Notarius und ich, der ehemalige Baalomaal, ziehe wieder nach Goslar, lebe dort als Advokat und führe nur für arme und Unterdrückte Prozesse.
WURMBRAND: Nein! Ihr müsst bei mir bleiben; ich kann den Gedanken nicht ertragen, mich wieder von Euch trennen zu sollen.
ICH: Das kann nicht geschehen, dass ich bei Euch bleibe. Meine liebe Vaterstadt muss ich wiedersehen; ich will da begraben werden, wo meine Augen zum erstenmal das Licht des Tages erblickt haben; aber was hindert uns, uns von Zeit zu Zeit zu besuchen und Monate miteinander hinzubringen?
Mein Herr Vetter fuhr fort, mich zu bitten; allein ich weigerte mich standhaft. Am folgenden Tage gingen wir zusammen (denn er war nun so weit wieder hergestellt, dass er ausgehen durfte) zu meinem Comes Palatinus, woselbst er sich, gegen die Gebühr, zum Notarius umschaffen liess und, zum Andenken an seine vorigen begebenheiten, in sein Notariatssiegel einen Afrikaner in abyssinischer Kleidung stechen liess, mit der Unterschrift: Olim meminisse juvabit. Hierauf blieb ich noch vierzehn Tage lang bei ihm, binnen welcher Zeit seine Hochzeit ohne grossen Aufwand vollzogen wurde. Gleich hernach trennte ich mich von ihm. Seit dieser Zeit sind nun andertalb Jahre verflossen. Wir stehen im fortgesetzten Briefwechsel miteinander; seine Frau hat ihn mit einem jungen Sohne beschenkt, und ich denke ihn im nächsten Frühjahre zu besuchen.
Im Junius 1789 kam ich hierher nach Goslar; mein Herz pochte vor Freude, als ich die alten Türme zuerst wieder erblickte. Meine Mitbürger, und selbst der hochweise Magistrat, nahmen mich sehr liebreich auf, besonders als sie hörten, dass ich ein hübsches Vermögen mitgebracht hätte. Ich wurde in der ersten Zeit täglich in irgendein Haus zu gast geladen und musste dann gewaltig viel von Afrika erzählen. Die gar zu lästigen Frager verwies ich auf dieses mein Werk, an welchem ich damals schon anfing zu arbeiten.
In der Herbstmesse des vorigen Jahrs reisete ich nach Leipzig und verkaufte dort ziemlich teuer meine Diamanten an polnische Juden. Den grössten teil meines Vermögens habe ich zu Ankauf meines kleinen Guts, eine Meile von hier entlegen, verwendet. Dort bringe ich die angenehmsten Monate des Jahrs hin. Im Winter ziehe ich nach Goslar, wo ich ein Haus gekauft habe. Ich advoziere nicht für Geld; wendet sich aber ein armer Mann an mich, so diene ich ihm, wie es Christenpflicht ist.
Dies Büchelchen wird nun in der Ostermesse erscheinen, und ich kann wohl sagen, ich freue mich darauf, denn ich habe noch nie etwas drucken lassen, und ich meine, es stünde doch manches darin, was man nicht alle Tage zu hören bekömmt. übrigens empfehle ich mich dem geneigten Leser ergebenst.
Geschrieben in Goslar im Dezember 1790
Fussnoten
1 Man sehe Bruces "Reisen" nach. 2 Alle diese Strafen sind noch jetzt in Abyssinien üblich, wie uns Bruce erzählt. 3 Siehe Bruces "Reisen". 4 Siehe Bruce. 5 Vermutlich hat Herr Noldmann dies vor dem Jahre 1787 geschrieben.