Säugling verbrennen. Was haben diese Unschuldigen verbrochen? Es war ein Augenblick der Wonne für mich! – dein Werk ist es, dass der Säugling auf dem Busen der Mutter zu Asche brannte, dein Werk, dass der Rauhgraf einen benachbarten Edelmann als den Urheber des Brandes überfiel, des Unschuldigen Schloss der Flamme übergab, ihn erschlug und die Fehde, die meine Tat veranlasste, noch in diesem Teile Teutschlands wütet. Tausende sind schon unter dem Schwerte der wechselseitigen Rache hingesunken, und es wird nicht eher ruhen, bis sich die streitenden Familien gänzlich erschöpft und vertilgt haben. So warst du, Wurm, der sich in der Wollust herumwälzte, in die Hölle drangst, um deine Lüsternheit zu sättigen, der Rächer des Unrechts. Heule und stöhne, ich ziehe der Schrecken mehr aus dem Dunkel.
Die Tochter des Geizigen in Frankreich, die du zur H – e gemacht und in ihrem Busen die Lust nach der Sünde erweckt hast, ergab sich bald hierauf dem jungen König als Mätresse. Sie beherrschte ihn, reizte ihn, dass er sie mit einem neuen Buhler nicht stören möchte, zu dem unsinnigen zug nach Italien und zog ein Elend über Frankreich, das viele künftige Regierungen nicht heilen werden. Die Blüte der französischen Jugend, die Helden des Reichs faulen in Italien, und der König kehrte beschämt und ohne Vorteil heim. So hast du, wohin du dich wandtest, den Samen des Unglücks ausgestreut, und er fruchtet zum Unheil die Ewigkeit durch.
Ich hoffe, nun begreifst du den Fingerzeig, den ich dir damals gab, als ich das Haus über die Naturkündiger zusammenstürzte. Ich sagte dir, so wie diese in das Fleisch der Lebenden schneiden, um unergründliche Geheimnisse zu erforschen, so wütest du in der moralischen Welt durch meine zerstörende Hand. Du hast dieses Winks nicht geachtet. Fühle ihn nun tiefer. Sie verdienten, unter den Ruinen ihrer Schlachtbank begraben zu werden, aber was hatten die Unschuldigen im Unterstock verbrochen, die nicht wussten, welche Greuel über ihrem haupt vorgingen? Warum mussten auch sie mit begraben werden? Warum musste, deine schnelle Rache zu befriedigen, eine schuldlose, glückliche Familie mit aufgeopfert werden? Richter und Rächer, dieses hast du nicht bedacht. Fasse nun die Folgen deines Wahnsinns zusammen, durchlaufe sie und sinke vor der scheusslichen Vorstellung hin. Sagt ich dir nicht, der Mensch ist rascher in seinem Urteil und in seiner Rache als der Teufel in der Vollziehung des Bösen? Auf deinen Befehl musst ich den Zunder der Wollust an das Herz der himmlischen Angelika legen, die die Zierde ihres Geschlechts und der Welt war. Du hast sie im wilden Rausche deiner Sinne genossen, und die Unglückliche wusste nicht, was ihr geschah. Schaudre vor den Folgen – diese Angelika – ich, der Gefallen an der Sünde und der Zerstörung hat, könnte mitleidig auf ihr Ende blicken! Sie floh auf das Land, und das Gefühl der Scham zwang sie, den Zustand zu verbergen, in den du sie gesetzt hattest. Sie gebar unter Todesangst in der Einsamkeit, ohne hülfe, das Kind entfiel dem Schoss der Unvermögenden und starb in dem Augenblick, da es das Licht der Welt erblickte. Sie, das unglückliche Opfer deiner augenblicklichen Lust, ward eingezogen und öffentlich als Kindermörderin hingerichtet. Du hättest sie sehen sollen im letzten Augenblick ihres Lebens – sehen sollen, wie ihr reines Blut den weissen Talar befleckte –
Faust öffnete seine starre Augen und sah gegen Himmel.
TEUFEL: Er ist taub gegen dich! Sei stolz auf den Gedanken, einen Augenblick gelebt zu haben, der das Vergehen der Teufel leicht machen könnte, wenn das Gericht über sie nicht geschlossen wäre! Noch rauscht er in den düstern Gefilden der Ewigkeit. Ich rede von jenem, da du mich zwingen wolltest, den Schleier zu heben, der euch den Ewigen verbirgt. Der Engel, der euer Schuldbuch führt, erbebte auf seinem glänzenden Sitze und strich deinen Namen mit weggewandtem Angesicht aus dem buch des Lebens.
FAUST sprang auf: Verflucht seist du! Verflucht ich! die Stunde meiner Geburt! der, der mich gezeugt, die Brust, die ich gesogen!
TEUFEL: Ha des herrlichen Augenblicks! des köstlichen Lohns meiner Mühe! Die Hölle freut sich deiner Flüche und erwartet einen noch schrecklichern von dir. Tor, warst du nicht frei geschaffen? Trugst, empfandest du nicht wie alle, die im Fleische leben, den Trieb zum Guten wie zum Bösen in deiner Brust? Warum tratst du verwegen aus dem Gleise, das dir so bestimmt vorgezeichnet war? Warum wagtest du deine Kräfte an dem und gegen den zu versuchen, der nicht zu erreichen ist? Warum wolltest du mit dem richten und rechten, den du nicht fassen und denken kannst? Warum trieb Stolz die Pflanze aufwärts, die nur an der Erde hinkriechen soll? Hat er dich nicht so geschaffen, dass du über den Teufel wie über die Tiere der Erde erhaben stundest? Dir verlieh er den unterscheidenden Sinn des Guten und Bösen: frei war dein Wille, frei deine Wahl. Wir sind Sklaven des Bösen und der eisernen notwendigkeit ohne Wahl und Willen; gezwungen, von Ewigkeit dazu verdammt, wollen wir nur das Böse und sind Werkzeuge der Rache und der Strafe an euch. Ihr seid Könige der Schöpfung, freie Geschöpfe, Meister eures Schicksals, das ihr selbst bestimmt, Herren der Zukunft, die von eurem Tun abhängt; um diese Vorzüge hassen wir euch und frohlocken, wenn ihr durch