, Eure Vorwürfe und Beschuldigungen aufnehme. Fühlt selbst, ob Ihr ein Recht dazu habt, da Ihr mir sie auf blosses Hörensagen macht und von der Lage dieses Landes nicht unterrichtet seid. Ich will denken, nur Mitleid spricht aus Euch, und darum Euch antworten. Ich war und bin ein Freund des Doktor Robertus und bedaure es, dass ich in ihm einen Mann der Gerechtigkeit überliefern muss, der durch seine Eigenschaften seinem vaterland hätte nützlich sein können, wenn es ihm nicht gefallen hätte, sie zu dessen Untergang anzuwenden. Ich will nach dem Grund zu dieser Verirrung nicht in seinen Busen greifen und es seinem eignen Gewissen überlassen. Lange hatte ich Geduld mit seinem gefährlichen Wahnsinn; da er aber das Volk aufwiegelte, für dessen Bestes ich zu sorgen habe, und sich zum Haupt einer Empörung aufwarf, so muss er sterben, wie es mein einziger Sohn müsste, wenn er ein gleiches unternehmen sollte. Das Gesetz hat ihn verurteilt, nicht ich, er kennt dieses Gesetz und weiss, welche Folgen Empörung nach sich zieht. Das Urteil der Welt nehme ich auf mich und habe nichts dagegen zu setzen als die Ruhe und das Glück dieses volkes, das es später erkennen wird, dass nur ich sein Vater bin. Wenn es Euch nicht genug ist, dem ersten Eindruck zu folgen, so verweilet hier, und wenn Ihr mir dann mit mehrerer Bescheidenheit etwas zu sagen wisst, das diesem volk und mir nutzen kann, so steht Euch mein Ohr immer offen."
Nach diesen Worten, die er mit festem und unverstelltem Tone aussprach, zog er sich zurück und liess Fausten, der keine Antwort finden konnte, stehen. Dieser sagte beim Weggehen zu dem Teufel: "Welchem von beiden soll ich nun glauben?" Der Teufel zuckte die Schultern, denn da, wo es ihm für die Hölle nützlich, nachteilig für Fausten und die Menschen schien, wollte er nichts zu wissen scheinen.
FAUST: Dass ich doch dich frage! Ich will dem Rufe meines Herzens folgen; ein solcher Mann, der mir so nah durch seine Denkart verwandt ist, soll nicht sterben!
Hätte Faust unsre junge Freiheitsschreier gekannt, er würde sich in dem Doktor Robertus nicht geirrt haben, aber ihm war die Erscheinung neuer als uns.
Morgens, da die Hinrichtung vor sich gehen sollte, begab sich Faust mit dem Teufel nach dem Markte und unterrichtete ihn im Gehen von seinem Willen. In dem Augenblick, als der Henker dem Doktor, der mit wilder Miene niederkniete, das Haupt abschlagen wollte, verschwand dieser. Der Teufel führte ihn durch die Luft über die Grenze, stellte ihm auf Fausts Befehl eine grosse Summe Gelds zu und überliess ihn freudig seinem Geschicke, denn er sah voraus, wozu er dieses und seine Freiheit anwenden würde. Das Volk erhub ein Freudengeschrei bei dem Verschwinden des Doktors, glaubte, Gott selbst beschütze seinen Liebling, Faust schrie mit und freute sich der schönen Tat.
3.
Faust und der Teufel ritten nun nach dem hof des Fürsten von ***. Nicht aus Furcht verschweige ich die Namen der deutschen Fürsten und Grossen, die in diesem Werk auftreten7, sondern weil die geheimen, von mir entdeckten Triebfedern ihrer Handlungen zu oft mit ihren lügnerischen, schmeichlerischen und unwissenden Geschichtschreibern im Widerspruch stehen und die Menschen, die sich so gerne betrügen lassen, an der Echteit meiner geheimen Entdeckungen zweifeln möchten. Welcher Herkules kann den Schutt ausräumen, den die Geschichtschreiber zusammengetragen haben?
Sie erreichten bald den Hof dieses Fürsten, der als ein Muster eines klugen, tugendhaften, gerechten Regenten, als ein Vater seiner Untertanen in ganz Teutschland ausgeschrien war. Seine Untertanen selbst wollten freilich nicht immer in diesen Ton mit einstimmen; aber der Fürst soll noch geboren werden, der es allen recht macht. Ein Gemeinspruch der Politik, der wie alle Gemeinsprüche öfterer dazu dient, den schlechten Fürsten schlechter zu machen, als dem guten sein schweres Amt im rechten Gesichtspunkt zu zeigen.
Faust und der Teufel fanden durch ihren Aufwand und ihr Betragen bald Eingang am hof. Faust sah den Fürsten mit den Augen eines Mannes an, dessen Herz durch das Vorurteil schon gestimmt war; dieses Vorurteil nun bis zur Überzeugung zu treiben, erforderte es vielleicht weniger als das edle Äussere des Fürsten. Er schien oder war grad und offen. Suchte zu gefallen und die Herzen zu gewinnen, ohne es merklich zu machen, war vertraulich, ohne sich etwas zu vergeben, und besass jene kluge Kälte, die Ehrfurcht einflösst, ohne dass man sich die Ursache davon deutlich anzugeben weiss und ohne dass man einen starken Trieb fühlt, ihr nachzuspüren. Dieses alles war mit so viel Würde, Feinheit und Anstand umhüllt, dass es dem geübtesten Auge schwerfiel, das Erlernte, Erkünstelte und Erworbene von dem Natürlichen zu unterscheiden. Faust, der noch wenige Weltleute gesehen hatte, die ihren natürlichen Charakter an der politischen Klugheit abgerieben haben, setzte sich aus Obigem ein Ideal zusammen, und nachdem er einige Zeit den Hof besucht und die Hauptpersonen desselben alle gefasst zu haben glaubte, so fiel eines Abends zwischen ihm und dem Teufel folgendes Gespräch vor:
FAUST: Ich habe dir diese Tage vorsätzlich nichts von diesem Fürsten sagen wollen; aber nun, da ich mir schmeichle, ihn gefasst zu haben, wage ich es, mit Zuversicht zu behaupten, dass das Gerücht kein Lügner ist, und ich hoffe dir das Geständnis abzuzwingen, er sei, was wir suchen.
TEUFEL: Faust, ich merke schon, wo du