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Faust! da ist der Faust!"

SATAN: Willkommen, Fürst der Hölle! Willkommen, Faust, wir haben hier genug von dir gehört.

LEVIAtAN: Da hast du ihn nun, Satan! Sieh selbst, was an ihm ist. Er hat mich nicht wenig geplagt, aber seine Torheit hat der Hölle gewuchert, und ich hoffe, du bist mit meinem Aufentalt auf Erden zufrieden. Zum Lohn bitte ich dich, mich für Jahrhunderte mit solchen Aufträgen zu verschonen, ich bin des Menschengeschlechts übersatt, ob ich gleich gestehen muss, dass dieser hier den letzten Augenblick seines Lebens, so bitter er auch war, nicht übel bestanden hat; aber dies kommt daher, dass er sich in frühern Jahren mit jener Philosophie abgegeben, die du die Menschen gelehrt hast.

SATAN: Ich danke dir, Fürst Leviatan, und verspreche dir, du sollst lange mit mir im Dampf der Hölle verweilen und die Schatten der grössten Fürsten der Erde zum Zeitvertreib reiten und geisseln! – Hm! ein ganzer Kerl, und scheint mir den Menschen völlig ausgezogen zu haben. Verzweiflung, Vermessenheit, Hass, Groll, Schmerz und Wahnsinn haben tiefe Furchen in seine Seele gerissen. Er sieht selbst uns und die Hölle ohne Beben an. Faust, bist du auf einmal stumm?

FAUST: Nicht aus Furcht, ich war gegen einen Mächtigern kühn, und darum bin ich hier.

SATAN: He, führt doch den Trotzigen ein wenig nach dem Pfuhl der Verdammten und nehmt eine Legion meiner mutwilligen Hofjungens mit, dass sie sie zusammengeisseln, damit dieser Biedermann mit der Wirtschaft der Hölle bekannt werde.

Ein Teufel riss ihn nach dem Pfuhl der Verdammten. Die Legion schwärmte nach.

LEVIAtAN der den Papst wahrnimmt: Ha, willkommen in der Hölle, Papst Alexander. Ich hoffe, der Kitzel ist Euch nun vergangen, den Teufel zum Ganymed machen zu wollen.

PAPST seufzend: Leider!

SATAN: Ha! ha! ha! das ist mir ein guter Schlag von Menschen, die jetzt auf der Erde wirtschaften! Lass nur erst den Geist der Reformation über sie kommen und sie nach der neuen Welt hinziehen, einen neuen Tummelplatz ihrer Greuel und Laster zu entdecken, so wird es noch toller hergehen.

PAPST: Schade, dass ich nicht dabei sein kann.

SATAN: Ein sehr päpstlicher Wunsch, doch tröste dich nur, deine Landsleute werden schon die Millionen um ihr Gold erwürgen.

PAPST: Was tut man nicht ums Gold! Wisst Ihr wohl, Herr Satan, dass ich diese neue Welt zwischen Spanien und Portugal geteilt habe? Nun käme mir wenigstens der dritte teil des Golds zu! Oime!

Faust kam mit der teuflischen Begleitung zurück.

SATAN: Nun, Faust, wie gefällt dir das Bad und die, welche sie dort abreiben?

FAUST: Unsinniger, rasender Gedanke, dass der edle teil des Menschen für die Sünden des aus Kot geschaffnen leiden und büssen soll.

Die Teufel lachten, dass es durch die unendliche Hölle ertönte.

SATAN: Bravo, Faust, das, was du sagst und wie du dich benimmst, zeigt mir, dass du für einen Menschen zu gut bist. Auch bin ich dir einen besonderen Lohn für die schöne, der Hölle so nützliche Erfindung der Buchdruckerei schuldig.

PAPST: Was? ein Buchdrucker, und hat sich an meinem hof für einen Edelmann ausgegeben und bei meiner Tochter Lucretia geschlafen?

FAUST: Schweig, stolzer Spanier, ich habe sie reichlich dafür bezahlt, und du hättest dich mir für eine gleiche Summe prostituiert, wenn ich eine Bestie gewesen wäre wie du. Wisse, meine grosse Erfindung wird mehr Gutes stiften und dem Menschengeschlecht mehr nützen als alle Päpste, vom heiligen Peter bis auf dich Scheusal!

SATAN: Faust, darin irrst du dich. Erstens werden dir die Menschen den Ruhm der Erfindung dieser Kunst rauben

FAUST: Dieses ist noch mehr als Verdammnis!

SATAN: Merkt mir doch auf den Menschen, er steht vor mir, dem Satan, hat den Pfuhl der Verdammten gesehen und hält die Qual der Hölle für nichts gegen seine Hirngespinste, Ruhm und Wahn. Seht mir doch, was aus diesen Ebenbildern des Höchsten geworden ist, seitdem sie sich in Gesellschaften gesammelt, Könige über ihren Leib und ihre Seele gewählt haben, Bücher lesen und ein erkünsteltes Ding ihres eignen, eitlen, stolzen, unruhigen und wahnsinnigen Geistes geworden sind. –

Zweitens, Faust, werden die Schatten zu Hunderttausenden herunterfahren, über dich herfallen, dich mit ihren Flüchen ängstigen, dass du die kleine Quelle des Gifts des menschlichen Verstandes in einen ungeheuren Strom verwandelt hast. Fühlst du denn nicht aus eigner Erfahrung, was euch die Wissenschaften sind und was sie aus euch machen; doch hiervon soll dich dein ehemaliger Begleiter Leviatan unterhalten und dir eröffnen, dass das Unheil, das du über die Menschen gebracht hast, deine sonstige Frevel noch weit übertrifft. Ich, der Herrscher der Hölle, der dadurch gewinnt, bin dir Lohn dafür schuldig, und wenn du dem Ewigen fluchen willst, der dich entweder nicht besser machen konnte oder wollte, so sollst du der Pein der Hölle entfliehen und einer unsersgleichen werden.

PAPST: Satan, lasst mich der erste sein, als Papst muss ich wenigstens den Rang über ihm haben.

SATAN: Merkt mir doch diese Menschen, ihr Teufel, und seht, wie sie euch beschämen! Papst, du hast es getan, da du meinem Leviatan zu Füssen fielst. Faust, wähle

Faust trat