Absichten, die der Teufel roch, bei einem Eremiten an der Homburger Höhe übernachten, der weit und breit im Geruch besondrer Heiligkeit stunde. Sie erreichten um Mitternacht die Einsiedelei und klopften an. Der Eremit öffnete ihnen, und Faust, der die reichen Kleider des Teufels umgeworfen hatte, entschuldigte die Dreistigkeit, die Ruhe eines so heiligen Mannes unterbrochen zu haben, mit dem Vorwand, sie hätten sich auf der Jagd verspätet und ihr Gefolg ausser einem Diener verloren. Der Eremit sah zur Erde und sagte seufzend:
"Derjenige, der dem Himmel lebt, darf der gefährlichen Ruhe nicht pflegen. Ihr habt mich nicht gestört, und wollt Ihr ausruhen bis zum Aufgang der Sonne, so lasst es Euch gefallen, wie Ihr es findet. wasser, Brot und Stroh zum Lager ist alles, womit ich Euch dienen kann."
FAUST: Bruder Eremit, wir haben das Nötige bei uns, und ich bitte dich nur um einen Trunk wasser.
Der Eremit nahm seinen Krug und ging nach der Quelle.
FAUST: Ich denke, in seinem Herzen wohnt Ruhe wie auf seiner Stirne, und preise ihn glücklich, dass er das nicht kennt, was mich dir verbunden hat. Ihm ist Glauben und Hoffnung Ersatz für alles das, um deswillen ich der Verdammnis zueile; so scheint es wenigstens.
TEUFEL: Und scheint auch nur; wie, wenn ich dir bewiese, dass dein Herz rein wie Gold gegen das seinige ist?
FAUST: Teufel!
TEUFEL: Faust, du warst arm, verkannt, verachtet und sahst dich mit deinen grossen Fähigkeiten im Staub; du bist der Verachtung als ein kraftvoller Mann, auf Gefahr deines eigenen Selbsts, entsprungen und warst nicht fähig, deine Not mit dem Mord eines andern zu enden, wie dieser Heilige es tun würde, wenn ich ihn in Versuchung führte.
FAUST: Merke ich doch den listigen Teufel! Ich darf dir nur befehlen, deine Kunststücke auszuüben, und du wirst die Sinne dieses Gerechten so verwirren, dass er Taten unternimmt, die seinem Herzen fremd sind.
TEUFEL: Ist denn eure Tugend und Frömmigkeit ein so zerbrechliches Ding, dass keiner daran schlagen darf, ohne sie zu zertrümmern? Seid ihr nicht stolz auf euren freien Willen und schreibt durch ihn eure Taten eurem eignen Herzen zu? Ihr seid alle Heilige, wenn euch nichts in Versuchung führt. Nein, Faust, ich will nichts hinzusetzen und seinen Sinnen nur den Köder zeigen, um sein Herz zu prüfen. Braucht der Teufel in euch hineinzukriechen, da ihr durch eure Sinne gestimmt werdet?
FAUST: Und wenn dir's nicht gelingt, glaubst du, ich würde deine Pfuscherei ungestraft lassen?
TEUFEL: Nun, so sollst du mir zur Strafe einen ganzen Tag von der Tugend der Menschen vorprahlen. Lass sehen, ob ihn dieses reizt.
Eine mit leckern speisen und mit feurigen Weinen besetzte Tafel erschien in der Mitte der Einsiedelei. Der Eremit trat herein und stellte leise das wasser vor Faust, entfernte sich in einen Winkel, ohne der üppigen Tafel zu achten.
FAUST: Nun, Bruder Eremit, wir haben aufgetischt, lasst es Euch nicht zweimal sagen und greift zu. Unbeschadet Eures heiligen Rufs mögt Ihr mitschmausen, denn auf Eurer Stirne lese ich, dass es Eurem Herzen gelüstet. kommt, einen Becher zu Ehren Eures Schutzheiligen. Wie heisst er?
EREMIT: Der heilige Georg.
FAUST: Er soll leben!
TEUFEL: Ho, ho, Bruder Eremit, der heilige Georg von Kappadozien, das war mir ein ganzer Kerl, und wenn Ihr den zum Muster nehmt, so werdet Ihr gut dabei fahren. Ich kenne seine geschichte recht gut und will sie Euch zu Eurer Erbauung mit kurzen Worten erzählen. Er war der Sohn sehr armer Leute und in einer elenden Hütte Ciliciens geboren. Als er heranwuchs, fühlte er früh seine Gaben und öffnete sich durch Schmeichelei und Niederträchtigkeit und Kuppelei die Häuser der Grossen und Reichen. Diese verschafften dem dienstfertigen mann aus Dankbarkeit eine Lieferung für die Armee des griechischen Kaisers. Er stahl aber dabei auf eine so grobe Art, dass er bald flüchtig werden musste, um nicht gehenkt zu werden. Hierauf schlug er sich zu der sekte der Arianer und machte sich als ein offner Kopf bald zum Meister des dunklen, unverständlichen Wirrwarrs der Teologie und Metaphysik. Um diese Zeit vertrieb der arianische Kaiser Constantius den gut katolischen und heiligen Atanasius vom bischöflichen Sitze Alexandriens, und der Kappadozier ward von einem arianischen Synod auf den bischöflichen Stuhl gesetzt. Hier war Euer Georg nun in seinem Elemente, er schwelgte und liess sich gut sein; da er aber durch Ungerechtigkeit und Grausamkeit die Gemüter seiner Untergebenen bis zur Verzweiflung trieb, schlugen sie ihn endlich tot und führten seine Leiche auf einem Kamel im Triumph durch die Strassen Alexandriens. Seht, so ward er ein Märtyrer, Euer und Engellands Schutzheiliger.
EREMIT: Die Legende sagt nichts davon.
FAUST: Ich glaube es wohl, Bruder, denn um der Wahrheit willen müsste sie eigentlich der Teufel schreiben.
Der Eremit segnete sich.
FAUST: Ist Essen und Trinken eine Sünde?
EREMIT: Es kann dazu reizen.
TEUFEL: Dann müsst Ihr schwach sein und schlecht mit dem Himmel stehen. Kampf und Versuchung ist der Triumph des Heiligen.
EREMIT: Der Herr hat recht; aber nicht alle sind Heilige.
FAUST: Seid Ihr glücklich, Bruder?
EREMIT: Ruhe macht glücklich und ein gutes Gewissen selig.
TEUFEL: Auch Ruhe reizt zur Sünde, und