soll; worin er nichts fühlt und sieht als eine unwiderstehliche Tyrannei, die ihn hier und dort vor Gericht fodert, wenn er laut zu murren wagt. Ha, Teufel, reisse meine Brust auf und schreibe mit dem kochenden Blut meines Herzens deine schöne Teodizee, die du mir eben vorgesagt, in jene dunkle Wolke. Mag sie ein Philosoph kopieren und die Menschen damit narren. Verherrlicht sich nicht der Ewige in Zerstörung und im Schaffen zur Zerstörung? So rauche dann mein Blut an dem Altar des Furchtbaren wie das Blut eines Opfertiers, das der Unsinn dem Götzen schlachtet! Dass ich's mit beiden Händen fassen, gegen den dunkeln Himmel schleudern könnte, damit es dort glühe, wie es nun in meinen Adern glüht, und zu seinem Tron aufschreie!
Ha, Teufel, dieses gefällt deinen Ohren nicht wie der zischende, heulende Gesang der Verzweiflung, den du erwartet hast – noch kennst du den Menschen nicht ganz. Was ist die Leitung des himmels, wenn ein Wurm wie ich durch das Mittel eines Verworfnen, wie du bist, durch seinen eignen Willen sein Werk verpfuschen kann? Ist hier Gerechtigkeit? Musste Faust so geboren werden, sich so entwickeln, so denken und empfinden, dass Tausende elend durch ihn würden? Warum mussten meine Fähigkeiten und Leidenschaften mehr zum Missbrauch als zu edlen Zwekken gestimmt sein? Wollte es meine natur so, so wollte es auch der, der sie mir gegeben hat. Er muss Gefallen an diesen Verwirrungen haben, sonst hätte er mich der moralischen notwendigkeit ebenso gewaltsam unterworfen als der physischen. Löse nur immer den Zauber, der mich in diesem Kreise fesselt, und ich werde dir nicht entfliehen, und könnte ich 's, ich wollte nicht, denn die Pein der Hölle kann nicht grösser sein als das, was ich fühle.
TEUFEL: Faust, mich freut deines Muts, und ich höre das, was du sagst, noch lieber als die wilden Töne der Verzweiflung. Sei stolz darauf, deine genialische Kraft bis zum Unsinn und zur Lästerung getrieben zu haben, die Qual der Hölle erwartet dich dafür. Ich bin deines Geschwätzes und der Erde müde. Es ist Zeit zum Abfahren, deine Rolle ist hier gespielt, du beginnest eine, die nie enden wird. Tritt aus deinem Kreise und begrabe den Unglücklichen; dann will ich dich fassen, deinen bebenden, mürben Leib von deiner Seele streifen, wie man dem Aale die Haut abstreift, ihn zerstückt auf das umherliegende Feld streuen, den Vorübergehenden zum Ekel und Abscheu.
7.
Faust stieg den Galgen hinauf und löste den Strick von dem Halse seines Sohns, trug ihn auf das nahe Feld, das der Pflug frisch aufgerissen, grub mit seinen Händen unter Schluchzen und Tränen ein Grab und legte den Unglücklichen hinein. Hierauf trat er vor den Teufel und sprach mit wildem Tone:
"Das Mass meines Jammers ist voll, zerschlage das Gefäss, das ihn nicht mehr fassen kann, aber noch habe ich Mut, mit dir um mein Leben zu kämpfen; denn ich will nicht sterben wie der Sklave, der unter der Gewalt seines Herrn ohne Widerstand hinsinkt. Erscheine mir unter welcher Gestalt du willst, ich ringe mit dir. Um der Freiheit, der Unabhängigkeit zog ich dich aus der Hölle, am rand der Hölle will ich sie behaupten, am rand der furchtbaren wohnung will ich noch meine Kraft gebrauchen und fühlen, dass ich dich einst an meinem Zauberkreise gefesselt sah und dich zu geisseln drohte. Was du in meinen Augen siehst, sind Tränen der Verstockung, Tränen grimmigen Unwillens – Teufel, nicht du, mein eigenes Herz siegt über mich!"
TEUFEL: Ekelhafter Prahler! mit diesem Fleische reiss ich dir die Maske ab, die mir Mut vorlügt, und stelle dich hin in deiner elenden, scheusslichen Nackteit. Die Rache rauscht heran, und Ewigkeit ist ihr Name.
Er stunde in Riesengestalt vor ihm. Seine Augen glühten wie vollgefüllte Sturmwolken, auf denen sich die untergehende Sonne spiegelt. Der gang seines Atems glich dem Schnauben des zornigen Löwens. Der Boden ächzte unter seinem ehernen fuss, der Sturm sauste in seinen fliegenden Haaren, die um sein Haupt schwebten wie der Schweif um den drohenden Kometen. Faust lag vor ihm wie ein Wurm, der fürchterliche Anblick hatte seine Sinne gelähmt und alle Kraft seines Geists gebrochen. Dann fasste ihn Leviatan mit einem Hohngelächter, das über die Fläche der Erde hinzischte, zerriss den Bebenden, wie der mutwillige Knabe eine Fliege zerreisst, streute den Rumpf und die blutenden Glieder mit Ekel und Unwillen auf das Feld und fuhr mit seiner Seele zur Hölle.
8.
Die Teufel waren um den Satan versammelt, der mit den Fürsten zu Rate sass, um auszumachen, mit was für Strafen man den Papst Alexander den Sechsten peinigen müsste. Seine Verbrechen und der letzte Augenblick seines Lebens waren so einzig, dass auch die boshaftigsten Teufel in Verlegenheit waren, die Pein zu bestimmen, die er verdiente. Der Papst stunde vor seinen Richtern, die ihn so spöttisch und übermütig behandelten, als nur immer ein fürstliches Gericht einen Angeklagten behandelt, der weiter nichts vor sich hat als das Unglück, ein Mensch zu sein. Auf einmal fuhr Leviatan triumphierend in ihre Mitte, hielt die Seele Fausts am Schopfe und schleuderte ihn hin:
"Da habt ihr den Faust!"
Die Hölle empfing ihn mit einem so lauten Freudengebrülle, dass die Verdammten in ihren Pfühlen erbebten: "Willkommen, Fürst Leviatan! da ist der