sanftem Tone, wie schmeichelhaft ihm die gute Aufnahme des Bürgermeisters sei und wie sehr er wünschte, sich ihm dankbar zu erweisen, setzte hinzu, er führe eine Anzahl Adelsbriefe bei sich, mit kaiserlicher Unterschrift bekräftigt, verdienstvolle Männer zu belohnen, und er wollte ihm gern den ersten erteilen, wenn –
Freude, Entzücken, Erstaunen schossen durch des Bürgermeisters Geist, er stunde vor dem Teufel mit weit aufgesperrtem mund, stammelte endlich: "Wenn? Was? Wie? Oh –" Und der Teufel raunte ihm ganz leise ins Ohr:
Sein Freund Faust sei ganz unsinnig in die schöne Bürgermeisterin verliebt, um seinetwillen würde er alles tun, und wenn die Bürgermeisterin sich auf einige Augenblicke mit Fausten entfernen wollte, das bei dem Geräusche eines Schmauses so leicht wäre, so sollte er ihr den Adelsbrief zustellen.
Hiermit verliess ihn der Teufel, ging zu Fausten, unterrichtete ihn und stellte ihm den Adelsbrief zu, seiner Sache gewiss. Faust zweifelte, und der Teufel lachte seiner Zweifel.
Der Bürgermeister stunde in seinem Kabinett wie versteinert. Der plötzliche Glanz eines unerwarteten Glücks hatte sich durch die hässliche Bedingung so verfinstert, dass der Reiz desselben schon verschwinden wollte, als auf einmal der Stolz in seine Seele blies:
"Ho! ho!" sagte dieser, "auf eine so auszeichnende Art zum Edelmann geprägt zu werden! dadurch deinen stolzen Feinden gleich zu werden und deine stimme im Rat zu erheben wie eine Posaune! unter sie zu treten wie ein Mann, den seine Kaiserliche Majestät, seiner Verdienste wegen, über alle und vor allen erheben will!"
Ein andres Gefühl lispelte leise:
"Hu! hu! mit Willen und Wissen ein Hahnrei zu werden –" "Aber wer weiss es?" antwortete der Verstand. "Und was ist nun an dem ganzen Ding, ich erhalte ein wirkliches Gut und leihe dafür eins, das längst keinen Reiz mehr für mich hat. Das Übel sitzt nur in der Meinung, und es wird ein Geheimnis zwischen mir und meiner Frau bleiben. Und wenn es gar seine Kaiserliche Majestät erführe, dass ich diese hohe Ehre ausgeschlagen – Im Grund, kann ich wohlfeiler zum Edelmann kommen? Wird es nicht ein Nagel am Sarge des Schöppen werden? Und was werden die Bürger nicht sagen, wenn sie sehen, dass seine Kaiserliche Majestät mich so zu schätzen weiss? Werde ich mich nicht der ganzen Regierung bemächtigen und es allen denen vergelten, die mich beleidigt haben? Ho! ho! Bürgermeister, sei kein Narr! die gelegenheit hat nur an der Stirne Haare, hinten ist sie kahl. Greife zu! Der Mann ist nur das, was er in den Augen der Welt scheint. Wer sieht es dem Edelmann an, wie er's geworden ist – aber meine Frau, die wird sich dagegen setzen, ich kenne schon die sächsische Ziererei" –
In diesem Augenblick trat sie herein, um zu erfahren, was der vornehme Herr ihm allein vertraut hätte. Er sah sie schalkhaft, doch etwas verlegen an:
"Wie, Mäuschen, wenn ich dich heute noch zur Edelfrau machte?"
SIE: Schätzchen, so würden alle Weiber der bürgerlichen Ratsherren aus Neid vergehen, und die Frau des Schöppen würde an ihrem trocknen Husten zur Stunde für Ärgernis sterben.
ER: Das würde sie gewiss, und ich könnte ihren stolzen Mann unter mich bringen; aber, Mäuschen, du sollst dich selbst dazu machen, und mich obendrein.
SIE: Seit wenn machen die Weiber ihre Männer zu Edelleuten, mein Schatz?
ER: Wer weiss, mein Kind, wie viele es so geworden sind – erschrecke nur nicht – Da ist der verwünschte Faust, dem hast du es angetan.
Die Bürgermeisterin errötete, er fuhr fort:
"Nur um seinetwillen will mich der Gesandte zum Edelmann machen, und er soll dir den Adelsbrief unter vier Augen übergeben. Du verstehst mich schon. Hm, was denkst du davon?"
SIE: Stille, stille, mein Schatz, ich denke, dass uns, wenn der Kaiserliche Gesandte einem andern aus dem Rat die Bedingung vertraute, die gelegenheit entwischen wird.
ER: Verzweifelt, Mäuschen, lass uns eilen, dass uns keiner zuvorkomme.
Die Gesellschaft hatte sich indessen in dem Garten zerstreut, der Bürgermeister schlich hinter dem Faust her und sagte ihm leise ins Ohr, es würde seiner Frau eine Ehre sein, den Adelsbrief aus seinen Händen zu empfangen, nur möchte er sich ohne aufsehen auf der Hintertreppe, die er ihm zeigen wollte, zu ihr begeben, er denke übrigens, es sei nur eine Grille von ihm, und er fürchte nichts von einem mann, der so viel Ehrgefühl und Gewissen zeigte. Er führte ihn hierauf zur Hintertreppe, Faust schlich hinauf, trat in das Schlafzimmer und fand die Bürgermeisterin in der wollüstigsten Verwirrung. Er raste an ihrem schwellenden Busen seine Glut aus und schlug den Bürgermeister zum Ritter des Heiligen Römischen Reichs. Sie von ihrer Seite glaubte sich nicht dankbar genug bezeigen zu können und fragte am Ende, ob in Zukunft mehr dergleichen Formalitäten nötig wären. Hierauf überbrachte sie ihrem Gemahl heimlich den Adelsbrief, und sie verabredeten, ihn bei dem Abendessen in einer verguldeten und verdeckten Schüssel auftragen zu lassen, um den Gästen durch die unerwartete Entdeckung einen desto peinlichern Schlag beizubringen. Der Teufel, dem der Bürgermeister seinen Plan mitteilte, fand ihn vortrefflich; Faust aber raunte ihm ins Ohr: "Ich befehle dir, dem Schufte, der sein Weib um