1791_Klinger_059_15.txt

wolltest die Sprache der Geister vernehmen, hast sie vernommen und sankst betäubt hin unter ihrem Schall.

FAUST: Reize nur meinen Zorn, und ich will dich mit meiner Zauberrute bis zu Tränen geisseln, dich an den Rand meines Kreises fesseln und meinen Fuss auf deinen Nacken setzen; ich weiss, dass ich es kann.

TEUFEL: Tu es, und die Hölle wird deines Zorns lachen. Für jede Träne soll einst die Verzweiflung die Tropfen deines Bluts aus deiner verwegnen Stirne drücken, und die Rache soll die Waage halten, sie abzuwägen.

FAUST: Pfui des Wahnsinns, dass ein edles geschöpf sich mit einem von Ewigkeit Verworfnen abgibt, der nur Sinn zum Bösen hat, nur im Bösen beistehen kann!

TEUFEL: Pfui des Ekels, einen Menschen anhören zu müssen, der dem Teufel vorwirft, dass er Teufel ist und nicht mit der Schattengestalt Tugend prahlt wie einer von euch!

FAUST: Prahlt? Taste nur noch den moralischen Wert des Menschen an, wodurch er sich den Unsterblichen nähert und der Unsterblichkeit würdig macht.

TEUFEL: Ich will dir zeigen, was daran ist.

FAUST: Ich denke wohl, dass du es kannst. Kann es doch jeder von uns, der seine Schlechtigkeit zum allgemeinen Massstab der Menschen macht und Tugenden verdächtig macht, die er nie in seiner Brust gefühlt hat. Wir haben Philosophen gehabt, die hierinnen längst dem Teufel vorgegriffen haben.

TEUFEL: Besser wäre es für dich gewesen, du hättest nie einen gelesen, dein Kopf würde gerader und dein Herz gesünder sein.

FAUST: Verdammt, dass der Teufel immer recht hat!

TEUFEL: Ich will dir anschaulich machen, wovon deine Philosophen schwatzen, und die Wolken vor deinen Augen wegblasen, die Stolz, Eitelkeit und Selbstliebe zusammengetrieben und so schön gefärbt haben.

FAUST: Wie das?

TEUFEL: Ich will dich auf die Bühne der Welt führen und dir die Menschen nackend zeigen. Lass uns reisen, zu wasser, zu Land, zu Fuss, zu Pferde, auf dem schnellen Winde, und das Menschengeschlecht mustern. Vielleicht, dass wir die Prinzessin entzaubern, um welche schon so viele tausend Abenteurer die Hälse gebrochen haben.

FAUST: Topp! Ziehen wir durch die Welt; ich muss mich durch Genuss und Veränderung betäuben, und lange hab ich mir einen weitern Kreis zum Bemerken gewünscht als mein eigenes tolles Herz. Lass uns herumziehen, und ich will dich Teufel zwingen, an die Tugend der Menschen zu glauben. Nur der Glaube an den moralischen Wert des Menschen war es, der mir die peinliche Finsternis zuzeiten erleuchtete. Nur er war es, der meine quälende Zweifel auf Augenblicke besänftigte. Ja, lächle nur, du sollst mir wahrlich gestehen, dass der Mensch der Augapfel dessen ist, den ich nun nicht mehr nennen darf.

TEUFEL: Dann will ich als Lügner zur Hölle fahren und dir den Bundbrief zurückgeben, den du heute mit deinem Blute unterzeichnen wirst. Wenigstens wirst du auf der grossen Schaubühne der Welt deutlicher einsehen, wie viel Anteil der an euch und euren Qualen nimmt, dessen Augapfel du so stolz den Menschen nennst. Bei dem schnellen Pfeil des Todes! eine edle Behandlung für den Günstling eines so mächtigen Herrn. Wenn eure Fürsten den Beweis ihrer Einsetzung von ihm dahineinsetzen, dass sie es euch zur Gnade anrechnen, euch in dem von ihnen zugerichteten Elend leben zu lassen, so haben sie so ganz unrecht eben nicht. Komm und mache mich zum Lügner!

FAUST: Dass ich dem Teufel doch traute, der mir sein höllisches Gepfusch für Machwerk der Menschen verkaufen möchte. Wie, lächelt der Spötter?

TEUFEL: Den Mönchsgedanken hätte ich hinter dem mann nicht gesucht, der so lange mit der Philosophie gebuhlt hat; doch darinne gleicht ihr euch alle, die Weisen und die Toren: was der Sinn nicht fassen kann, lösen Stolz und Eigenliebe zu ihrem Vorteil auf. Sieh da, zwei Worte, bös und gut, die ihr zu Begriffen stempeln möchtet, denn wenn ihr die Worte einmal habt, so glaubt ihr auch schon den leeren Schall zum Gedanken geprägt zu haben. Da ihr nun damit nicht fertig zu werden wisst, so haut ihr, um der Plackerei loszuwerden, nach eurer Weise hindurch, und natürlich ist das Gute euer eigenes Machwerk und das Böse das Gepfusch des Teufels. So müssen wir arme Teufel nun Tag und Nacht herumreiten, um das Herz und die Einbildungskraft dieses oder jenes Schuftes zu einem sogenannten Schurkenstreich zu reizen, der ohne dies wohl ein ganzer Kerl geblieben wäre. Faust! Faust! tausend Dinge sucht der Mensch in den Wolken und ausser sich, die in seinem Busen und vor seiner Nase liegen. Nein, ich will auf unsern Zügen nichts hinzutun, es sei denn, dass du es von mir forderst. Alles, was du sehen wirst, sei Menschenwerk. Du wirst bald einsehen, dass die des Teufels nicht brauchen, die so schnell eilen, ihre elende Schatten zu ihm zu fördern.

FAUST: Und dies wäre nun alles, was du mir leisten könntest?

TEUFEL: Ich will dich von Stufe zu Stufe führen; haben wir diese Bahn durchlaufen, so wird sich schon eine andre Szene öffnen. Lerne erst kennen, was so nah mit dir verwandt ist, dann steige aufwärts. – Die Schätze der Erde sind deindu gebietest meiner Machtdu träumstdu wünschest

FAUST: Das ist etwas.

TEUFEL: Nur etwas, Unersättlicher? du sollst mich, den