Kraft mit, die natur hat dich zu allen dem gestempelt, was ich dir verkündige."
Faust biss wild die Zähne zusammen, während der Mönch alle die herrlichen und erhabnen Sachen über das Angesicht des Teufels begeistert herausstiess. Der Teufel wandte sich kalt zu dem Seher:
"Und was hältst du von diesem hier?"
MÖNCH: Gross, kühn, mächtig, kraftvoll, sanft, mild; doch das Grössre ist grösser, das Kühnre kühner, das Mächtigere mächtiger, das Kraftvollere kraftvoller, das Sanftere sanfter, das Mildere milder! grosser, edler Schüler eines grösseren, wenn dein Geist und Herz ihn ganz fassen wird, so wird sein Licht auch durch dich leuchten! – Ich bitte Euch, setzt Euch, dass ich Euren Schatten nehme!
Faust, der noch mehr ergrimmte, dass ihn der Mönch so tief unter den Teufel setzte, brach los:
"Schatten! ja Schatten, die sind es, die du gesehen hast. Wer bist du, der du dich so frech erkühnst, das Menschengeschlecht nach den Zuckungen deiner erhitzten und verworrnen Einbildungskraft zu richten und zu messen? Hast du den Menschen gesehen? Wo, wie und wann? Im Schatten hast du ihn gesehen und diesen, ausstaffiert mit den Floskeln deiner Phantasie, für seine wirkliche Gestalt gegeben! Sage, was für Menschen hast du gesehen? Sektierer, Fanatiker, Schwärmer, die Schlacken der menschlichen natur. Eitle Betschwestern, junge Weiber, die kraftlose Männer, Witwen, die schlaflose Nächte haben. Mädchen, die der Kitzel des Bluts quälet, diese hängen sich an Leute deinesgleichen, weil sie an nichts Kräftigerm hängen können und mit dem geist buhlen müssen, weil ihre Leiber nicht bepflügt werden. – Autoren hast du gesehen, denen es wohlgefiel, wenn du die flachen Züge ihres Gesichts zu Merkzeichen des Genies stempeltest. Grosse, deren glänzender Stand und Name ihre Gesichter vor deinen Augen verherrlichten. Du siehst, ich kenne deinen Umgang und habe dein Buch gelesen."
TEUFEL: Bravo, Faust, lass mich nun auch das Wort nehmen und ihm mit Wahrheit lohnen. Bruder Mönch! in deiner einsamen Zelle hast du dir ein schales Ideal von Vollkommenheit zusammengesetzt, es den Köpfen der Menschen einzuprägen gesucht, das nun an den Kräften ihres Geistes zehrt wie der Krebs am angesteckten Fleische; oder ist es ein Zug neuer Scharlatanerie, den Menschen durch den Köder der Eitelkeit an dich zu ziehen und deine sonstige Schwärmerei mehr auszubreiten? Es hat einst auch Menschen gegeben, die es wagten, von dem Äusseren des Menschen auf sein Innres zu schliessen (das, im Vorbeigehen gesagt, tiefer liegt als der Mittelpunkt der Erde), aber es waren andere Kerle wie du. Sie hatten doch wohl einen teil des Erdbodens durchlaufen, waren unter Erfahrungen grau geworden, hatten mit Menschen gehandelt und gewandelt, mit mehr als einem weib geschlafen, die Schlupfwinkel des Lasters und der Üppigkeit durchkrochen. Stiegen aus dem Palast in die Hütte, krochen in die Höhlen der Wilden und wussten, was ungefähr zu einem wackren Kerl gehört, was er leisten kann und was man seiner natur nach an ihn fordern muss. Du starrst von deinen Vorurteilen zurück und zitterst vor der raschen Tätigkeit des Menschen! Hast dir ein Gespenst von Mönchs- und Weibertugenden zusammengesetzt, mit Engelreinheit und Keuschheit behängt, das den Menschen eben um das bringt, was ihm noch einigen Wert gibt.
Der Mönch stunde zwischen ihnen wie zwischen zwei feuerspeienden Bergen, hielt demütig die hände vor die Brust und schrie: "Erbarmt euch!"
FAUST: Höre weiter! Du siehst auf dem rücken der Nase eines Burschen eine kleine Wölbung, die du einmal zum Zeichen fleischlicher Sinnlichkeit geprägt hast, und er muss dir ein Wollüstling sein, ob er gleich Hoden hat wie Erbsen und Gesässe so flach wie deine Backen. Da, wo du es nicht ahndest, wohin du nicht greifen darfst, wovon du keinen Schatten nehmen und in Holz schneiden kannst, da sitzt es dem Mann und dem weib, da ist nur zu oft die Waage ihrer Tugend. Du hältst das Aufsteigen der üppigen, heisshungrigen Gebärmutter für himmlische Begeistrung, siehst selige Gefühle in den Augen der Matrone, während ihre Phantasie mit Bildern der Wollust buhlt. Drang nach edler Tätigkeit auf der Stirne des Jünglings, während der Löwe Temperament in ihm brüllt. Wie willst du die Kraft des Menschen abwägen, da du den gefährlichen, wilden Kampf, den sie im inneren erregt, nie gefühlt hast? wie bestimmen, welcher Versuchung er unterliegen muss, da du dich bloss mit Schatten genährt hast? Was meinst du, wenn einer die Floskeln, womit du deine Unerfahrenheit und Unwissenheit deckst, in schlichten Menschensinn auflöste? Was würde übrigbleiben als Seifenblasen?
Der Teufel nahm das Wort: "Und wie, wenn dir alle die Schatten, womit du dein dickes Buch ausgeputzt hast, in ihrer wahren Gestalt erschienen, wie ich dir nun erscheinen will? Ich habe gesehen, dass du auch den Teufel porträtiert und gemustert hast, es ist hohe Zeit, dass er dir erscheine. Sieh mich an! ich will nun mein Inneres auf mein Äusseres ziehen, und du sollst in Staub vor dem Ideal hinsinken, das deine Phantasie in mir gesehen hat. Davon sahst du nichts, dass dieser hier in deinen Schafstall gebrochen ist und deine geistige Lämmer erwürgt hat. Sieh, er dampft vom Genuss der Wollust – und nun blick auf und sage dann, du habest einmal ein Ding in seiner