Unterlass zitiert, und, um den Kerl mit dem letzten Zug zu malen, dass er eifersüchtig wie ein Tiger ist, dass er sein Weib nicht aus den Augen lässt, dass sie neben seinem gepolsterten Sessel hucken und ihm zuhören muss, wenn er die Legende kommentiert oder von seinen Feldzügen lügt. Vor kurzem verheuratete er sich mit einer derben, fleischigten Brünette – ein lüsterner Schalk, ganz auf dem schwankenden Stengel der Unschuld gewachsen und nur vom weiblichen Sinne gepflegt. Ich hatte schon ein Netz für sie gewirkt, aber der Schalk kam mir, wie Ihr sehen werdet, zuvor. Der Mönchsteufel polterte die Treppe hinauf – ich, der ihm ablauerte, worauf es angesehen war, umzog schnell seine Hörner mit loderndem, knitterndem Feuer und setzte mich in Gestalt einer ungeheuern Fledermaus mit glühenden Augen dazwischen – Der Mönchsteufel trat vor das Bett und schrie: 'Trossel! Trossel! Herr von Trossel! Mich sendet Satan, mein Herr. Mit freundlichem Grusse lässt er dir sagen, dass, wenn du dein schreckliches Fluchen nicht lässest, womit du ihn jeden Augenblick zu hülfe rufest, er bald genötigt sein würde, dir in hoher person den Hals zu brechen. Schon lange hätte er's gern getan, aber du stehest unter dem Schutze der elftausend Jungfrauen, der drei Mohrenkönige, und diese verteidigen dich gegen ihn. Doch sollen sie ihn nicht hindern, dir für jeden Fluch, den du in Zukunft herausdonnern wirst, einen Liebhaber zu deinem jungen weib Lene zu legen. Weh dir, wenn du alsdann dein unschuldiges Weib und den unschuldigen Kavalier beleidigst.' –
Der Mönchsteufel polterte die Treppe hinunter. Trossel zitterte und bebte – Lene war bei der Erscheinung unter die Bettdecke gekrochen und streckte nicht eher den Kopf hervor, als bis er ihr in Verzweiflung zurief. Dann fing sie erbärmlich an zu klagen und zu jammern über das Unglück, das ihr bevorstünde, und beschwur den Totbleichen bei allen Heiligen, sich ja vor dem Fluchen in acht zu nehmen. Er gelobte sich's und ihr unter Stöhnen und Gebet. Ich eilte dem Kerl nach, der uns so schändlich prostituiert hatte, und begleitete ihn nach der Rheinseite. Ein junger Edelmann, dem der Schalk von weib dieses saubere Spiel in der Kirche angegeben hatte, wartete dort auf ihn – der Kerl kroch aus der Maske hervor – es war ein Mönch, Faust!
Trossel sass den ganzen Tag stumm und tot da; denn reden und fluchen war bei ihm eins. Der Schalk von Brünette blickte aus halbgeöffneten Augen nach dem Unglücklichen und schien nach dem Fluche zu lechzen wie nach eurer Vorstellung eine Seele im Fegfeuer nach Erlösung. Gleichwohl schärfte sie ihm ohne Unterlass ein, sich ja vor dem Fluchen in acht zu nehmen, malte ihm den Teufel und die Gefahr immer schrecklicher und sagte weinend, sie würde nie den fürchterlichen Augenblick überleben. Trossel seufzte zum erstenmal herzlich in seinem Leben, er war nur ein lebloses Ding, ein Schatten, ein Nichts. Man bestahl ihn, warf seine Legenden untereinander, trat seinen Lieblingshund auf die Pfoten, war mürrisch, zänkisch, unverschämt gegen ihn, er verlor durch ungerechten Spruch einen Prozess – er biss die Zähne zusammen, schluckte die bis in die Gurgel gedrungenen Flüche zurück, erduldete alles und schwieg. Er war dem Stummwerden nahe, und schon verzweifelte Lene, als ihm mein Mönch, unter der Maske eines reisenden Edelmanns, von Trossels Kriegsbruder empfohlen, eines Abends einen Besuch machte und der lechzenden Brünette gelegenheit verschaffte, den gefesselten Flüchen Luft zu machen. Das Mönchlein liess sich glattzüngig mit Trossel in eine Unterredung über die drei Mohrenkönige ein. Die Beredsamkeit des Stummen ward lebendig, er floss in ihrem Lobe über, las ihm aus seinem Werke vor, und die Brünette horchte andächtig zu. Als ihn der Mönch recht im Feuer sah, sagte er spöttisch lachend: 'drei Könige? drei Könige auf einmal? Hat man doch oft an einem zu viel! Und was wollten denn die Kerle in Köln? Was hatten sie am Rheine zu tun? Hatten sie denn zu haus keine Geschäfte, dass sie herumzogen wie Meistersänger? Was mögen indessen ihre Untertanen gemacht haben? Nehmt mir nicht übel, so viel ich von Königen weiss, so laufen sie nicht so von Haus und Hof, es müsste denn sein, dass man sie davonjagte. Das ist alles Fabel und albernes Zeug.'
Trossel wurde blau und rot. Die Kollerader schwoll auf seiner Stirne. Der Geifer des Zorns schäumte um seine blauroten Lippen. Er zog krampfhaft die Daumen in die Fäuste, schnitt fürchterliche Grimassen, blies aus Mund und Nase, wollte eben, um die Flüche zurückzupressen, nach seiner Krücke greifen, um dem Lästerer eins zu versetzen; aber das freundliche Lenchen sprang erschrocken auf, liebkoste ihn, streichelte ihn, gab ihm süsse Worte und Küsse, drückte sich an ihn, setzte unter Liebkosungen ihr Füsschen auf das Hühneraug des Grimmigen und trat aus allen ihren Kräften darauf. Da brach der eingeschlossne Donner los. Die schrecklichsten Flüche strömten aus seinem mund wie eine losgelassne Flut, stürzten wie der Hagel herunter – der Gast entfloh – die Brünette sank zu seinen Füssen, schrie: 'Du hast mich unglücklich gemacht, meine Ehre weggeflucht!' und fiel in Ohnmacht. Starr, bebend und bleich stunde der Flucher da. Mit noch grässlichern Flüchen rief er endlich: 'Warum hast du mir auf das Hühneraug getreten? Hab ich meine verdammte Zunge nicht bis auf diesen Augenblick