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bewundre doch hier einen Augenblick mit mir, wie sich darinnen alle Höfe gleichen, dass meistens die Grossen durch das Verdienst, die Arbeit, den Schweiss der Kleinen die Gunst des Fürsten gewinnen und die Belohnung davontragen. Leviatan gibt sich geradezu für den Erfinder dieses allegorischen Balletts aus, lässt sich dafür liebkosen und danken, gleichwohl ist der Autor davon der bayerische Hofpoet, der erst kürzlich Hungers, folglich in Verzweiflung, gestorben und so zur Hölle gefahren war. Er verfertigte dieses Ballett auf des Fürsten Leviatans Befehl, der den Sinn hatte, Talente auszuspähen nach dem neusten Geschmack seines Hofes, und legte vermutlich die giftige Anspielung auf die Wissenschaften darum hinein, weil sie ihn so schlecht genährt hatten. Vielleicht auch, dass Leviatan, der so gut wusste, was dem Satan gefiel, ihm den Wink dazu gegeben hat. Es sei wie ihm wolle, dieser erntete den Lohn ein, und der dünne Schatten des bayerischen Hofpoets sass kauernd hinter einem Felsen des Teaters und sah mit tiefem Schmerz, wie der Satan den Leviatan für seine Arbeit liebkoste.

7.

Die frohen berauschten Teufel lärmten hierauf, dass sie das Geheul der Verdammten selbst überbrüllten. Auf einmal erscholl Fausts mächtige stimme von der Oberwelt durch die Hölle. Es war ihm gelungen, durch seinen Zauber bis in den Abgrund zu dringen und einen der ersten Fürsten des schwarzen Reichs aufzufordern. Seiner Gewalt war nicht zu widerstehen. Frohlockend fuhr Satan auf: "Es ist Faust, der da ruft; nur dem Kühnen konnte es gelingen, nur der Verwegne konnte es wagen, so gewaltsam an die ehernen Pforten der Hölle zu schlagen. Auf! ein Mann wie er ist mehr wert als tausend der elenden Schufte, die wie Bettler sündigen und auf eine alltägliche Art zur Hölle fahren." Er wandte sich zu dem Teufel Leviatan, seinem Liebling:

"Dich, den geschmeidigsten Verführer, den grimmigsten Hasser des Menschengeschlechts, fordre ich auf, hinaufzufahren und mir die Seele dieses Kühnen durch deine gefährliche Dienste zu erkaufen. Nur du kannst das gierige Herz, den stolzen, rastlosen Geist dieses Verwegnen fesseln, sättigen und dann zur Verzweiflung treiben. Fahre hinauf, verjage den Dunst der Schulweisheit aus seinem Gehirne. Senge durch das üppige Feuer der Wollust die edlen Gefühle seiner Jugend aus seinem Herzen. Öffne ihm die Schätze der natur, treibe ihn hastig ins Leben, dass er sich schnell überlade. Er sehe Böses aus Gutem entspringen, das Laster gekrönt, Gerechtigkeit und Unschuld mit Füssen getreten, wie es der Menschen Art ist. Führe ihn durch die wilden, scheusslichen Szenen des menschlichen Lebens, er verkenne den Zweck, verliere unter den Greueln den Faden der Leitung und Langmut des Ewigen. Und wenn er dann abgerissen steht von allen natürlichen und himmlischen Verhältnissen, zweifelnd an der edlen Bestimmung seines Geschlechts, der Sinn der Wollust und des Genusses in ihm verdampft ist, er sich an nichts mehr halten kann und der innre Wurm erwacht, so zergliedere ihm mit höllischer Bitterkeit die Folgen seiner Taten, Handlungen und seines Wahnsinns und entfalte ihm die ganze Verkettung derselben bis auf künftige Geschlechter. Ergreift ihn dann die Verzweiflung, so schleudere ihn herunter und kehre siegreich in die Hölle zurück."

LEVIAtAN: Satan, warum wendest du dich abermals an mich? Du weisst es, mir ist das ganze Menschengeschlecht und die Erde, ihr Tummelplatz, längst zum Ekel geworden. Was ist aus den Kerls zu machen, die weder Kraft zum Guten noch Bösen haben? Den, der eine Zeitlang mit dem Phantom Tugend buhlt, machen bald Gold, Ehrgeiz oder Wollust zum Schurken, und tritt auch einer oder der andre kühn in die Bahn des Lasters, so fährt er auf halbem Wege vor den Gespenstern seiner schwächlichen Einbildungskraft zurück. Ja, wenn es noch ein heisser, stolzer Spanier, ein rachsüchtiger, spitzbübischer Italiener oder ein lustiger, verbuhlter Franzose wäre! aber ein Teutscher? träge Klötze, die sich vor Ansehen und Reichtum, vor allen unnatürlichen Unterscheidungen der Menschen sklavisch beugen, von ihren Fürsten und Grossen glauben, sie seien von edlerem Stoffe gemacht als sie, und ganze Kerle zu sein glauben, wenn sie sich für sie totschlagen oder zum Totschlagen an andre Fürsten verkaufen lassen. Vernimmst du seit Jahrhunderten ein Wort von Empören gegen Tyrannei? von Kampf und Blutvergiessen um Freiheit und die Rechte der Menschheit? Sie glauben sich frei, weil es ihre Fürsten und Bischöfe sind, die sie schinden können, wie es ihnen gefällt. Noch ist keiner von ihnen auf eine stattliche Art zur Hölle gefahren, ein Beweis, dass dies Volk keine sich auszeichnende Köpfe hat. Ich meine von jenen, die keck alle Verhältnisse benagen, den diamantnen Schild Eigenheit2 erkämpfen, an dem sich alle himmlische und irdische Vorurteile zerschlagen. Zeige mir einen solchen Mann, der auf die Gefahr seiner Seele gross sein und bleiben will, und ich fahre hinauf.

SATAN: Leviatan, sollen Teufel sich von Vorurteilen blenden lassen wie die Söhne des Staubs? Der Mann nach unserm Sinn wird unter jedem Himmelsstrich geboren; dies wird er dir beweisen. Er ist einer von denen, die die natur zum Grossen geschaffen, mit allen heissen Leidenschaften ausstaffiert hat und die sich gegen die alten Verträge der Menschen empören. Wenn ein solcher Geist durch dieses Spinnengewebe reisst, so gleicht er einer Flamme, die durch ihre Heftigkeit den Stoff ihres Glanzes nur schneller aufzehrt. Er ist einer der Philosophen, auf Schöngeist gepfropft, die durch die Einbildungskraft fassen wollen, was dem kalten Verstand