der Stolz dem Wahn, der auf des Hagren Linke stunde. Dieser ergriff eine hölzerne Pfennigstrompete und blies einen Tanz. Da das hagre Gerippe das Geplärre hörte, fasste er den Stolz an der Hand und tanzte mit ihm in taktlosen Sprüngen herum. Seine mürbe, dünne Beine konnten es nicht lange aushalten, und er sank bald atemlos in seine vorige Stellung.
Ihm folgte die Moral, eine sehr feine Gestalt, in einen Schleier gehüllt, der wie der Chamäleon alle Farben spielte. Sie hielt die Tugend und das Laster an den Händen und tanzte ein Trio mit ihnen. Ein nakkender Wilde blies dazu auf einem Haberrohr, ein europäischer Philosoph strich die Geige, ein Asiate schlug die Trommel, und obgleich diese widrige Töne ein harmonisches Ohr zerrissen hätten, so kamen doch die Tanzenden nicht aus dem Takt, so gut hatten sie ihre Schule gelernt. Gab die feine Dirne dem Laster die Hand, so gaukelte sie wie eine Buhlschwester, floh lockend vor ihm her, gab alsdann der Tugend die Hand und bewegte sich in den sittsamen Schritten der Matrone. Nach dem Tanze ruhte sie auf einer dünnen, durchsichtigen und schöngemalten Wolke aus, die ihre Verehrer aus vielen Fetzen zusammengeflickt hatten.
Nach ihr erschien die Poesie, in der Gestalt eines unbekleideten wollüstigen Weibes. Sie tanzte mit der Sinnlichkeit einen üppigen, sehr figürlichen und darstellenden Tanz, wozu die Einbildungskraft die Flöte d'amour blies.
Hierauf trat die geschichte auf. Vor ihr her ging die Fama mit einer langen ehernen Trompete. Sie selbst war behangen mit Erzählungen von Mordtaten, Vergiftungen, Verschwörungen, Betrügereien und andern Greueln. Hinter ihr keuchte ein starker, nervigter, teutsch gekleideter Mann unter einer ungeheuren Bürde von Chroniken, Diplomen und Dokumenten. Sie tanzte unter dem Gerassel der Erzählungen, womit sie behangen war, mit der Sklaverei; die Lüge nahm der Fama die Trompete von dem Mund weg, stimmte den Tanz an, und die Schmeichelei zeichnete ihr die Figuren vor.
Dann fuhren mit lautem Gelächter auf die Szene die Medizin und Scharlatanerie, tanzten eine Menuett, wozu der Tod mit einem Beutel voll Gold die Musik klimperte.
Hierauf erschienen die Astrologie, die Kabala, Teosophie und Mystik, sie hatten sich an den Händen gefasst und trieben sich wild in dunklen Figuren herum, wozu der Aberglaube, Wahnsinn und Betrug auf Waldhörnern bliesen.
Diesen folgte die Jurisprudenz, eine feiste, gut genährte Gestalt, mit Sporteln gefüttert und mit Glossen behangen. Sie keuchte ein mühsames Solo, und die Schikane strich den Bass dazu.
Zuletzt fuhr die Politik in einem Siegeswagen herein, den zwei Mähren zogen, Schwäche und Betrug. Zu ihrer Rechten sass die Teologie, in einer Hand einen scharfen Dolch haltend, in der andern eine brennende Fackel. Sie selbst trug eine goldne Krone auf dem Haupt und einen Zepter in der Rechten. Sie stieg aus dem Wagen und tanzte mit der Teologie ein Pas des deux, wozu List, Herrschsucht und Tyrannei auf ganz leisen und sanften Instrumenten spielten. Nachdem sie das Pas des deux geendet hatte, gab sie den übrigen Gestalten ein Zeichen, einen allgemeinen Tanz zu beginnen. Sie folgten dem Wink und sprangen in wilder Verwirrung herum. Alle Obengemeldete spielten ihre Instrumente dazu, ein Geheul, das die Tafelmusik des Satans nur an Getöse übertraf. Doch bald mischte sich die Zwietracht unter die vertraulich Tanzenden. Sie griffen nach den Waffen, von Wut und Eifersucht entflammt. Da die Teologie wahrnahm, dass sie alle die wollüstige Poesie umarmten und der Moral, ihrer Todfeindin, den Schleier abreissen wollten, sich damit zu bedecken, gab sie dieser einen Dolchstich von hinten und verbrannte der geliebkosten Dichtkunst mit der brennenden Fackel den Steiss. Diese beiden erhuben ein fürchterliches Geheul, die Politik verwies die Entflammten zur Ruhe, und die Scharlatanerie nahte, um die Wunde der Moral zu verbinden, indessen schnitt die Medizin einen Fetzen von ihrem Talar zur Bezahlung ab. Der Tod streckte unter dem Mantel der diebischen Medizin die Klaue hervor, um die Moral zu ergreifen, die Politik aber schlug ihn so heftig darauf, dass er laut heulte und fürchterlich grinste. Die Poesie liessen sie mit verbranntem Steisse herumhüpfen, weil sie nakkend und ihr nichts abzuschneiden war. Endlich erbarmte sich ihrer die geschichte und legte ihr ein nasses Blatt aus einem empfindsamen Roman drauf. Die Politik spannte sie alsdann alle zusammen vor ihren Wagen und fuhr im Triumphe davon.
Die ganze Hölle schlug Beifall in die hände bei der letzten Vorstellung, und Satan umarmte den Teufel Leviatan, der dieses Schauspiel veranstaltet und ihm so süss geschmeichelt hatte; denn es war eine seiner stolzen Grillen, von den Teufeln für den Erfinder der Wissenschaften gehalten zu werden. Oft sagte er in seinem Übermut, er habe sieeinst mit den Töchtern der Erde im Ehebruch gezeugt, um die Menschen von dem graden, einfachen und edlen Gefühl ihres Herzens abzulenken, ihnen den Schleier ihres Glücks von den Augen wegzureissen, sie mit ihrer Beschränkteit und Schwäche bekanntzumachen und ihnen peinigende Zweifel über ihre Bestimmung einzuimpfen. Er habe sie dadurch gelehrt, über den Ewigen und die Tugend zu vernünfteln, damit sie vergessen möchten, diesen anzubeten und jene auszuüben. "Wir", setzte er dann hinzu, "haben mit offnen und kühnen Waffen den Himmel bekriegt, ihnen hab ich wenigstens die Mittel an die Hand gegeben, unaufhörlich mit dem Ewigen zu scharmuzieren." Elende Prahlerei! werden sich die Menschen das nehmen lassen, worauf sie nie stolzer sind, als wenn sie es missbrauchen?
Man