jeden Fall müssen Maassregeln genommen werden, und höret wie ich sie genommen habe:
Ich komme von dem Sterbebette der Kaiserin Konstanzia. Ich habe ihr Philipps Treulosigkeit nachdrücklich vorgestellt, und das dadurch erlangt was ich wünschte. Philipp, sagte sie, verlässt seinen Mündel, und sucht das für sich, was dem Sohn Kaiser Henrichs zukam? Wohl gut, ich muss die sorge für dieses unglückliche Kind treuern Händen empfehlen. Ich lege sie in die eurigen, Graf von Segni, in die eurigen, ihr, den ich schon als Stattalter Christi verehre. Legt eure Hand in die meinige, und schwöret mir, dass ihr dem verlassenen Friedrich die Krone seines Vaters erhalten wollt!
Ich schwur ihr, Friedrichen die Krone seines Vaters zu erhalten, wobei ich zwar eigentlich keine andere in den Sinn nahm, als die von Sicilien; doch würde ich gar nicht dawider sein, wenn ich ihm auch die deutsche erhalten könnte. Friedrich wär Kaiser, der Pabst sein Vormund, könnte etwas glücklichers für die Christenheit erdacht werden? – Doch dieses Unternehmen möchte wohl, wie ich besorge, zu viel Blut kosten, möchte mir auf alle Art unausführbar sein, ich kenne den Starrsinn der deutschen Fürsten, und hütete mich daher wohl, etwas mehr zu versprechen als ich halten konnte. Die Kaiserin war nach Art aller Matronen unfähig ein Misstrauen in die Worte eines Geistlichen zu setzen, glaubte durch mein Versprechen all ihre Wünsche gewährt, und entschlief wohl zufrieden.
Friedrich ist nun mein Mündel und König von Sicilien, aber nur auf gewisse Bedingungen, welche heute zu melden, da ich noch Graf von Segni oder Kardinal Lotar bin, lächerlich sein würde; morgen wird der Pabst aus einem andern Tone sprechen.
Das was euch nach der Standserhöhung eures Freundes in diesem Briefe das Wichtigste sein wird, habe ich auf die letzt verspart. Die unter uns beiden beschlossene Vermählung des kastilischen Prinzen mit der jungen Gräfin von Toulouse ist so gut als richtig; heute habe ich Nachricht von dem Beichtvater des Grafen, er hat mit ihm von der Sache gesprochen, und ihn geneigt gefunden, und ihr könnt auch nun eurem Könige davon sagen, dessen Einwilligung zu erhalten, es euch nicht an Mitteln fehlen kann.
Bernhard, Herzog zu Sachsen, an Pfalzgraf
Otten von Wittelsbach.
1198.
Mit was für Herzen, mein Otto, hätte ich nach dem Kaiserstuhl streben, oder vielmehr, da er mir geboten wurde, ihn annehmen sollen? Die sichtbare und die unsichtbare Obergewalt im deutschen Reiche können und dürfen nie in einer person vereinigt sein, ich hätte die letzte aufgeben müssen, um die andre zu behaupten, und urteilet ihr selbst, ob dieser Tausch vorteilhaft gewesen wär. Das höchste Gut des redlichen Mannes ist gelegenheit und Macht, der Bosheit zu steuern und das Gute empor zu bringen. Der Stuhl,2 auf welchem ich im Verborgenen sitze, gibt mir dieser Gelegenheiten tausend, ich möchte sie nicht missen, um zehn Kaisertrone; auch ist das Schwerd furchtbar, das ich in den Händen trage, ich möchte seine Schärfe keinen andern als den meinigen anvertrauen. Unheil damit anzurichten, wär leicht, wie sollte ich es um einen Scepter vertauschen, und dadurch den, der wie ihr wisst, nach mir der nächste ist, und der es nach mir aufnehmen würde, in Gefahr setzen, ein Tyrann zu werden.
Dinge, wie diese, versteht kein Profaner, ihr, die ihr schon auf gewisse Art zu den Wissenden gerechnet werden könnt, könnt viel davon verstehen.
Nein, mein Otto, ich neide Kaiser Philippen nicht seiner Erhöhung, und zürnen könnte ich nur aus einem grund mit ihm: Der Herzog von Zähringen hat sich seine Ansprüche um 12000 Mark abkaufen lassen, wie habe ich verdient, dass mir ein ähnliches geboten wurde! – Doch Philipp kennt Bernharden von Sachsen nicht, das ist seine Entschuldigung! Es ist verschmerzt, mein Zorn ist vorüber. Zum Zeichen, wie gut ich es mit dem neuen Kaiser meine, sagt ihm, was er unmöglich noch wissen kann, (ihr wisst, keine Posten gehen schneller als die unsrigen;) sagt ihm, der nunmehrige Pabst fange an, sich ihm als einen fürchterlichen Feind zu beweisen. Die Vormundschaft über den jungen König von Sicilien hätte nicht vernachlässigt werden sollen, sie ist nun in seinen Händen. Doch dies ist eine alte Zeitung, aber diese ist neu, dass er den kaiserlichen Präfekt der Stadt Rom gezwungen hat, ihm, dem Pabst, den Eid der Treue zu schwören, dass Markgraf Markard der Mark Ankona, und Konrad von Schwaben seines Herzogtums Spoleto beraubt, nächstens in Deutschland sein werden, dass alle lombardischen Städte sich dem furchtbaren Innozens unterwerfen, und Tuscien nächstens das nehmliche tun wird. Sehet hier eine Menge Dinge, die Philipp eilig wissen muss, um Gegenvorkehrungen zu treffen. Gehet, empfehlet euch ihm mit denselben. Er hat schöne Töchter und keinen Sohn, könnte er sich doch mit einer derselben Pfalzgraf Otten zum Sohn eintauschen, dies würde Glück für beide sein, mich dünkt, Philipp braucht einen Helden, wie ihr, zur Stütze seines Trons, der wahrscheinlich, besonders von Rom her, viel Erschütterungen erfahren wird, und ihr braucht eine holdselige Gattin, die euch, nachdem ihr lang genug die Mühseligkeiten des krieges empfandet, die Freuden des häuslichen Lebens schmecken lehre. Möchte mir doch ähnliches Glück lachen! möchte mich doch der Besitz der schönen Adila von Pohlen meinen trübseligen Wittwerstand vergessen machen! Doch sie ist noch