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Torheit und Laster die herrschaft verwürkt.11 Wohl uns, dass ihr diese Vorzüge selbst vernichtet, dass ihr alles missbraucht, alle die Fähigkeiten zum Guten, die euch der Ewige verliehen hat. Tritt auch ein Weiserer unter euch auf und schreibt euch Regeln zu eurem Besten vor, so zernichtet ihr sein Werk in dem Augenblick der Entstehung. Missbrauch eurer moralischen und physischen Kräfte läuft durch die Kette, die das Menschengeschlecht verbinden soll; und nie gefallt ihr euch besser, als wenn ihr zerstört, was andere zu eurem Glück und Heil aufgebauet haben. So arten unter euren Händen, in eurem geist Religion, Wissenschaften und Regierung zu Unsinn, Verzerrung und Tyrannei aus, und du hast das deinige redlich dazu beigetragen. Faust, nur in der Beschränkteit liegt euer Glück, wärst du geblieben, was du warst, hätten dich Dünkel, Stolz, Wahn und Wollust nicht aus der glücklichen, beschränkten Sphäre gerissen, wozu du geboren warst, so hättest du still dein Gewerbe getrieben, dein Weib und deine Kinder ernährt, und deine Familie, die nun in Kot der Menschheit gesunken ist, würde blühen. Von ihr beweint, würdest du ruhig auf deinem Bette gestorben sein, und dein Beispiel würde deine Hinterlassnen auf dem dornigten Pfad des Lebens leiten.

FAUST: Ha, wohl mag dies die grösste Qual der Verdammten sein, wenn der Teufel ihnen Busse predigt!

TEUFEL: Es ist lustig genug, dass ihr es dazu kommen lasst. Elender, und wenn die stimme der Wahrheit und Busse laut vom Himmel selbst erschallte, ihr würdet ihr euer Ohr verschliessen.

FAUST: Erwürge mich und töte mich nicht mit deinem Geschwätze, das mein Herz zerreisst, ohne meinen Geist zu überzeugen. Willst du, dass ich dein Gift Tropfen für Tropfen einschlürfen soll, giesse ein! deine Vorstellungen laufen im Ungeheuren zusammen und verlieren ihre Kraft an mir. Sieh, meine Augen sind starr und trocken, nenne meine Stumpfheit Verzweiflungnoch kann ich ihrer spotten, und mein Geist kämpft mit der peinlichen Wallung meines Herzens. Nur dieser da und die ich eben gesehen liegen wie eine ungeheure Last auf mir und zerknirschen meine sich noch empörende Kraft. Um der guten Tat willen muss er hier henken! Um der guten Tat willen müssen sie im Elend verschmachten und eine Reihe niederträchtiger Sünder fortpflanzen! Sah ich was anders als Morden, Vergiften und Greuel in der Welt? Sah ich nicht überall den Gerechten zertreten und den Lasterhaften glücklich und belohnt?

TEUFEL: Das kann nun wohl sein und beweist nur, was für Kerle ihr seid; aber was prahlst du mir immer von deiner guten Tat vor? Wodurch verdient sie diesen Namen? etwa dadurch, dass du mir den Wink dazu gegeben, der dich wahrlich nicht viel gekostet haben kann? Um es zu einer edlen Handlung zu machen, hättest du dich in das wasser werfen und den jungen Mann auf Gefahr deines Lebens retten müssen. Darauf deutete ich, als ich dir sagte: vermutlich kannst du nicht schwimmen. Ich warf ihn an das Ufer und verschwand. Dich selbst würde er erkannt haben, und von Dankbarkeit gerührt, hätte der Zerstörer deiner Familie ihr Beschützer und Verteidiger werden können.

FAUST: Quälen kannst du mich, Teufel, aber die Zweifel des Menschen kannst du aus Stumpfheit nicht lösen oder willst es aus Bosheit nicht tun. Nie drangen sie giftiger in mein Herz als in dieser Stunde, da ich den Jammer meines Lebens, meiner Zukunft überblicke. Ist das menschliche Leben etwas anders als ein Gewebe von Pein, Laster, Qual, Heuchelei, Widersprüchen und schielender Tugend? Was ist Freiheit, Wahl, Wille, der gerühmte Sinn, Böses und Gutes zu unterscheiden, wenn die Leidenschaften die schwache Vernunft überbrüllen, wie das tosende Meer die stimme des Steuermanns, dessen Schiff gegen die Klippen treibt? Wozu das Böse? Warum das Böse? Er wollte es so; kann der Mensch den Samen des Bösen aus der ungeheuren Masse herausreissen, den er mit Willen hineingelegt hat? Noch wütender hasse ich nun die Welt, den Menschen und mich. Warum gab man mir, der zum Leiden geboren ist, den Drang nach Glück? Warum dem zur Finsternis Gebornen den Wunsch nach Licht? Warum dem Sklaven den Durst nach Freiheit? Warum dem Wurme das Verlangen zu fliegen? Wozu eine unbeschränkte Einbildungskraft, die immer gebärende Mutter kühner Begierden, verwegner Wünsche und Gedanken? Freiheit dem Menschen! in dieser verzweifelnden Stunde kann ich noch bei diesem sinnlosen Worte hämisch lachen. Ja, den Durst nach ihr, den kenne ich, und darum stehe ich nun in diesem verdammten Kreise. Frei der, auf dessen Nacken das eiserne Joch der notwendigkeit von der Wiege bis zu dem grab drückt? Wahrlich, wenn er es umwunden hat, wie man das Joch des Pflugochsens umwindet, so geschah es nicht darum, dass er unsers Nackens schonte, sondern darum, dass wir die mühsame Furche des Lebens ganz durchackern sollten und entkräftet an dem Ziele hinsänken. Nun labe ihn mein Stöhnen, ich habe es erreicht. Zerschlage das Fleisch, das meine dunkle zweifelvolle Seele umhüllt, nimm ihr das Erinnern, dass sie einen menschlichen Leib zum Sünder gemacht hat, dann will ich einer der Eurigen werden und nur im Wunsche des Bösen leben. O der herrlichen Welt, worin der blinde unterjochte Mensch weise Zwecke aus den Martern, die ihn zerreissen, dem ihn umheulenden Jammergeschrei der Elenden, dem Siegesgesang der Unterdrücker, der ihn umgebenden Verwüstung und Zerstörung zusammenlesen