falle ich an wie ein wütendes Tier. Lass uns schlafen gehen, du hast recht, der Teufel ist nur ein Narr gegen unsereinen, besonders wenn wir im Priesterrocke stecken. O wäre ich in dem glücklichen Arabien geboren, ein Palmbaum meine Decke und die natur mein Gott."
13.
Das Gerücht von der Ermordung des Herzogs von Gandia erscholl bald durch Rom und ganz Italien. Der Papst ward davon so gerührt, dass er sich der wildesten Verzweiflung überliess und drei Tage ohne Speise und Trank blieb. Nachdem man endlich seinen Körper in der Tiber gefunden, gab er die strengsten Befehle, alle Mühe anzuwenden, die Mörder zu entdekken.
Seine Tochter, die vermutete, woher der Streich käme, gab ihrer Mutter Vanosa Nachricht von dem strengen Entschluss des Papsts, und diese begab sich die folgende Nacht in das Vatikan. Der Teufel, der als Liebling des Papsts während seiner Trauer allein in seinem Zimmer bleiben durfte, entfernte sich bei der Ankunft der edlen Vanosa, suchte Fausten auf, der die Lucretia tröstete, und führte ihn an die tür, folgendes Gespräch zu belauschen.
Als sie der tür nahten, hörten sie diese Worte des Papsts:
"Ein Brudermörder und Kardinal! Und du, die Mutter von beiden, verkündigest mir dies mit einer Kälte, als hätte Cäsar einen der Kolonne oder Orsinis vergiftet! Er hat in seinem Bruder seinen guten Ruf ermordet, hat das Gebäude der Grösse im Grund erschüttert, das ich durch meine Familie aufführen wollte; aber der Kühne soll der Strafe und meiner Rache nicht entgehen."
VANOSA: Roderico Borgia, du hast bei meiner Mutter geschlafen, darauf bei mir, schläfst nun mit meiner und deiner Tochter, wer mag die zählen, die du heimlich ermorden und vergiften liessest? und doch bist du Papst, Rom zittert vor dir, und die ganze Christenheit betet dich an. Sieh, so viel kommt darauf an, in welcher Lage man sich befindet, wenn man Verbrechen begeht. Ich bin beider Mutter, Roderico, und wusste, dass Cäsar den Francisco ermorden würde.
PAPST: Ha der Abscheulichen!
VANOSA: Bin ich's, so bin ich es nur in deiner Schule geworden. Der kalte, bedächtliche, sanfte Francisco musste dem feurigen, unternehmenden Cäsar Platz machen, damit dieser die glänzenden Hoffnungen erfülle, die du meinem Busen vertraut hast, als du den päpstlichen Stuhl bestiegst. Francisco war zum Mönch geboren, mein Cäsar zum Helden, und darum nannte ich ihn so im prophetischen geist. Nur er ist fähig, alle die kleinen und grossen Tyrannen Italiens zu vernichten und sich eine Krone zu erkämpfen. Er muss Gonfalonier des päpstlichen Stuhls werden und die Borgias zu Herren von Italien machen. Ist dies nicht dein Wunsch? Hast du nur für Francisco gemordet und vergiftet? Würden diese Verbrechen uns nützen, wenn Cäsar Kardinal bliebe und der ermordete Schwächling einst euren Raub verteidigen sollte? Nur von ihm kann ich Schutz erwarten, wenn du nicht mehr bist, er achtete seiner Mutter, während dieser Kalte mich vernachlässigte und dem Vater allein schmeichelte, von dem er seine Grösse hoffte. Cäsar fühlt, dass ein Weib wie ich, die einen Helden gebären konnte, ihm auch den Weg zu unsterblichen Taten vorzuzeichnen weiss. Heitere dich auf, Roderico, und sei weise; denn wisse nur immer, die Hand des Mörders deines Lieblings wird von einem solchen kühnen Geist geleitet, die auch des Vaters nicht schonen würde, wenn er es wagen sollte, den Schleier aufzuheben, der diese nötige Tat verbirgt.
PAPST: Dein grosser Sinn, Vanosa, erhebt mich, ob er gleich mein Herz durchschaudert. Francisco ist kalt, und Cäsar lebt, er lebe, sei der Erstgeborne, werde gross, weil es das Schicksal so haben will.
Er klingelte, liess auftischen und war heitern Muts.
FAUST: Teufel, befreie die Welt von diesem Ungeheuer, oder du sollst die Wut empfinden, die mir sein Dasein einflösst.
TEUFEL: Sprichst du abermals Unsinn, die Sprache der Söhne des Staubs? Vergisst du, wer der Mann ist, wen er bildlich vorstellt? Wer ich bin? Was ich kann und darf?
FAUST: Du sollst!
TEUFEL: Geh und kühle deine Wut in den Armen seiner Tochter und Buhlerin; freue dich, so nah mit dem verwandt zu sein, der da bindet und löset, vielleicht, dass dir die Verwandtschaft am Tage der Rechnung nutzet.
14.
Francisco war vergessen, und der Papst sann nun, wie er dem verwegnen Geist Cäsars einen weitern Schauplatz zur Ausübung seiner gefährlichen Kräfte eröffnen möchte. Dieser krönte indessen den König von Neapel mit denen von seines Bruders Blut befleckten Händen, und Friedrich von Neapel zog daraus eine düstre Ahndung, in welcher er sich auch nicht betrog.
Der Teufel sorgte dafür, dass Fausten von allem diesem nichts entging, und dieser sah mit hämischem lachen alle die Kardinäle, die Gesandten von Spanien und Venedig dem Brudermörder, den sie alle dafür erkannten, bis an die Tore der Stadt entgegengehen, ihn darauf von einem grossen Konsistorium empfangen und im Triumph zur Audienz des Papsts begleiten, der ihn mit vieler Zärtlichkeit empfing.
Vanosa legte die Trauer ab und feierte den Abend seiner Rückkunft mit einem Feste, wobei alle Grossen Roms erschienen.
Bald hierauf zog Cäsar den lästigen Kardinalshut aus, vertauschte ihn mit dem Schwerte und ward mit allem Pracht zum Gonfalonier des päpstlichen Stuhls geweiht.
Der Teufel sah mit vielem Vergnügen, wie Faust den