. So mag der Wurm den vorübergehenden Elefanten dann auch ausmessen und im Augenblicke seine Schwere berechnen, wenn er unter seinem gewaltigen Fuss hinstirbt.
FAUST: Spötter! und was ist der Geist in mir, der, wenn er einmal den Fuss auf die Leiter gesetzt hat, von Sprosse zu Sprosse bis ins Unendliche steigt? Wo ist seine Grenze?
TEUFEL: Vor deiner Nase, wenn du aufrichtiger sein willst, als ihr's gewohnt seid; doch wenn du mich um dieses Schnickschnacks aus der Hölle gerufen hast, so lass mich immer wieder abziehen. Ich kenne schon lange eure Kunst, über das zu schwatzen, was ihr nicht versteht.
FAUST: Deine Bitterkeit gefällt mir, sie stimmt zu meiner Lage, und ich muss dich näher kennenlernen. Wie heissest du?
TEUFEL: Leviatan, das ist alles, denn ich vermag alles.
FAUST: O des Grosssprechers! Prahlen die Teufel auch?
TEUFEL: Der Gestalt Ehre zu machen, in welcher du mich siehst. Setze mich auf die probe. Was verlangst du?
FAUST: Verlangen? o des langgedehnten Worts für einen Teufel. Wenn du bist, was du scheinen willst, so führe meine Begierden in ihrem Keimen aus und befriedige sie, bevor sie Willen geworden sind.
TEUFEL: Ich will deinem Sinne näherrücken. Das edle Ross beisst in die Stange, so der Mensch, der sich Flügel fühlt, im Licht zu schweben, und den eine tyrannische Hand in dunklen Abgrund drückt. Faust, viel ahndet dein feuriger Geist, aber das, was du umfassen möchtest, verschwindet, und das Erhaschte ist immer nur Schattenbild deiner eignen Gestalt.
FAUST: Rascher!
TEUFEL: Noch schlage ich leise an deiner Seele an, wenn ich einst deine Sinne berühre, wirst du noch heisser auflodern. Ja, du bist einer der Geister, die die alltäglichen Verhältnisse des Menschen verbrennen, denen das nicht gnügt, was der Karge ihnen aufgetischt hat. mächtig ist deine Kraft, ausgedehnt deine Seele, kühn dein Wille; aber der Fluch der Beschränkteit liegt auf dir, wie auf allen – Faust, du bist so gross als der Mensch sein kann.
FAUST: Maske des Menschen, fahr in die Hölle zurück, wenn du uns auch im Schmeicheln nachäffest!
TEUFEL: Faust, ich bin ein Geist, aus flammendem Lichte geschaffen, sah die ungeheuren Welten aus Nichts hervortreten, du bist aus Kot geschaffen und von gestern her – werde ich dir schmeicheln?
FAUST: Und doch musst du mir dienen, wenn mir's gefällt.
TEUFEL: dafür erwarte ich Lohn und den Beifall der Hölle; der Mensch und der Teufel tun beide nichts umsonst.
FAUST: Welchen Lohn erwartest du?
TEUFEL: Ein Ding aus dir gemacht zu haben, das mir gleicht, wenn du die Kraft dazu hast.
FAUST: Da wär ich was Rechts! doch du kennst den Menschen schlecht für einen so gewandten Teufel, wenn du an der Kraft desjenigen zweifelst, der es einmal gewagt hat, aus den Banden zu springen, die die natur so fest um unser Herz gelegt hat. Wie sanft schienen sie mir einst, da meine Jugend die Welt und Menschen in den schimmernden Glanz der Morgenröte kleidete. Es ist vorbei, schwarz ist nun mein Horizont, ich stehe im halben Lauf des Lebens an dem rand der dunklen Ewigkeit und habe die Regeln zerrissen, die das Menschengeschlecht in Harmonie zusammenhält.
TEUFEL: Was schwärmst du, Faust? Harmonie, ist sie es, die den verworrnen Tanz des Lebens leitet?
FAUST: Schweig! ich fühle es vielleicht zum letztenmal, blicke vielleicht zum letztenmal in die bunten, wonnevollen Gefilde der Jugend zurück. Dass der Mensch aus diesem seligen Traum erwachen muss! dass die Pflanze aufschiessen muss, um als Baum zu verdorren oder gefällt zu werden! Lächle, Teufel, ich war einst glücklich. Verschwinde, was nicht mehr zu erhaschen ist. Ja, nur dann haben wir Kraft, wenn wir dem Bösen nachjagen! Und worin bin ich gross? Wär ich's, würde ich deiner bedürfen? Geh, tückischer Schmeichler, du willst mir nur zu fühlen geben, wie klein ich bin.
TEUFEL: Derjenige, der zu fühlen fähig ist, worin er schwarz ist, und den Mut hat, das zu zertrümmern, wodurch er's ist, ist wenigstens darinnen gross. Mehr wollt ich nicht sagen, und weh dir, wenn ich dich durch Worte aufreizen soll.
FAUST: Sieh mich an und sage mir, was dich mein Geist fragt, das, was ich nicht zu sagen wage!
Bei diesen Worten deutete Faust auf sich, dann gegen den Himmel und machte eine Bewegung mit seiner Zauberrute gegen Auf- und Niedergang der Sonne. Er fuhr fort:
"Du hörst den Sturm wüten – warst, da noch nichts war –"
Hier deutete er auf seine Brust und Stirne:
"Hier ist Nacht, lass mich Licht sehen!"
TEUFEL: Verwegner, ich verstehe deinen Willen und schaudere vor deiner Kühnheit, ich, ein Teufel.
FAUST: Elender Geist, du windest dich mit dieser Ausflucht nicht los. In meinem glühenden Durst würde ich unternehmen, das ungeheure Meer auszutrinken, wenn ich in seinem Abgrund das zu finden hoffte, was ich suchte. Ich bin dein – oder dessen – noch steh ich da, wohin kein Teufel dringen kann, noch ist Faust sein Herr!
TEUFEL: Das warst du vor einem Augenblick