stampfte auf den Boden und schrie:
"Lügnerisches Gepack, hab ich euch nicht lange genug gefuchsschwänzt, vom stolzen Patrizier bis zu dem Schuhmacher und Pfefferkrämer, denen ihr den Ratsherrnkragen um die Hälse hängt wie dem Esel die Halfter, und ihr habt mich an eurer Schwelle stehen lassen und kaum eines Blicks gewürdigt. Nun ihr hört, dass der gnädige Herr hier mich für den Mann hält, den ihr nicht in mir sehen konntet, so kommt ihr, mir den Fuchsschwanz zu streichen. Seht, hier ist Gold, wofür ihr gern das Heilige Römische Reich verkaufen würdet, wenn ihr nur einen Narren finden könntet, der den ungeheuren Rumpf ohne Kopf, Sinn und Verbindung kaufen möchte."
Den Teufel freute Fausts Zorn und die Scham der jungen Senatoren höchlich; sie aber, die die geschichte der Römer nie gelesen hatten, waren nicht so hohen und feurigen Sinns, um gleich eine Kriegserklärung aus ihrem zusammengefaltnen Ratsherrnmantel gegen Fausten hinzuschütten, sie brachten im Gegenteil die Einladung zu dem Schmause bei dem Bürgermeister mit einem so muntern Tone vor, als wenn gar nichts geschehen wäre. Ein neuer Beweis von ihrer Geschicklichkeit im Unterhandeln; hätten sie zum Beispiel den Schimpf beantwortet, so würden sie dadurch eingestanden haben, sie verdienten ihn, da sie ihn aber ganz platt auf die Erde fallen liessen, mir nichts, dir nichts, so ward er kraftlos und erhielt die Farbe eines unbilligen Vorwurfs. Nur Genies sind fähig, so etwas im geltenden Augenblick aufzufassen, zu unterscheiden und auszuführen.
Bei dem Worte Bürgermeister spitzte Faust die Ohren, und der Teufel gab ihm einen bedeutenden Seitenblick. Faust nahm hierauf die Bibel aus seinem Kasten, übergab sie den Senatoren und sagte gefällig:
Da er nun sähe, dass sie zu leben wüssten, ob man sie gleich dazu zwingen müsste, so mache er der Stadt mit seiner Bibel ein Geschenk, sie möchten sie fleissig lesen und den Spruch, den er hier unterstreiche und deutsch auf den Rand schreibe, dem versammelten Rat zeigen und ihn zu seinem Andenken mit goldnen Buchstaben an die Wand der Ratsstube schreiben.
Die Senatoren gingen so vergnügt nach dem Römer zurück als Gesandten, die nach einem schlechten Krieg einen guten Frieden nach haus bringen. Sie wurden mit grosser Freude empfangen, man schlug die bemerkte Stelle auf und las:
Und siehe, es sassen die Narren im Rat, und die Toren ratschlagten im Gerichte.
Man verschluckte die bittre Pille, weil der vermeinte Schatten der Kaiserlichen Majestät in der Gestalt des Teufels ihnen allen die Mäuler band, tröstete sich mit den ersparten vierhundert Goldgulden und wünschte sich wechselsweis viel Glück, so gut aus einem so schlimmen Handel gekommen zu sein. Den Abgesandten wurde öffentlich gedankt, und schade ist's, dass ihre Namen nicht auf die Nachwelt gekommen sind. Da sie endlich von dem reichen Geldkasten Fausts sprachen, so fuhr der Glanz des Goldes wie ein Wetterstrahl durch alle Seelen, und jeder entwarf im stillen einen Plan, wie es anzufangen, sich den Mann zum Freund zu machen. Der Schöppe schrie, man müsste ihn zum Bürger machen, ihm Sitz und stimme im Rat geben, die Politik erfordere, dass man Herkommen und Gesetz übertrete, wenn es der Vorteil des Vaterlandes wäre etc.
Faust machte indessen einen Spaziergang mit dem Teufel; aber sie fanden die Leute des Orts so flach und albern, nach einem so engen Leisten zugeschnitten, sahen so unbedeutende, nichts versprechende Gesichter, als sie nur immer die Nürnberger, als Damen und Herren aufgeputzt, für den Christmarkt schnitzeln können. Den einzigen Trieb, den sie ihnen ablauerten, war Neugierde, Geld- und Gewinnsucht, ein beschränkter Kaufmannsgeist, der es nicht wagt, sich ins Grosse auszudehnen. Der Teufel sagte gähnend zu Faust:
"ängstlich, Faust, fühlt der Reichsstädter, und ängstlich fährt er zur Hölle, hier ist keine Ernte für den Mann von Geist, lass uns abfahren, wenn du die Bürgermeisterin dahin gebracht hast, wo du sie haben willst."6
3.
Die Glocke schlug zur Mahlzeit. Der Teufel und Faust setzten sich auf prächtig geputzte Pferde und ritten, von einem grossen Gefolge begleitet, an das sich ein langer Zug gaffenden Pöbels hing, zu dem regierenden Bürgermeister. Sie traten in den Versammlungssaal. Der ganze Magistrat erwartete sie und beugte sich vor ihnen bis auf die Erde. Der regierende Bürgermeister bewillkommte sie mit einer Rede, stellte ihnen die Ratsglieder und die Weiber der Vornehmsten vor, die ihre geistlosen Gestalten so prächtig herausgeputzt hatten, dass ihre Steifheit und Ungewandteit nur um so auffallender wurde. Sie starrten alle wie eine Herde Gänse und konnten sich an Leviatans Putze nicht satt sehen. Die Bürgermeisterin, eine Leipzigerin, ragte allein unter ihnen hervor wie eine Oreade. Ihr war der blick Fausts so wenig entgangen als seine vermögende Gestalt und sein geistvolles Gesicht. Sie errötete, da er sie bewillkommte, und fand keine andre Antwort auf seine Anrede als einen blick voller Verwirrung, den Fausts Herz wie die süsste Harmonie verschlang. Die Senatoren spannten ihren Witz an, den Gästen zu hofieren, und man setzte sich zur wohlbedienten Tafel. Nach Tische nahm der Teufel den Bürgermeister in ein besondres Kabinett, ein Umstand, der diesem ausserordentlich schmeichelte und allen übrigen, besonders dem Schöppen, ein Dolchstich war.
Der Bürgermeister, vom Weine erhitzt, von der Ehre, die ihm der vermeinte Kaiserliche Gesandte erwies, berauscht, erwartete in gebeugter Stellung und mit hervorragenden starren Augen seinen Antrag. Der Teufel bezeugte ihm in