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Herkules herumzöge und Europas stolze Trone von diesen Ungeheuern reinigte?

TEUFEL: Kurzsichtiger, beweist nicht eure verdorbene natur, dass ihr sie braucht, und würden nicht neue Ungeheuer aus ihrer Asche aufleben? des Mordens würde kein Ende werden, die Völker sich trennen und sich durch bürgerliche Kriege aufreiben. Du siehst Millionen hier, die diesen Wüterich, wie sie ihn nennen, in Geduld ertragen, sich schinden lassen, ohne von Rache entflammt zu werden. Sahen sie nicht diesen edlen Herzog hinrichten wie ein Schaf und genossen mit ängstlichem und peinvollem Vergnügen des tragischen Schauspiels? Beweist dieses nicht, dass sie ihr Schicksal verdienen und keines bessern wert sind, dass sie als Sklaven des himmels und ihrer natur das Joch ertragen müssen, wie man es ihnen auflegt? Wenn dein Sinn durch die Wollust noch nicht ganz verraucht ist, so reime dieses mit den Schulbegriffen deiner Moral zusammen, ich bin kein Lehrer des Lichts in der Finsternis, die euch umgibt. Ich kann meine Hand nicht an den Gesalbten legen, der so wacker für die Hölle arbeitet, kann den Faden nicht zerreissen, an welchem ein Mächtigerer wie ich durch ihn dieses Volk leitet.

FAUST: Wie gewissenhaft auf einmal mein Teufel geworden ist! Wie schnell warst du fertig, da ich dir auftrug, den deutschen Fürsten zu erwürgen, ist dir der Franzose mehr wert?

TEUFEL: Er war zu Verbrechen nicht gesalbt wie dieser hier, und wenn ich deinen Wink erfüllte, so sah ich aus der Tat Nutzen für die Hölle; einst wird es dir klar werden! Warum willst du, dass ich gegen meine eigne Eingeweide wüten soll? Ist er es nicht, der den Grundstein zu dem Despotismus legt, der durch Jahrhunderte wachsen, bisher unerhörte Greuel veranlassen und unzählige Opfer der Verzweiflung zur Hölle schicken wird. Werden nicht alle die tyrannischen Könige, ihre Ministers und die übrigen Blutsauger des volkes in den Pfuhl der Verdammnis fahren? Und ich sollte den zerstören, der ein solches Werk gründet? Faust, wenn der mächtige Satan in Frankreich König wäre, so könnte er nicht mit fruchtbarerer Hand den Samen zu dem künftigen Bösen aussäen, wie dieser es tut. Gedulde dich, du sollst diesen König sehen, dich an seinen Martern ergötzen, und dann wirst du ihm langes Leben wünschen, sie zu verlängern.

3.

Faust machte einige Zeit hierauf mit einem sehr verständigen und rechtschaffnen Edelmann Bekanntschaft, und er nebst dem Teufel gefielen ihm so wohl, dass er sie auf sein Landgut, nahe bei der Stadt, einlud, wo er mit seiner Familie lebte, die aus seiner Gemahlin und seiner sehr schönen sechzehnjährigen Tochter bestund. Faust wurde von dem ersten blick des reizenden, unschuldigen Mädchens bezaubert und fühlte zum erstenmal etwas von den süssen Qualen einer feinern Liebe. Er vertraute dem Teufel seine Pein, und dieser, der das Böse so gern beförderte als es Faust tat, bot ihm seine hülfe an und spottete seiner Ziererei. Faust aber, der auf einmal edel zu fühlen glaubte, gestund ihm, es ginge ihm nah, dem Edelmann seine Gastfreundschaft so schlecht zu vergelten. Der Teufel spottete seiner Bedenklichkeit noch mehr und antwortete: "Nun, Faust, wenn du die Einwilligung des Edelmanns zu dem Spasse brauchst, so ist mir's um so lieber, denn ich fange auf einen Zug zwei Vögel und stehe dir für die Einwilligung. Für was hältst du ihn?"

FAUST: Für einen Biedermann.

TEUFEL: Es ist doch schade, Faust, dass du bei dem deutschen fanatischen Mönch nicht ein wenig in die Schule gegangen bist. Du hältst also diesen Edelmann für einen biedern Gesellen, freilich, ganz Paris denkt so von ihm, und leider muss ich nun wieder in meiner ganzen Teufelei erscheinenWas glaubst du, dass er vorzüglich liebt?

FAUST: Seine Tochter.

TEUFEL: Ich kenne etwas, was er noch mehr liebt.

FAUST: Das wäre?

TEUFEL: Gold, davon du freilich schon Beweise haben könntest, da dir aber die Schätze der Erde durch mich offen stehen, so gleichst du einem Strome, der sich ergiesst, unbekümmert, woher die Gewässer ihm zufliessen und wohin er sie ausstösst. Wie viel hast du schon an den Edelmann verspielt?

FAUST: Das berechne der, der den Quark für mehr hält als ich.

TEUFEL: Er, der dich betrogen hat, zählt es sorgfältiger als ich.

FAUST: Betrogen?

TEUFEL: Wie anders? Würde er, der nie gespielt hat, sonst mit dir spielen? Er sah, was dir das Geld ist, und machte seinen sichern Plan darauf. Glaubst du, die Tafel würde so gut bestellt sein, die Weine so wacker fliessen und die Gäste, seine Gehülfen, dich zu rupfen, so zahlreich um den Tisch dieses Geizigen sitzen, wenn dein Gold nicht diese Wunder würkte? Faust, in diesem haus ass man sich vor unserm Hiersein nie satt. – Ich sehe an deiner Verwunderung, dass du dein Lebelang ein Verschwender warst und von diesem Durst nach Gold, der alle Wünsche des Herzens, selbst die nötigen Bedürfnisse der natur besiegt, keine Ahndung hast. Folge mir leise!

Sie gingen die Treppe hinunter, durchschlichen einige unterirdische Gänge und kamen endlich an eine eiserne tür, wo der Teufel zu Fausten sagte: "Sieh durch das Schlüsselloch!" In diesem Gewölbe, das der schwache Schein einer Lampe erleuchtete, entdeckte Faust den Edelmann vor einem eisernen Kasten, in welchem viele Säcke mit Geld lagen