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des Wahns prostituiert hat, und dem ganzen hochweisen Magistrat einen recht tückischen Streich zu spielen, um mich an allen den Schafsköpfen auf einmal zu rächen, die mich so niederträchtig herumgezerrt haben!"

4.

Man sass beim Abendessen, die Becher gingen wacker herum, als auf einmal der Teufel befahl, die verdeckte Schüssel, die die Neugierde der Anwesenden so lange gefoltert hatte, zu öffnen. Dann nahm er den Adelsbrief von der Schüssel, überreichte ihn dem Bürgermeister mit den Worten: "Würdiger Herr, Seine Majestät der Kaiser, mein Herr, geruhet, Euch durch diesen Adelsbrief um Eurer Treue und Verdienste willen zum Ritter des Heiligen Römischen Reichs zu schlagen. Ich fordere Euch auf, aus Dankbarkeit und Pflicht nie in dem Eifer für das hohe Kaiserliche Haus zu erkalten, und bringe Euch, Herr Ritter, die erste Gesundheit zu!"

Diese Worte rollten wie der Donner in den Ohren der Gäste. Der Betrunkne ward nüchtern, der Nüchterne betrunken, den Weibern zitterten die von Zorn blauen Lippen beim Glückwunsch, der Schlag traf den Schöppen, er sass ohne Bewegung auf dem Stuhl, und sein Weib war nah, an ihrem trocknen Husten zu ersticken. Die Furcht zwang indessen die übrigen, vergnügte Gesichter zu zeigen, und man trank unter lautem Vivat des neuen Ritters Gesundheit. Während dem Geräusche füllte auf einmal ein dünner Nebel den Saal. Die Gläser fingen an auf dem Tische herumzutanzen. Die gebratnen Gänse, die Enten, Hühner, Spanferkel, Kälber-, Schafs- und Ochsenbraten schnatterten, krähten, grunzten, blökten, brüllten, flogen über dem Tische und liefen auf dem Tische. Der Wein trieb in blauen Feuerflammen aus den Flaschen. Der Adelsbrief brannte loh zwischen den Fingern des bebenden Bürgermeisters und ward zu Asche. Die ganze Gesellschaft sass da, verwandelt in possierliche Masken einer tollen Faschingsnacht. Der Bürgermeister trug einen Hirschkopf zwischen den Schultern, alle die übrigen, Weiber und Männer, waren mit Larven aus dem launigen Reiche der grotesken und bizarren Phantasie geziert, und jeder sprach, schnatterte, krähte, blökte, wieherte oder brummte in dem Tone der Maske, die ihm zuteil geworden. Dieses machte ein so tolles Konzert, dass Faust dem Teufel gestund, das Stückchen mache seiner Laune Ehre. Der Schöppe allein, unter der Maske eines Pantalons, sass leblos da, und seine Frau wollte unter der Gestalt einer Trutenne ersticken. Nachdem sich Faust lange genug an dem Spuk ergötzt hatte, gab er dem Teufel einen Wink, und sie fuhren zum Fenster hinaus, nachdem der letztere für diesmal den gewöhnlichen Gestank der Hölle hinterlassen hatte.

Nach und nach verschwand der Spuk, und als die weisen Herren morgens in der Ratsstube erschienen, war nichts mehr davon übrig als obiger Spruch, der in glühenden Buchstaben an der Wand brannte und den man notgedrungen mit einer eisernen tür bedeckte und nur jedem neuen Ratsmitglied unter dem Siegel der Verschwiegenheit als ein Staatsgeheimnis zeigte. Von allen diesem sagt nun die geschichte oder, welches in Teutschland einerlei ist, die Chronik nicht ein Wort, und nun glaube ihr einer.

Der Bürgermeister gewann wenigstens so viel bei dem Handel, dass der Schöppe gelähmt blieb und weiter nicht mehr im Rat erschien.

Zu merken: In dem Augenblick, da die Stadt Frankfurt der Reformation beitrat, vertilgte der Teufel diese glühende Inschrift, und es ist keine Spur mehr davon zu sehen. Die ursache davon liegt in der Rede des Satans. Man bemerkt diesen Umstand neugieriger Reisenden wegen und gibt ihnen den Wink, in Frankfurt nur nach der Goldnen Bulle zu fragen.

5.

Der Teufel Leviatan und Faust fuhren über die Stadtmauern weg, und als sie sich auf dem flachen feld befanden, sandte ersterer einen Geist nach dem wirtshaus, die Rechnung zu berichtigen und Fausts Gerätschaft zu bringen. Darauf wandte er sich zu Faust und fragte ihn, wie er mit seinem Probstück zufrieden sei.

FAUST: Hm, will der Teufel gelobt sein? so! so! Es freut mich übrigens, dass du ihnen etwas angehängt hast; aber nie hätte ich's hinter dem ernstaften Schuft gesucht, dass er sein Weib um des Wahns willen prostituieren würde.

TEUFEL: Nur weiter, Faust, bald wirst du dich überzeugen, dass dieses die Gotteit ist, die ihr anbetet und die ihr unter allerlei glänzenden Gestalten ausgeputzt habt, ihre Blösse zu verstecken. Man hört dir noch immer an, dass du dich mit den Büchern abgegeben und auf leerem Stroh gedroschen hast; freilich nicht der Weg zu dem Herzen der Menschen. Die Schuppen werden dir schon nach und nach von den Augen fallen. In deinem Vaterland ist übrigens nicht viel zu tun. Möncherei, Scholastik, Prügeleien der Edelleute, Menschenhandel der Fürsten mit ihren Untertanen, Bauernschinderei, das ist euer Getreibs. Ich muss dich auf eine Bühne führen, wo die Leidenschaften etwas freier würken und wo man zu grossen Zwekken grosse Kräfte anwendet.

FAUST: Und ich will dich zwingen, an den moralischen Wert des Menschen zu glauben, bevor wir mein Vaterland verlassen, wenn wir sagen können, dass wir eins haben. Nicht ferne lebt ein Fürst, den ganz Teutschland als ein Muster der Tugend und Gerechtigkeit preist, diesen wollen wir besuchen und belauschen.

"Topp", sagte der Teufel, "ein solcher Mann könnte auch mir um der Seltenheit gefallen."

Der Geist kam mit Fausts Gerätschaften an, sie schickten ihn nach Mainz voraus, um in einer Herberge Quartier zu bestellen. Faust wollte aus geheimen