, Kreuzern, Stübern, guten Groschen, Mariengroschen, Albus, Dreiern, Batzen, Pfennigen, Hellern, lübischen, dänischen, flämischen Schillingen und Groten, Petermännchen und, Gott weiss! mit welchem Zeuge zu vergleichen, seine Agio-Rechnung und seinen Abschluss zu machen. Postanstalten, Meilenberechnung, Wege, Zölle, alles ist unendlich verschieden. Man verliert Geduld, Zeit und Geld dabei."
Was die Post betrifft, so hatten wir damit einen sonderbaren Vorfall. Einer unsrer Bedienten hatte, ich weiss nicht mehr, wo, der öffentlichen fahrenden Post einen Koffer, worin seine sämtliche Wäsche war, weil kein Raum mehr dafür auf unserm Bagagewagen gewesen, anvertrauet. Der Adresse nach sollten wir ihn in Frankfurt finden; allein es kam die Nachricht, der Koffer sei vom Wagen gestohlen worden und man könne ihm nichts dafür vergüten, weil in dem land, wo er ihn auf die Post gegeben, eine Verordnung stattabe, nach welcher man nur dann den Wert der von dem Postwagen gestohlnen Sachen ersetzte, wenn dieser Wert von dem Eigentümer vorher wäre angegeben worden. Wir stellten dagegen vor, es sei albern, von einem Fremden zu verlangen, dass er jede Verordnung eines Landes kennen sollte, besonders solche Verordnungen, die gegen alle Begriffe von Billigkeit und Recht stritten. Ein Landesherr sollte überhaupt, soviel er kann, für die Sicherheit der Heerstrassen einstehen und selbst dann, wenn die Post mit Gewalt angefallen und bestohlen würde, den Schaden ersetzen, weil die Post ihm eine Revenue gewährte, weil man teures Porto bezahlen müsste, weil es einem Reisenden in diesem land nicht einmal freigestellt sei, ob er mit der Post oder mit anderm Fuhrwerke reisen wollte; allein diesmal sei gar nicht der Fall einer gewaltsamen Beraubung gewesen, sondern man hätte denen Leuten den Koffer unter den Händen weggestohlen, welchen er an vertrauet gewesen. Die Postdirektion sei doch also wenigstens gewiss als ein negotiorum gestor anzusehen und müsse für dasjenige haften, was durch Vernachlässigung ihrer Leute verlorenginge. Die Verordnung, dass der Wert der Sachen vorher angegeben werden müsste, sei dem Fremden, bei Ablieferung des Koffers, nicht bekanntgemacht worden; woher sollte er sie also wissen? Man könne sich leicht einbilden, dass, wenn er sie gewusst hätte, er, da es nicht wohl möglich sei, seine Wäsche u. dgl. genau zu taxieren, den Wert zehnmal höher würde angegeben haben, da dies doch nichts mehr kostete; und wäre das geschehen, so müsste sie nun mehr bezahlen, als gerecht wäre. Diese ebenso unbillige als zwecklose Verordnung könne also nur dazu dienen, die Postknechte zu verleiten, dass sie unerfahrne Reisende bestöhlen, und Fremde zu bestimmen, ein Land zu fliehen, wo man seines Eigentums nicht sicher sei, wenn man nicht zehntausend Verordnungen in der kurzen Zeit seines Aufentalts durchstudieren könne. – Alle diese Vorstellungen halfen nichts, und der arme Bediente erhielt keine Vergütung für seinen Verlust.
In einer Stadt, die ich nicht nennen will, waren wir Zeugen einer Szene, die mich innigst rührte, weil sie mir bewies, dass noch nicht alle Stände in Deutschland den Sinn für Tugend und Keuschheit verloren hatten. Dem regierenden Fürsten daselbst, der ein sehr ausschweifendes, sittenloses Leben führte, war einst die Tochter eines Bürgers begegnet; sie hatte ihm gefallen, und er hatte ihr den Antrag tun lassen, seine Buhlerin zu werden. Das Mädchen verwarf mit Würde diesen entehrenden Antrag, und der Vater, ein nervichter Bierbrauer, warf den Unterhändler zur Tür hinaus. Kurz darauf starb das ehrliche Mädchen; und nun beeiferte sich jedermann, ihren Sarg mit atlassnen Kissen, mit Kronen und Blumen zu schmücken, und vor des Fürsten Schloss vorbei führte man den Leichenzug, dem unzählige gutgesinnte Einwohner aus allen Ständen folgten. Wir hatten das Glück, grade um diese Zeit in der Stadt zu sein, und ich nützte die gelegenheit, um meinem Prinzen eine kleine Lektion zu geben, die aber, leider! auf seinem polierten Fürstenherzen abgleitete.
Auf der benachbarten Universität hielten wir uns einige Tage auf und besuchten da einige berühmte Männer, von denen ich hier keine Schilderung entwerfe, weil ich es für unverschämt halte, dem Beispiele unserer neuern Reisenden zu folgen, die sich in die Studierzimmer der Gelehrten eindrängen, ihnen da eine Menge platter Schmeicheleien vorsagen und, wenn dann die gutmütigen Männer das für bares Geld annehmen, in froher Herzensergiessung irgendein nicht ganz weises Wort fallenlassen oder in Augenblicken der Zerstreuung und Überraschung ein wenig unzusammenhängend reden oder das Unglück haben, nicht grade so zu sein und auszusehen, wie es den Reisenden gefallen hat, sich den Mann zu denken, das Unglück erleben müssen, eine schiefe Schilderung von sich oder eine wörtliche Wiederholung ihrer vertraulichen gespräche in irgendeinem Journale gedruckt zu lesen.
Man behandelte uns sehr ehrenvoll auf dieser Universität, und ich beschloss, mit meinem Prinzen sechs Wochen dazubleiben und einigen Vorlesungen beizuwohnen.
Einst hatte ich mit einem Professor der Statistik ein Gespräch über die Sitten einiger wilden Völker. Ich wagte es, zu behaupten, dass nicht eigentlich die natur, sondern nur gewisse durch Vorurteil erzeugte Begriffe uns einen so grossen Abscheu gegen das Essen des Menschenfleisches einflössten. Ob Menschenfleisch ein appetitlicher Bissen sei, sagte ich, das wüsste ich nicht; aber das glaubte ich nicht, dass ein allgemeiner Instinkt in uns einen grösseren Ekel gegen das Fleisch eines frisch getöteten Menschen erzeugte als gegen das Fleisch irgendeines andern Tiers. Dies war eine Hypotese, die ich nur so hinwarf; aber ich war nicht