, die dieser mit zärtlichen Augen ansah, und hierauf in einen leeren das Gold Stück für Stück zählte, das er Fausten abgewonnen hatte. Vorher aber besah er jedes Stück, wog es in der Hand, küsste es, rechnete zusammen, überzählte mit vielem Genuss den ganzen Schatz, seufzte am Ende beklommen über das, was ihm noch mangelte, die Zahl rund zu machen. Der Teufel lispelte Fausten ins Ohr:
"Um das Fehlende verkauft er dir die Tochter."
Faust wollte es nicht glauben, dieses verdross den Teufel, und er sagte ungeduldig:
"Nun, wenn ich dir zeigte, dass das Gold eine so unwiderstehliche Macht über das Herz des Menschen hat, dass in diesem Augenblick einige Väter und Mütter aus der Stadt in dem ganz nahen Gehölze mit einigen Abgesandten des Königs in Unterhandlung sind, ihnen ihre Säuglinge zu verkaufen, ob sie gleich wissen, dass sie ermordet werden und der kränkelnde König ihr Blut trinkt, in dem Wahn, sein scharfes und veraltetes Geblüt durch ihr süsses und gesundes zu verjüngen."
FAUST schaudernd: So ist die Welt die Hölle, und ich will ihr mit Freuden entfliehen. Und der König trinkt wissend diesen schaudervollen Trank?
TEUFEL: Der Arzt, der sein Tyrann ist und sich bereichert, hat ihn verordnet und der Beichtvater es unsträflich gefunden, wenn es dazu dienen kann, Seiner Majestät kostbaren Tage zu verlängern.
Sie eilten nach dem Gehölze, verbargen sich hinter dickes Gesträuch und sahen die Abgeordneten des Königs mit einigen Bürgern und dem Priester des Kirchspiels in Unterhandlung. Vier kleine Kinder lagen vor ihnen im Grase, eins derselben schrie erbärmlich, die Mutter koste es und legte es an die Brust, um es zu stillen. Die andern krochen auf den Bäuchen und spielten mit den Blumen. Die Abgeordneten zählten den Männern das Gold auf die Hand, der Pfarrer empfing seinen teil, und man lieferte die Kinder aus. Noch lange hörte man die Kinder durch den Wald schreien, die Mütter heulten, aber die Männer sagten ihnen: "Hier ist Gold, lasst uns in die Schenke gehen und uns Mut trinken, andre zu machen. Man sagt, der König fresse die Kinder, besser er frisst sie jung, als dass er sie alt schindet oder sie, in einen Sack genäht, in die Seine werfen lässt, wie er Tausenden getan hat. Lasst früh sterben, was zum Leiden geboren ist, wahrlich, es wäre besser für uns gewesen, wenn sein Vater uns jung gefressen hätte."
Der Pfarrer tröstete sie und sagte:
Es sei ein verdienstliches Werk und der Mutter Gottes, welcher der König so sehr zugetan sei, gefällig. Auch seien die Untertanen für den König geboren, da er an Gottes Statt über sie auf Erden herrschte. Wer mag den Unsinn auszuführen? So gingen sie nach der Schenke, versoffen einen teil des Blutgelds und ersparten den andern auf, dem König die Termine zu bezahlen.
Der Teufel sah Fausten höhnisch an: "Zweifelst du noch, ob dir der Edelmann die Tochter verkaufen wird, die du doch wenigstens nicht fressen wirst?"
FAUST: Bei der schwarzen Hölle, die mir in diesem Augenblick ein Paradies gegen die Erde zu sein scheint, ich will von nun an allen meinen Begierden den Zügel schiessen lassen und bei Zerstörung und Verwüstung glauben, ich arbeitete in dem Sinn dessen, der die Menschen so ungeheuer geschaffen hat. Eile, kaufe ihm die Tochter ab, sie ist der Zerstörung geweiht wie alles, was Odem hat.
Dieses war die Laune, worin der Teufel Fausten längst zu sehen wünschte, um ihn zum Ziel zu fördern und der lästigen Bürde los zu werden, der Sklave eines so verächtlichen Dinges zu sein, als der Mensch ihm schien. Noch denselben Abend fing er an, den Edelmann zu stimmen, und sprach vorsätzlich von ihrer nahen Abreise; den folgenden Morgen warf er ihm bei einem Spaziergang die goldne Angel hin, der Gierige schnappte darnach, wollte sie aber noch nicht fassen und machte die gewöhnlichen Paraden der Tugend – der Teufel stieg bei jeder heuchlerischen Floskel in der Summe, stieg endlich so hoch, dass der Edelmann in seinem Herzen des Toren lachte, der sein Gold so unsinnig verschwendete. Der Vertrag ward gemacht, der Vater liess Fausten in das Zimmer seiner Tochter ein und dachte ihr Heuratsgut auf eine Art erbeutet zu haben, wovon ihr künftiger Mann nichts merken würde. Das Mädchen war in der ersten Blüte der Jugend, Faust hatte durch den Umgang mit den Weibern erlernt, sie zu betören, und da er ihr beweisen konnte, dass ihr Vater selbst zu ihrem Falle mitwürkte, so tat die natur das übrige.
Der Vater schlich indessen mit dem Goldsack und einer Lampe heimlich nach seinem jedermann unbekannten Gewölbe. Das Herz klopfte ihm vor Freude, einen Sack zu füllen und endlich die Summe seines Schatzes zu runden. Aus Furcht, belauscht zu werden, und im Taumel der Freude schlug er die tür hinter sich hastig zu, ohne den Schlüssel abgezogen und zu sich gesteckt zu haben. Die Lampe verlosch durch den heftigen Schlag, und er sah sich auf einmal mit seinem Golde auf dem arme in dicker Finsternis. Die Luft im Gewölbe war schwer und dumpfigt und drückte bald auf seine Brust. Nun ward er erst gewahr, dass er den Schlüssel aussen gelassen hatte, und Todesangst schoss kalt durch sein Herz. Noch hatte er Kraft und Instinkt genug, seinen Kasten zu finden, er legte das Gold