ein Zeichen und Warnung. Vor einigen Tagen, liebe Schwester, ging ich mit dem Hündchen, das hier in meinem Schosse schläft und das ein gar sittsames Tier ist, spazieren. Ich war ganz allein, und die Nonnen erzählten sich unter den Linden Märchen. Auf einmal sprang der grosse Hund des Gärtners nach meiner Pietas, so heisst das Hündchen, und wollte das Werk des Teufels mit ihr treiben. Ich bebte an allen Gliedern, schlug ein Kreuz nach dem andern vor die Brust, es wollte alles nichts helfen. Endlich schlug ich mit meinem Stabe auf den grossen Hund, schlug aus Leibeskräften auf das hässliche Tier, das das Kloster entweihte, und schlug, schlug, bis der Stab, den mir der hochselige Erzbischof bei meiner Einweihung als Äbtissin verehrte, mitten entzwei brach. Sollte dies nicht ein Vorzeichen von Bedeutung sein?
Der Teufel und Faust taten erschrocken:
"Ach, das schlimmste von der Welt!"
TEUFEL: Nun ist alles klar und wahrhaftig. Hab ich's Euch nicht gesagt, Schwester Agate?
Faust beugte sich demütig.
ÄBTISSIN: So redet doch, ich bebe am ganzen leib.
TEUFEL: Fasst Euch, liebe Schwester, noch ist Rettung da, vielleicht, dass ich sie Euch bringe. Bedenkt wohl, dass es der Stab war, den Euch der Erzbischof bei Eurer Einweihung als Äbtissin verehrte, und hört mir dann aufmerksam zu. Ihr kennt doch meinen Bruder, den Domherrn? Nun, er vertraute mir eine ganz erschreckliche Sache, und eben darum bin ich zu Euch gekommen. Er nahm zwar eine Verpflichtung von mir, es Euch nicht zu sagen; aber weiss ich doch, dass es besser ist, eine kleine Sünde zu begehen, wenn man einer grösseren zuvorkommt und die Absichten des Teufels stört.
ÄBTISSIN: Da habt Ihr recht, und die Kirchenväter selbst lehren uns das, wie mein Beichtvater sagt.
TEUFEL: So wisst denn, der Erzbischof hat endlich das Kapitul so weit gebracht, dass sein Vorschlag durchgegangen ist, Euch nach Verlauf einiger Monate abzusetzen und seine Nichte Klara als Äbtissin einzuweihen.
"Jesus Maria!" rief die Äbtissin, rang die hände und fiel in Ohnmacht. Der Teufel machte ein saures Gesicht bei ihrer Ausrufung, und Faust rieb ihr lachend die runzlichten Schläfe. Nachdem sie sich erholt hatte, brach sie in eine Tränenflut und in die bittersten Verwünschungen über die Bosheit der Welt aus.
TEUFEL: Verzweifelt nicht, liebe Schwester, für ein Übel, das noch nicht geschehen ist, kann man immer Mittel finden.
ÄBTISSIN: Und was ratet Ihr mir Unglücklichen? Ach, der Himmel erbarme sich, was soll aus mir, was soll aus den Nonnen werden?
TEUFEL: Ich sagte Euch schon, dass es oft besser sei, eine kleine Sünde zu begehen, um einer grösseren vorzukommen, und Ihr selbst bewiest es aus den Kirchenvätern und setztet hinzu, dass man dadurch den Absichten des Teufels und derer er sich bedient entgegenarbeitet; aber liebe Schwester, dazu gehört Mut und Verstand, es so einzufädeln, dass ein dritter die Hauptsünde davontrage und man ohne Gefahr für sich und seine Seele seinen Zweck erhalte.
ÄBTISSIN: Ach, liebe Schwester, und wie ist das anzufangen?
TEUFEL: Ich bin einmal in unserm Kloster in gleichem Fall gewesen, die fromme Schwester Agate hier ist mein Zeuge, sie hat alles angesehen, dazu geholfen, und Ihr habt sie nicht zu fürchten.
Faust verbeugte sich demütig.
TEUFEL: Eine Nonne, die durch sündlichen Verstand und noch sündlichere Schönheit bei den Grossen Schutz gefunden hatte, sollte durch ihre hülfe über mich hinaussteigen. Ach, Ihr fühlt nun, wie das tut, wenn man auf einmal gehorchen soll, nachdem man so lange unumschränkt geherrscht hat! Ich ging in Gegenwart der Schwester Agate mit einem meiner Anverwandten zu Rat, er war in Gewissens- und Sündenfällen sehr bewandert und wusste auf ein Haar, was verdammlich und nicht verdammlich sei. Dieser kluge Mann nun gab mir einen Rat, der mir aus der Not half und wofür ich noch heute seine Asche segne. Anfangs schien er mir freilich sündlich, aber er versicherte mich und bewies mir's aus den Kasuisten, dass Fasten und ein wenig Disziplin ihm das Arge und Verdammliche benehmen würden.
ÄBTISSIN: Und der Rat? der Rat?
TEUFEL: Ich schäme mich, es Euch laut zu sagen.
ÄBTISSIN: So lispelt mir's in das Ohr. Was die Äbtissin der schwarzen Nonnen ohne Gefahr ihrer Seligkeit tun konnte, mag auch die Äbtissin der weissen tun.
TEUFEL ihr leise ins Ohr: Er riet mir, es zu veranstalten oder geschehen zu lassen, dass die mir gefährliche Nonne die Sünde des Fleisches beginge.
ÄBTISSIN sich kreuzigend: Heilige Ursula! dies ist ja Teufelswerk und führt grade zur Hölle.
TEUFEL: Den, der sie begeht, liebe Schwester, und das rate ich Euch ja nicht. Bedenkt doch, wenn Ihr um der heimlichen Sünden Eurer Nonnen verdammt würdet, wie sollte es Euch ergehen?
ÄBTISSIN: Aber um aller Heiligen willen, wie konntet Ihr eine so gefährliche Sache ausführen, ohne dass es entdeckt wurde?
TEUFEL: Oh, mein Fall war viel schwerer wie der Eurige, denn Euch begünstigt schon das Gerücht von dem Traume, der die ganze Stadt erfüllt hat. Wenn Ihr nun einen Mann unter der Gestalt des Dominikaners in Klaras Zelle schleichen lasst und die Zeichen der sündigen Tat darauf erscheinen, wird nicht die ganze