Städten und Dörfern zwischen Goslar und jener Stadt Kinder und erwachsene Leute hinter uns herliefen, weil die schwarzen und braunen Gesichter meiner Begleiter ihnen sehr auffallend waren. Von da mussten wir zu wasser nach Plymout gehen, weil ich dort verschiedne englische Ware einzukaufen hatte. Dort wurden wir bald nachher wieder eingeschifft und erreichten, ohne widrige Vorfälle, die Kanarischen Inseln.
Mein Herr Vetter war so sorgsam gewesen, mir einen geschickten Sprachmeister zu senden, und ich wendete die ganze Zeit, die wir auf der Nordsee, auf dem Atlantischen und nachher auf dem Mittelländischen Meere zubringen mussten, dazu an, mir die gehörigen Kenntnisse zu erwerben, um wenigstens nicht ganz unwissend in den Sprachen der Länder zu sein, in denen ich nun künftig leben sollte.
In Madeira fand ich das Schiff, welches mich nach Marokko führen sollte. Dass wir dazu mit den nötigen Pässen versehen waren, versteht sich von selber; ich hatte aber einen wirklichen Auftrag an dem marokkanischen hof von dem Könige in Abyssinien auszurichten. Mein Herr Vetter wollte, dass ich hier die erste probe ablegen sollte, ob ich zum Staatsmanne taugte, und der Zweck meiner Gesandtschaft war, Seiner Kaiserlichen Majestät ein Bündnis anzubieten und zugleich mit dem braunen Monarchen einen Handlungstraktat zu schliessen.
In dem Schiffe fand ich eine vollständige afrikanische Garderobe für mich, und sobald wir die Kanarischen Inseln aus den Augen verloren hatten, vertauschte ich meinen braunen Rock und die blaue Weste mit einer prächtigen abyssinischen Kleidung. Mein Herr Vetter hatte von mir verlangt, dass ich meiner Bierbrauers-Genealogie nicht Erwähnung tun, sondern mich für einen deutschen Kavalier von altem Adel ausgeben sollte. Es tat mir weh, dass ich mir eine solche Lüge erlauben musste, und ich seufzte darüber, dass auch in Abyssinien die Abstammung eines Menschen, die doch weder persönlichen Wert gibt noch persönliche Unvollkommenheiten tilgt, für etwas Wesentliches gelten sollte; weil es nun aber einmal erfordert wurde und ich so wohlfeil dazu kommen konnte, ohne die gewöhnlichen Gebühren zu bezahlen, so reisete ich als ein Edelmann von Madeira ab.
Unter den Büchern, deren ich im vorigen Kapitel Erwähnung getan habe und die ich mit nach Gondar bringen sollte, hatte mir der Minister von Wurmbrand auch den Titel des sehr interessanten grossen Werks aufgeschrieben, welches der Freiherr von Moser in Quarto herausgegeben hat und das die Beantwortung der wichtigen Frage entält, ob die Gesandten vom zweiten Range den Titel Exzellenz fordern dürfen oder nicht. Dies schätzbare Buch war, so wie noch ähnliche andre, welche Gegenstände des Staatsrechts abhandeln, die einen beträchtlichen Einfluss auf die Wohlfahrt des Heiligen Römischen Reichs haben, eigentlich zu meinem Gebrauche mitgenommen worden, indem ich daraus den nötigen Unterricht erhalten sollte, wie ich es anzufangen hätte, meiner eignen und des allergnädigsten Königs Ehre an dem marokkanischen hof nichts zu vergeben. Sobald ich daher im Hafen Mazagan angekommen war, schickte ich meinen Dolmetscher voraus nach Marokko, um vorläufig jeden kleinen Punkt des Zeremoniells bei meiner feierlichen Audienz ins reine bringen zu lassen. Nun gingen fast täglich Kuriere hin und her zwischen Mazagan und Marokko; die dortigen Zeitungsschreiber urteilten, es müssten am hof äusserst wichtige Dinge verhandelt werden, um so mehr, da binnen den sechs Wochen, die ich im Hafen zubrachte, um über jene Punkte bestimmte Erklärung zu erhalten, alle, auch die wichtigsten einländischen Geschäfte im marokkanischen Ministerio liegenblieben. Anfangs begnügten sich die öffentlichen Blätter, nur oft wiederholt zu erzählen, es sei schon wieder ein Kurier durchpassiert, von dessen Ausrichtung – man nichts wisse. Als aber dem Publiko die Zeit zu lange dauerte und ich die strengste Verschwiegenheit beobachtete, erfanden die Zeitungsschreiber allerlei zuverlässige Nachrichten von bevorstehenden Kriegen und Ländertausch, bis endlich die ganze Sache klar wurde. Man erlaubte sich nämlich am hof des Kaisers von Marokko die unerhörte Anmassung, zu fordern, der abyssinische Gesandte sollte in des Kaisers Gegenwart durchaus sich nicht unterstehen zu niesen. Nun hatte ich aber nicht nur, durch Verkältung auf der Reise, einen ungeheuern Schnupfen bekommen, sondern es stand auch bestimmt in meiner Instruktion, dass ich auf diesem höchst wichtigen Punkt, weswegen schon einmal ein zehnjähriger Krieg war geführt worden, mit aller Beharrlichkeit bestehen sollte. Es glückte mir endlich, durch ernstliche Bedrohung, dass man wieder zu den Waffen greifen würde, nicht nur die Freiheit zu erlangen, bei hof ungehindert zu niesen, sondern auch, dass man mich von dem ärgerlichen Zeremoniell befreiete, während der Audienz eine Pomeranze im mund zu führen. Da indessen mein Katarrh vorübergegangen war und ich mich doch in den Besitz des Rechts zu niesen setzen wollte, so versah ich mich mit dem grünen Schneeberger Schnupftobake, der auch solche wirkung hervorbrachte, dass darüber ein grosser teil der schönen Reden verlorenging, die bei dieser gelegenheit gehalten und verdolmetscht wurden.
Ich verschone die Leser mit Beschreibung meines feierlichen Einzugs und schweige über den übrigens sehr glücklichen Erfolg meiner Verhandlungen am marokkanischen hof, als welche, wie billig, ein Geheimnis bleiben müssen; dagegen aber will ich einiges von der person des Kaisers, von dem land selber und von einem sehr interessanten gespräche, das ich mit Seiner Majestät führte, hier erzählen.
Der damalige Kaiser von Marokko war ein stattlicher, korpulenter Herr, der einen vortrefflichen Appetit bei Tafel hatte und die Frauenzimmer ungemein liebte. Die Zeit, welche er diesen beiden Gegenständen widmete, erlaubte ihm nicht, sich sehr viel um Regierungsgeschäfte zu bekümmern. Diese waren deswegen gänzlich den Händen seines Premierministers überlassen, der ein Jude und ein wenig schmutzig in seinem Äusserlichen war. Der