, wenn er alle die vernichten wollte, die nach deiner Meinung nicht zu leben verdienen.
Aber er will, dass sie leben, leiden, sündigen und der Strafe reifen. Gleichwohl wäre das Ding von Mensch noch immer gut genug, wenn es nur dem Trieb, alles zu verzerren und zu missbrauchen, durch seine stolze Vernunft etwas mehr widerstehen könnte oder wollte. Faust, woher mag dies Unvermögen wohl kommen? Wenn du eine Maschine verfertigest, wirst du sie nicht so zurichten, dass sie deinem Zweck entspricht; wenn du nun fändest, dass du dich in deinem Machwerk geirrt hättest, und es eher deinen Zweck hinderte als beförderte, wirst du sie nicht verbessern oder vernichten?
Faust wollte eben antworten, als sie in der Ferne ein Dorf in hellen Flammen sahen. Da ihn nun alles scharf reizte, spornte er sein Pferd, und der Teufel zog hinter ihm drein. Es begegnete ihnen bald ein Haufe fliehender Ritter und Knechte, die eben ein andrer Haufe geschlagen hatte. Als sie dem dorf näher kamen, fanden sie das Feld mit Leichen der Reisigen und Pferden bedeckt. Sie sahen unter den Toten einen Knappen, der mit beiden Händen arbeitete, seine herausgestürzte Eingeweide in den Bauch zurückzudrücken; er heulte und fluchte fürchterlich unter dem schmerzlichen Werke. Faust fragte ihn höflich um die Ursache des Zwists, der Knappe schrie: "Schert Euch zu allen Teufeln, Herr Naseweis! wenn Ihr Eure Kaldaunen in frischer Luft sähet wie ich, die Neugierde würde Euch vergehen. Weiss ich, warum sie mir den Bauch aufgerissen haben? Fragt dort den gnädigen Herrn, meinen Junker, den sie auch verstümmelt haben und dem ich dies Frühstück zu verdanken habe."
Sie nahten einem Ritter, der eine Wunde an dem Schenkel hatte, und Faust tat dieselbe Frage an ihn. Der Ritter antwortete: "Ein Bauer aus dem brennenden dorf hat vor einiger Zeit dem mächtigen Rauhgrafen einen Hirsch erlegt. Darauf hat der Rauhgraf den Täter von meinem Herrn gefordert, um ihn nach teutschem Herkommen auf einen Hirsch zu schmieden und zu Tod rennen zu lassen. Mein Herr hat den Bauern nicht herausgeben wollen und die Pfändung an Hab und Gut zu seinem eignen Besten für hinreichende Strafe erklärt. Der Rauhgraf hat hierauf dem Edelmann im Namen Gottes und unter dem Schutze des Kaisers einen Fehdbrief zugeschickt. Die Fehde ist unglücklich für uns ausgefallen, der Rauhgraf hat das Dorf angezündet, es mit seinen Reisigen umgeben, dass keiner der Bauern heraus kann, und wird nun dem Eide Gnüge tun, den er bei dem heiligen Sakrament geschworen, alle die Bauern wie Martinsgänse für seine Hunde und wilden Schweine zu braten."
FAUST ergrimmt: Wo liegt sein Schloss?
RITTER: Auf jener Höhe, es ist das festeste und prächtigste im land.
Faust ritt auf eine Anhöhe und sah im Tale das brennende Dorf vor sich liegen. Die Mütter mit ihren Kindern, Männer und Greise, Jünglinge und Jungfrauen stürzten heraus, warfen sich den Reisigen zu Füssen, flehten verzweifelnd um Rettung. Der Rauhgraf schrie, dass es im Tale erschallte: "Treibt die Hunde zurück! In den Flammen sollen sie alle sterben!" Die Bauern schrien, dass es den Himmel und die Felsen zerreissen müsste: "Wir sind unschuldig, der Euch beleidigt hat, ist entflohen! Was haben wir und unsre Kinder verbrochen? Ach, rettet nur sie!" Die Reisigen peitschten sie von der Erde auf, trieben sie nach den Flammen, die Mütter warfen die Kinder nieder, in der Hoffnung, sie würden sich ihrer erbarmen, der Huf der Rosse zerschmetterte sie –
Faust rief wahnsinnig: "Teufel, fliege und kehre nicht zurück, bis du des Wüterichs Schloss mit allem, was es in sich fasst, aufgebrannt hast. Er kehre heim und finde Wiedervergeltung."
Der Teufel lächelte, schüttelte den Kopf und flog davon. Faust warf sich unter einen Baum und blickte ungeduldig nach dem schloss. Als er es in Flammen sah, wähnte der Verwegne, die Ordnung der Dinge hergestellt zu haben, und empfing den zurückkehrenden Teufel mit Zufriedenheit. Dieser fuhr siegend einher, verkündigte ihm den Jammer, den er angerichtet, und mit welcher Eile der Rauhgraf mit seinen Reisigen nach dem schloss zujage; "aber, Faust", setzte er hinzu, "der Dampf des höllischen Pfuhls wird ihm einst nicht so entgegenstinken als diese deine Tat. Sein junges, vielgeliebtes Weib ist vor einigen Tagen mit dem Erstgebornen niedergekommen."
FAUST: Rette sie und den Neugebornen.
TEUFEL: Es ist zu spät; die schwache Mutter drückte ihn in ihre arme, und er brannte auf ihrem Herzen zu Asche.
Diese Post durchschauderte die Seele Fausts, er sagte grimmig: "Ha, wie schnell der Teufel im Zerstören ist!"
TEUFEL: Faust, nicht so schnell als der verwegne Mensch im Urteil und Richten. Hättet ihr unsre Macht, längst würdet ihr die Welt zertrümmert und zum Chaos gemacht haben. Beweisest du es nicht, da du deine herrschaft über mich so unsinnig missbrauchst? Fahre nur zu! der Mensch, der sich den Zügel lässt, gleicht dem Rad, das vom Berge rollt, wer kann es aufhalten? es springt von Klippe zu Klippe, bis es zerschmettert. Faust, gern hätte ich den Unmündigen der Sünde reifen lassen, nun ist er der Hölle entgangen samt der Mutter, er brannte auf ihrem Herzen zu Asche, und sie wehrte der ihn aufzehrenden Flammen mit den Knochen, von denen