, und er sah bald die Fürsten wie den Pöbel zu seinen Füssen. Um diesen ausserordentlichen Mann hatte Ludwig den König von Sizilien gebeten und hoffte seine Genesung von ihm. Er war nun eben auf dem Wege, und da er zugleich dem König die Erlaubnis von dem Papst mitbrachte, seinen ganzen Leib mit dem heiligen Öle von Reims schmieren zu dürfen, so glaubte er bald alle Schrekken des Todes zu besiegen. Der glückliche Tag erschien, der kalabrische Bauer nahte dem schloss, der König ging ihm bis an das Tor entgegen, fiel ihm zu Füssen, küsste seine hände und bat ihn um Leben und Gesundheit. Der Kalabrer spielte seine Rolle so, dass Faust sich nicht entalten konnte, bei der Farce in ein lautes Gelächter auszubrechen. Schon wollte ihn Tristan mit seinen Helfern ergreifen, es war um sein Leben geschehen, der Teufel entriss ihn ihren Klauen und flog mit ihm davon. Als sie in Paris angekommen waren, sagte Faust zu dem Teufel: "Dieses feige, niederträchtige, abergläubische, bebende Ding ist es also, vor dem die kraftvollen Söhne Frankreichs zittern und von dem sie sich ohne Widerstand erwürgen lassen? Ein Totengerippe, in Purpur gehüllt, das kaum noch den Wunsch zu leben aus der Brust hervorkeichen kann? Und sie beben vor ihm, als ob ein gewaltiger Riese, dessen furchtbarer Arm von einem Ende des Reichs zu dem andern reichte, auf ihrem Nacken sässe! Treten doch die feigsten Tiere vor die Höhle des Löwen, wenn kraftloses Alter den Räuber fesselt, und spotten des unvermögenden Würgers."
TEUFEL: Dadurch eben unterscheidet sich der König der Menschen von dem Könige des Waldes. Dieser ist nur furchtbar, solange er Kräfte hat; aber da jener die Kräfte seiner Sklaven an seinen Willen bindet, so ist er gleich stark, er liege an der Gicht oder stehe in blühender Jugend an der Spitze der Heere. Fühlst du nun bald, dass es Wahn ist, der euch in allem leitet, euch zu Sklaven macht, eure Ketten zerbricht und euch wiederum neue schmiedet. So treibt ihr euch im ewigen Kreise herum, und ihr seid verdammt, immer den Schatten für das Wesen zu ergreifen. Damit nicht zufrieden, Unterworfne der natur, eurer Leidenschaften und grenzlosen Begierden eines unsichtbaren, strengen Herrns zu sein, müsst ihr euch, um bestehen zu können und euch nicht in eurer Wut zu zerfleischen, einen euch nähern Tyrannen wählen, und damit euch dieser ohne Gefahr für ihn missbrauchen möge, leitet ihr seine Rechte von dem ersteren ab. Dies war wohl das äusserste Mass eures Unsinns, ein Ding, das euch gleicht, zu vergöttern! Hadere mit dem, von dem sie diese Rechte erhalten haben wollen.
FAUST: Fasse es, wer da kann! Er schlug wider seine Stirne und seine Brust. Dieses hier und dieses da stehen im Widerspruch mit allem, was ich sehe, vernehme und fühle. Finstre Gedanken, wie plagende Dämonen der Nacht, ziehen in meinem Gehirne herum, und oft dünkt mich, die moralische Welt würde von eben einem solchen Dinge beherrscht, wie dieser Elende eines ist. Er mordet ohne Form und Recht, und so wird der Mensch gleich dem Stier gefällt, ohne es zu wissen, warum er bluten muss.
Faust fuhr in dieser Laune fort und spann seine dunkle Gedanken und Gefühle bis ins Abscheuliche aus. Der Teufel ergötzte sich, da er ihn seinem Zwekke nahen sah, stimmte ihn zu fernerm Herumstreifen, um ihn durch neue Szenen noch mehr zu verwirren. Als sie aus Paris ritten, sagte der Teufel:
"Schon wittre ich die künftigen, ungeheuren Taten, die diese blühende Stadt erschüttern werden."
Auf dem Wege nach Calais sagte er oft:
"Bald werden diese Felder durch Bürger- und Religionskriege mit Leichen besäet werden. Jahrhunderte wird der Geist der Zwietracht wüten, und wenn der Despot des Mordens sollte müde werden, so wird ihn der Priester auf Befehl des himmels zu noch schrecklichern Greueln reizen."
8.
Faust und der Teufel flogen über den Kanal und kamen in dem Augenblick in London an, als sich der hässliche, missgeschaffne Herzog Gloster zum Protektor des Reichs aufwarf und mit allen Kräften arbeitete, seines Bruders, des verstorbenen Königs, Sohn der Krone zu berauben. Den Vater hatte er mit Gift aus dem Wege geräumt und die Königin, die bei der Entdeckung seiner Absichten sich nach der Westmünsterabtei mit ihren Kindern flüchtete, schon dahin gebracht, ihm den Erben des Trons, der damals vierzehen Jahr alt war, mit seinem jüngern Bruder York auszuliefern. Sie übergab sie bebend und schien das Schicksal ihrer Söhne zu ahnden. Faust war Zuhörer, als der Doktor Shaw auf Befehl des Protektors dem erstaunten volk von der Kanzel bewies, dass seine und des verstorbenen Königs noch lebende Mutter verschiedne Liebhaber in ihr Bette aufgenommen hätte, der verstorbene König im Ehebruch erzeugt sei und dass sich niemand vom königlichen haus einer rechtmässigen Geburt rühmen könnte, ausser der Protektor. Er sah die Grossen hinrichten, die diesem Plan nicht beitreten wollten, und der Teufel führte ihn in dem Augenblick in den Tower, da Tyronel den rechtmässigen König von England nebst seinem Bruder York durch Meuchelmörder ermorden und an der Schwelle ihres Gefängnisses begraben liess. Er war Zeuge der niederträchtigen Unterwerfung des Parlaments und der Krönung des scheusslichen Tyrannen. Er war Zeuge davon, wie sich die Königin mit dem Mörder ihrer Söhne in Unterhandlung einliess, seine gewaltsame Tronbesteigung durch die Hand ihrer ältesten Tochter zu unterstützen, um