hinaus willst, und du gibst dem Teufel eine sonderbare Bestimmung; doch hiervon ein andermal. Dein Fürst da ist nun freilich ein ganzer Mann, ich werde dir auch nichts von meinen Bemerkungen über ihn sagen, denn wie ich diesen Abend bei dem Minister ausgespäht habe, so ist etwas auf dem Wege, das dich anschaulich von seinem Werte überzeugen wird; bis dahin halte das Ideal von ihm warm in deinem Busen und sage mir, was hältst du von dem Grafen C***, seinem Günstling?
FAUST: Verwünscht! dies ist der einzige Umstand, mit dem ich nicht fertig werden kann. Er ist sein Busenfreund und doch so glatt wie ein Aal, der dir immer entwischt, und so geschmeidig wie ein Weib gegen ihren Mann, wenn sie auf Ehebruch sinnt. Indessen gehört dies vielleicht zu seiner Lage, sein Inneres so zu verdecken und zu übertünchen, dass keiner von denen, die sich so gern an begünstigte Grosse hängen, an etwas fassen soll.
TEUFEL: Sein Inneres? Glaubst du, Faust, der Mann, der so mühsam arbeitet, sich zu verbergen, habe ein Inneres, das das Licht verträgt? Traue dem Menschen nicht, in dem Kunst, Verstand und Interesse das Tierische seiner natur so unterjocht und verdünstet haben, dass sogar die Zeichen seines Instinkts und seiner Sinnlichkeit verloschen sind. Wenn das, was in euch kocht und arbeitet, sich nicht mehr auf eurer Stirne, in euren Augen und Bewegungen zeigt, so seid ihr eurer natur entsprungen und werdet die gefährlichsten Tiere der Erde, Missgeburten, die die überfeine Kultur des Verstandes mit der letzten Aufwallung der Wollust zeugt.
FAUST: Wie, so wäre es nicht einmal Verstellung?
TEUFEL: Da hättest du noch etwas vor dir; denn auch eine Maske hat Bedeutung, und man enträtselt den Vermummten an gang, stimme, Atemholen und Gewohnheiten. Nein, Faust, dieser da ist so ganz, was er ist.
FAUST: Und was ist er denn, im Namen der Hölle?
TEUFEL: Ein Mann, der viel gereist und die Welt gesehen hat. Der an den Höfen Europas herumgezogen ist, den rohen Menschen abgeglättet und die Gefühle des Herzens an dem kalten Lichte des Verstandes versengt hat, kurz, einer der ausgebildeten Köpfe, die alle Verbindung zwischen Geist und Herz zertrümmern, eurer eingebildeten Tugend lachen und mit den Menschen umgehen wie der Töpfer, der das Werk seiner hände zu den Scherben wirft, wenn es seiner Laune nicht entspricht. Er ist einer von denen, die sich durch ihre Erfahrung berechtigt glauben, die Menschen samt und sonders als ein Pack Raubgesindel zu betrachten, die den auffressen, der ihnen edlen Instinkt zutraut. Nichts freut ihn als ein fein entworfner, glücklich ausgeführter Hofstreich, und er geniesst eines Mädchens wie einer Rose, die er vom Stock abbricht, beriecht und dann gleichgültig mit Füssen tritt.
FAUST: Hämischer Teufel, und der Mann, den du da malst, könnte der Busenfreund des Fürsten von *** sein?
TEUFEL: Es wird sich schon zeigen, was er ihm ist; ich sage dir, es ist etwas auf dem Wege. Hast du diesen Abend den Minister bemerkt?
FAUST: Er scheint beklommen und düster.
TEUFEL: Dies ist nun einer von den Menschen, die ihr wackre Männer nennt. Grossmütig, arbeitsam und gerecht; aber so, wie es euch immer geht, ein einziger Gran falschen Zusatzes schnellt schon die Waage hinauf. Dieser ist bei ihm der Sinn der Zärtlichkeit für das andre Geschlecht, und da er aus grundsätzen die Einsegnung des Priesters zu seinem Vergnügen braucht, so vernarrte er sich nach dem Tod seiner ersten Gemahlin in das Weib, das du gesehen hast. Durch sie gab er seinen erwachsnen Kindern eine Stiefmutter, seinen Sinnen einen kurzen Genuss und zertrümmerte das Gebäude seines Glücks. Sie nutzte seine Verblendung, verprasste durch Üppigkeit, Putz und Spiel ihr, sein und seiner Kinder Vermögen und verwickelte ihn noch obendrein in ungeheure Schulden. Es ist wahr, sie nahm in dem Baron H ***, den du gesehen hast und der eigentlich Herr im haus ist, einen arbeitsamen Gehülfen dazu. Da man sich nun ganz auf der Neige fühlte, die Phantasie immer mehr wuchs und neue Bedürfnisse ersann, je schwerer es war, die Mittel dazu zu finden, so liess sich's endlich die Mutter gefallen, einem Plan beizutreten, den ihr Buhler entwarf: Die Tugend ihrer Tochter unter einer zweideutigen Versicherung auf Vermählung so teuer an den Günstling zu verkaufen, als er sie kaufen wollte. Von allem diesem merkt der Minister nichts, fühlt nur die Lücke in seinem Vermögen, die Last der Schulden, das volle Mass seiner Torheit und zittert vor der augenblicklichen Ankunft seines Sohns, den die Mutter aus dem haus trieb, um ungestörter sein Vermögen zu verprassen. Er hat sich indessen in dem Türkenkriege einen hölzernen Arm geholt. Auch ist's wohl möglich, dass der Günstling, da der Minister viel bei dem Fürsten gilt, anfangs ernstafte Absichten hatte, aber jetzt hat sich seit einigen Tagen die Szene gänzlich geändert. Der Fürst schlug ihm eine Vermählung mit der reichsten Erbin des Landes vor, und nun brütete er darüber, durch einen kühnen und geheimen Schlag den Minister und sein ganzes Haus so zu zerschmettern, dass keiner es wage, um Rache zu schreien oder ihn anzuklagen. Verstummen sollen sie, als seien sie nie gewesen, und der Minister soll unter seiner Sohle hinsterben wie der Wurm, dessen Ächzen