grossen Schiffen herumzufahren und nur vom Fischfange zu leben; folglich ein ganzes neues schwimmendes Reich zu stiften und sich den Beherrscher aller Gewässer der Welt und deren Bewohner zu nennen. In seinen Schlössern hatte er in allen Zimmern grosse und kleine Teiche anlegen lassen. Da sass er denn mit seinen Lieblingen und Weibern, die Angelrute in der Hand, indes die Stattalter und Minister das Volk plünderten. Wollte dieses mit seinen Klagen bis zum Könige dringen, so gebot man ihm, unter fürchterlichen Drohungen, Stillschweigen, weil durch lautes Reden die Fische verscheucht wurden und nicht anbissen. Jedermann wurde daher vom schloss entfernt gehalten. Alles ging in demselben in grösster Stille zu, ausser bei den Mahlzeiten, wo jedoch nichts als Fische gespeist wurden. Ich erreichte den Zweck meiner Sendung dadurch, dass ich Seiner Majestät, durch Seine Exzellenz den Geheimen Hof-Fischer, eine neue Art von Köder (oder Lockspeise für die kleinern Fische) überreichen liess, durch dessen hülfe ich, in meinen Knabenjahren, manche Forelle aus den Harzbächen gestohlen hatte. Dies gefiel dem Monarchen ungemein, und er unterschrieb auf der Stelle den Handlungstraktat mit Abyssinien, ohne ihn gelesen zu haben.
Den König von Bugia fand ich beschäftigt, Zahnstocher aus Sandelholz zu schnitzeln. Dies war seine einzige Beschäftigung, vom Morgen bis zum Abend. Er hatte einem benachbarten volk kürzlich zweiundzwanzig einträgliche Ämter gegen einen kleinen Wald von Sandelbäumen abgetreten; denn schon fing es an, ihm an Materialien zu Zahnstochern zu fehlen. Er beschenkte jedermann mit diesen Kostbarkeiten. Die Beamten mussten die Untertanen zwingen, Sandelbäume zu pflanzen, und unter diesem Vorwande wurden sie denn schrecklich gedrückt; denn wenn unter andern ein solcher Geld brauchte, so befahl er dem Bauer, seine besten Felder in einen Wald zu verwandeln, und dann war kein andres Mittel da, als sich mit einer Summe Geldes den kleinen Tyrannen vom Halse zu schaffen.
Als ich nach Fungia kam, war der Monarch dieses volkes in einen blutigen Krieg mit seinen Nachbarn, den Barbirini, verwickelt. Der Gegenstand dieses krieges war die Auslieferung der heiligen Knochen eines Priesters, der am Aussatze gestorben war. Der König war nämlich im höchsten Grade andächtig und abergläubisch. Er war von pfaffen erzogen worden, die ihn in der äussersten Dummheit erhalten hatten, damit sie desto despotischer das Land regieren könnten. Die Hälfte aller Güter im land gehörte den Priestern, und bei diesem Kriege war es eigentlich auf nichts angelegt, als gewisse hell sehende Köpfe, zu denen der König einige Zuneigung gefasst hatte und die sich listig, und um sicher zu sein, in das Gewand der Religiosität gehüllt hatten, dadurch zu entfernen, dass man sie mit der Armee fortschickte. Meine Unterhandlung an diesem hof ging dadurch gut vonstatten, dass ich dem Könige drei ganze Körper von Einsiedlermönchen aus den Gebirgen Waldubba in Abyssinien versprach. Solche Mönche werden für Wundertäter und Heilige gehalten und pflegen ein hohes Alter zu erreichen, wenn sie nicht von venerischen Krankheiten aufgerieben werden, welches sehr oft der Fall ist. Schwerlich würden indessen diese Gebeine mein Wort geredet haben, wenn ich nicht dem Oberpriester ein grosses Geschenk an abyssinischem Golde versprochen hätte.
Der König von Tasi war ein warmer Freund der Beredsamkeit. Den sehr gedrückten Untertanen, die um Brot baten, pflegte er lange Reden zu halten, worin er ihnen bewies, dass es unpatriotisch sei, soviel Hunger zu haben. Bei meiner ersten Audienz erinnerte ich mich der Aktus, denen ich in meiner Jugend auf der Schule in Holzmünden beigewohnt hatte. Es ging ungefähr ebenso dabei her, und wurden im grossen Rittersaale sieben Reden gehalten; auch wurde da viel unnütze Feierlichkeit angestellt. Den Allianztraktat unterschrieb man unter Absingung von Hymnen; doch baueten sie in Abyssinien nicht viel auf die Treue des Königs von Tasi, und der Erfolg rechtfertigte dies Misstraun. Beim Abschiede beschenkte ich den König mit neun Bänden von Freimaurer-Reden, die ich ins Arabische hatte übersetzen lassen und die sehr gnädig aufgenommen wurden.
In Ilab musste alles durch Weiber durchgesetzt werden. Der Monarch war mit neun wirklichen Gemahlinnen und fünfunddreissig Kebsweibern versehen, deren jede ihren Anhang, ihre Kreaturen, ihre Grillen und ihr Privatinteresse auf Kosten der andern gelten machen wollte. Der entnervte Wollüstling war das Spielwerk aller dieser Parteien. Sie verleiteten ihn zu tausend Torheiten und Ungehörigkeiten, und das ehemals so mächtige Reich war seinem Sturze nahe, als, gleich nach meiner Abreise von dort, der schwache Regent starb und sein Sohn zur Regierung kam, von welchem man, wie von allen Tronfolgern in der Welt, die besten Hoffnungen hatte.
In Omazib, einem der grössten Reiche in Nubien, und in welches vor mir, und vielleicht auch bis jetzt, noch kein andrer Europäer gekommen ist, regierte ein König oder wurde vielmehr ein König von seiner Gemahlin regiert, deren Herz über alle massen an Glanz, Pracht, an der Bewundrung des Pöbels und an Feierlichkeiten hing. Statt für den inneren Flor des Landes zu sorgen, machte man, mit ungeheurem Kostenaufwande, ohne Unterlass Plane zu Eroberung fremder Provinzen, nicht sowohl, um dadurch wahre Vorteile für die übrigen eignen Länder zu ziehen, als vielmehr, um das Vergnügen zu haben, grosse Huldigungsfeste zu feiern, den königlichen Titel um einige Zeilen zu verlängern und in den Jahrbüchern, von kurzsichtigen und knechtischen Geschichtschreibern, unter die mächtigen Eroberer gezählt zu werden. Die unnützen Kriege und die Summen, welche man der weibischen Eitelkeit opferte, erschöpften die Kassen; der Staat wurde mit grossen Schulden belastet, und