrino an Alf von Dülmen.
Alix ist tod, und der Vater der künftigen Königin von Kastilien, der Prinzessin Elise, ist ihr Mörder. O des heillosen Vergifters jenes Heiligen und dieses Engels! Alf von Dülmen, wo schläft die Rache? könnt ihr euch von dem, der euch den Freund entriss, so kaltblütig auch die Geliebte aus den Armen reissen lassen? – Mir erstarrt die Hand an der Feder, möge die Eurige nicht am Schwerdt erstarren! – Umständlichere Erzehlung der grauenvollsten Dinge erhaltet ihr von dem Ueberbringer. Hütet euch vor allen euren sogenannten Freunden, hütet euch selbst vor eurer Schwester Alverde, die an dem Schicksal der unglücklichen Alix nicht ausser Schuld ist; vertrauet in diesen Dingen nur der Aussage des Mannes, den ich euch sende, und der euch all die schrecklichen Geheimnisse aufklären wird. Und ich erhielt sie diese Aufklärung um mich in volle Verzweiflung zu stürzen, erlasset mir ihre Wiederholung, damit nicht mein Verstand zum zweitenmahl scheitere. Alix war gestorben, an Gift gestorben; nach dem Bericht, welchen ich erhielt, liess sich die Hand nicht verkennen, welche sie aus dem Wege räumte, um Elisen auf dem ihr bestimmten Trone Platz zu machen. Die kastilische Gesandschaft bestättigte Philipps Schuld, und von diesem Augenblicke an war er in meinen Augen ein dem tod geweihter Verbrecher, ich glaubte ihn vor mir zu sehen, und langte nach