gehalten?' – 'Warum hast du geflucht', erwiderte Lene. 'Dir ist alles gleichgültig, wenn nur dich der Bocksfüssler nicht holt, mag meine Ehre immer dabei leiden!' Ich konnte dem Kitzel des Lachens nicht mehr widerstehen. 'Wer lacht dahier?' klapperte Trossel. 'Der Teufel', schrie die Brünette. Das edle Paar entfloh, kroch ins Bette, und kaum hatte sich Trossel von seinem Schrecken erholt, kaum fing er an zu schnarchen, als ihn eine gellende stimme aufweckte: 'heraus aus dem Bette, Flucher! Wider Willen muss ich dich heute zum Hahnrei machen. Doch fürchte nichts, ich bin wie du von christlichen Eltern geboren, werde dir nichts zuleide tun. Alles geschieht zum Heil deiner Seele, aber wenn du dich rührst, so kommt der Schwarze!'
Trossel sprang aus dem Bette, kroch in einen Winkel, zog die Nachtmütze über das Gesicht und klapperte vor Furcht und Angst. Nach einigen Stunden rief die stimme: 'Lege dich wieder zu Bette und vergiss nicht, dass mein Schicksal ist, für jeden deiner Flüche deinen Platz einzunehmen, und das deine, es zu leiden!'
Die stimme stieg zum Fenster hinaus. Lenchen spielte noch toller die Verzweifelte, und ihr Haustyrann, der so streng auf sein Männerrecht hielt, der nicht den geringsten Widerspruch vertragen konnte, musste nun bitten und flehen, sie möchte ihm diesmal verzeihen.
Man stellte dem Flucher neue Fallen, lange vermied er sie; da aber einmal die Brünette das Mittel entdeckt hatte, seine Zunge zu lösen, so spielte sie solange auf dieser Saite, bis sie etwas erschlaffte. Ein Streich gelang ihr über alle Hoffnung. Der arme hatte den ganzen Tag an einem Kapitel seines Werkes gearbeitet, darinnen bewiesen, dass seine Schutzherrn aus dem Morgenlande nicht zu fuss, sondern auf Kamelen von haus ausgeritten wären und dass ein geflügelter Bote von oben ihnen bei Nacht eine Laterne vorgetragen hätte. Lene, die seine Anstrengung während der Arbeit und seine endliche Zufriedenheit darüber bemerkte, zerriss die Blätter, sobald er sich einen Augenblick entfernte, wickelte Garn in die Fetzen – legte in ein Blatt einen Kreuzer, zündete es an und warf es einem singenden Bettler aus dem Fenster zu. Trossel kam zurück, wollte ihr nun seine Tagesarbeit vorlesen, fand sie nicht, fragte zitternd darnach; Lene liess sich dreimal erklären, was er wollte, und sagte endlich mit kalter Verachtung: 'Hier sind deine Wische! ich hielt es für eine Schmiererei, dergleichen du Hunderte des tages machst und wieder zerreissest!' Knirschend für Wut öffnete er die Knäuel Garn, warf sie ihr brummend in Schoss, legte seine Fetzen zusammen und rief mit donnernder stimme: 'Wo ist das übrige?' – 'Zum Fenster hinaus!' – Zum Fenster hinaus! Die Flüche donnerten heraus, dass die Fenster zitterten, das Glas auf dem Tische erklang. Lene stopfte sich die Ohren zu, spielte die vorige Komödie; der Gast kam, Trossel musste das Bett verlassen und murmelte dabei zwischen den Zähnen: 'Ich wollte, dass die drei Mohrenkönige die Beine gebrochen hätten! schon zum zweitenmal machen sie mich zum Hahnrei.'
'Und sie sollen's zum dritten-, vierten- und fünftenmal, verwegener Sünder! Ein Fluch gegen die Heiligen ist Todessünde!' rief die stimme hinter den Bettvorhängen hervor.
Der Gast hielt Wort. Da nun Trosseln die Besuche zu oft kamen, so sagte er diesen Morgen zu Lenchen: 'Ich kann es nicht mehr ertragen! Ich mag machen, was ich will – mag ersticken, bersten – fluchen muss ich! Ich will den Nachmittag nach dem Pater Orbelius schicken, dass er mich morgen früh besuche, ihm dann alles erzählen und ihn bitten, dass er mir und dir helfe.'
Lene lobte seinen Entschluss; schlich aber bald darauf in ihr Kämmerlein, setzte sich hin, ihrem Galan den Vorfall zu melden und ihm zu schreiben, er solle abends den Teufel mit dem Auftrag schicken, Trosseln mit dem tod zu drohen, wenn er die Erscheinung entdeckte.
Ich, schon zufrieden mit dem, was geschehen war, schlich ihr nach. Warf ein hellrotes Mäntelchen um die Schultern, steckte mich in einen Wams von rauhen Fellen des Alps, legte ein Krägelchen um den Hals, aus roten, blauen, gelb- und grünen Flammen gewebt, stellte mich auf zwei hohe Hahnenfüsse mit langen Spornen, nahm eine scheussliche Krötenmaske vor und bedeckte den feuchten, kahlen Schädel mit einem Federhut. Statt des Schwanzes wickelte sich eine ungeheure Schlange um meinen Leib, ihr Rachen ragte aus dem geöffneten Schlunde der Krötenmaske weit hervor, und so geschmückt stellte ich mich hinter den Stuhl der Schreibenden und zischelte ihr mit ausgestreckter Schlangenzunge in einem süssen, gefälligen Tone zu: 'Bemüht Euch nicht, gnädige Frau, wenn Ihr einen Teufel braucht, da habt Ihr gleich den rechten. Befehlt nur!'
Die Folgen meines Grusses, Faust, nebst der Moral, wenn wir uns wiederbegegnen."
Die stimme schwieg, und Faust fühlte den Geist an sich vorübersausen. Er schrie: "Wo ist er hin? Die Moral will ich hören."
TEUFEL: Ho! ho! soll diese der Teufel auch machen? und seinen Schwank verderben, wie's eure Dichter machen? Er ist schon weit weg; vermutlich hat er einen neuen Spuk gewittert! Hm, Faust, es fehlt den deutschen Weibern, wie ich