Hölle ist auf militärischen Fuss eingerichtet und gleicht darin jedem despotischen Reiche; oder vielmehr jedes despotische Reich gleicht darin der Hölle) wählt eine gefällige Anzahl verdammter Seelen zum Schmause für seine Untergebenen. Diese übergeben sie den Sklaven, die sie sieden, braten und mit höllischer Brühe begiessen. Oft trifft es sich, dass einer dieser Elenden seinen Vater, sein Weib, Sohn, Tochter oder Bruder an den Spiess stecken und das peinliche Feuer unter ihm unterhalten muss – eine schreckliche, wahrhaft tragische Lage, noch tragischer, da ihre Aufseher, mutwillige Teufel wie alle Diener grosser Herren, mit der Geissel hinter ihnen stehen, das Werk zu befördern. Ich empfehle diese Situation den Tragikern Teutschlands. Heute wurden für den Gaumen des Grossherrn, seiner Viziere und Günstlinge zwei Päpste, ein Eroberer, ein berühmter Philosoph und ein neu geprägter Heiliger zugerichtet. Für den Pöbel der Hölle waren ganz frische Viktualien angekommen. Der Papst hatte vor kurzem zwei Heere Franzosen, Teutscher, Italiener und Spanier gegeneinander getrieben, um einige Herrschaften in dem Tumult zu fischen, die Verlassenschaft des heiligen Peters zu ründen. Sie schlugen sich wie Helden und fuhren zu Tausenden zur Hölle. Welch ein Glück wäre es für die zu der Tafel der Teufel bestimmten Seelen, wenn sie dadurch das Ende ihrer Qual fänden; da sie diese aber stückweise in die Sümpfe der Hölle ausschütten, so wachsen sie wieder zusammen und stehen zu neuen Martern auf.
Während diese an den Bratspiessen winselten, besetzten die Kellermeister und Schenken, alle Schatten gemeldeter Art, die Kredenztische. Die Flaschen waren gefüllt mit Tränen der Heuchler, falscher Witwen, der Scheinheiligen, der Empfindsamen und der aus Schwäche Reuigen. Mit Tränen, die der Neid bei dem Glück eines andern auspresst, mit Tränen der Egoisten, die sie bei dem Unglück eines andern aus Freude weinen, dass es sie nicht getroffen. Mit Tränen lustiger Erben und mit Tränen der Söhne, die sie bei dem Sarge der geizigen, harten Väter weinen. Die Flaschen zu dem Nachtische waren gefüllt mit Tränen der Priester, die die Rolle des Komödianten auf den Kanzeln spielen, ihre Zuhörer zu rühren; und um das Getränk schärfer zu machen, mischte man Tränen der H–n darunter, die aus Hunger so lange weinen, bis ein Kunde kommt, die Sünde für Geld mit ihnen zu treiben. Zu diesen goss man noch Tränen der Kuppler, Kupplerinnen, der Ärzte und schelmischen Advokaten, die sie über schlechte zeiten vergiessen. Für den Satan und die Fürsten stunden, auf besonderen Kredenztischen, Flaschen des edelsten Getränks. Es war berauschend, schäumend und sprudelnd, ein Gemisch von Tränen der Herrscher der Welt, die sie über das Unglück ihrer Untertanen weinen, während sie Befehle erteilen, die es auf Jahrhunderte befördern. Von Tränen der Jungfrauen, die den Verlust ihrer Keuschheit beweinen und sich mit noch nassen Augen prostituieren. Zu diesen hatte man Tränen begünstigter Grossen gegossen, die in Ungnade gefallen sind und nun weinen, dass sie unter dem Schutz ihres Herrn nicht mehr rauben und unterdrücken können.
5.
Als nun diese Elenden die Tische besorgt hatten und so demütig hinter den Sitzen ihrer Gebieter stunden als ein Teutscher vor einem Fürsten, so traten die Grossen der Hölle aus den Gemächern des Satans. Die gefährten der Menschen – die Sünde, das scheussliche Gespenst der Vernichtung, der Hunger, die Krankheit, die Pest, der Krieg, die Ungerechtigkeit, die Armut, die Verzweiflung, die Herrschsucht, die Gewalt, der Stolz, die Verachtung, der Reichtum, der Geiz, die Wollust, der Wahn, der Neid, die Neugierde und die Lüsternheit gingen als wohlbestallte Furiere des satanischen Hofes voraus. Ihnen folgten Trabanten, diesen die Kammerherren. Nun die Pagen mit brennenden fackeln, die aus Seelen der Mönche geflochten waren, die den Weibern die Kinder machen und den Ehemann auf dem Todbette drängen, sein Vermögen der Kirche zu vermachen, ohne Rücksicht, dass ihre eigne ehebrecherische Brut im land herumbetteln muss. Dann trat der mächtige Satan heraus, und ihm folgten die übrigen Grossen seines Hofs nach Gunst und Rang. Die Teufel beugten sich ehrfurchtsvoll nieder, die Pagen stellten die fackeln auf den Tisch des Grossherrn, und nun stieg er mit stolzer und siegreicher Miene auf seinen erhabenen Tron und hielt folgende Rede:
"Fürsten, Mächtige, unsterbliche Geister, seid mir alle willkommen! Wollust durchglüht mich, wenn ich über euch zahllose Helden hinblicke! Noch sind wir, was wir damals waren, da wir zum erstenmal in diesem Pfuhl aufwachten, zum erstenmal uns sammelten. Nur hier herrscht ein Gefühl, nur in der Hölle herrscht Einigkeit, nur hier arbeitet jeder auf einen Zweck. Wer über euch gebietet, kann leicht den einförmigen Glanz des himmels vergessen. Ich gestehe, wir haben viel gelitten und leiden noch, da die Ausübung unsrer Kräfte von dem beschränkt ist, der uns mehr zu fürchten scheint als wir ihn; aber in dem Gefühl der Rache, die wir an den Söhnen des Staubs, seinen schwachen Günstlingen, nehmen, in der Betrachtung ihres Wahnsinns und ihrer Laster, wodurch sie unaufhörlich seine Zwecke zerrütten, liegt Ersatz für dieses Leiden. Heil euch allen, die dieser Gedanke hoch entflammt!
Vernehmt nun die Veranlassung zu dem Feste, das ich heute mit euch feiren will. Faust, ein kühner Sterblicher, der gleich uns mit dem Ewigen hadert und durch die Kraft seines Geistes würdig werden kann, die Hölle einst mit uns zu bewohnen, hat die Kunst erfunden, die