und das schadenfrohe lachen auf ihren verzogenen Lippen erscheinen musste. –
In welchen Mauren das Ganze dieser Predigt ertönte, da prüfte es die Geister – es konnte, wenn es einmal von den Lippen verhallt war, durch nichts anders ersetzt werden, als durch sich selbst; weil nichts darin war, das sich von seiner Stelle verdrängen liess.
Wenn Hartknopfs Predigten einst, dem Buchstaben nach, im Druck erscheinen, so wird sich zeigen, dass seine Antrittspredigt in Ribbeckenau alle übrigen in sich fasst, wie die gefüllte Knospe ihre Blätter. – Dass alles ein Ganzes ist, welches gleich dem belebenden Atemzuge, in jeder Zeile, mit jedem Gedanken, nur sich selbst wiederholet. –
Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Ist es denn hart, die Worte wieder zu sagen, die von den Lippen des sanftesten Lehrers tönten? –
Dem die Geschlechter der Menschen nun tief in das zweite Jahrtausend horchen, und horchen, ohne den leisesten laut, des göttlichen Sinnes zu vernehmen? –
Das Licht wandelte in der Finsterniss, und die Finsterniss erkannte es nicht.
Ist es die Fassungskraft nicht selbst, die sich erweitern muss, um das Edle aufzufassen? –
Soll der Oehlbaum seine Fettigkeit, der Weinstock seinen edlen Saft lassen, um über den Bäumen zu schweben? –
Da wo die stimme vernommen wird, wohnet der Geist, die andern Behausungen stehen öde, und sind wandelnde massen. – Augen, ohne Sehkraft; Ohren, die nicht hören; arme, die nicht vermögen; hände, die nicht würken.
Wie der Wind die Wellen kräuselt, so sind sie ein Spiel des Zufalls. –
Wo die stimme vernommen wird, da tönet sie mächtig wieder; es zeichnet sich im blick und, Handlung ihre Spur. –
Das leichte senkt, das Lockre dichtet und ründet sich zu einem festen Kern, aus welchem des Lebens edler Baum erwächst. –
Der Sturmwind rauscht, der Donner rollt, das Meer brauset, die Menschenlippe spricht. –
In Wüsten steigen Städte mit Tempeln, und Pallästen Himmelan. –
Das Schiff mit Mast und Segeln tanzt auf den empörten Wellen. –
In tiefen Schachten liegt des Goldes Spur entüllt. –
Von dem gespannten Bogen fliegt, der befiederte Pfeil, und eilet dem Gedanken nach, der vor ihm schon das Ziel erreicht. –
In seinem Blute sich wälzend ächzt das wild. –
Die angespannte in sich gedrängte Kraft wirkt durch den Luftraum in die Ferne. –
Sie wohnet in der atmenden Brust des Menschen, und reicht bis an des himmels Wölbung, und des Oceans ungemessne Ufer. –
Das Liebesmahl
Bestand aus Milch und Brodt, welches Hartknopf mit dem Pächter Heil und seiner Schwester genoss, ehe er seinen Stab weiter setzte, denn er wollte den Tag noch drei Meilen gehen. –
In Heils Wohnstube war der Fussboden mit einer weichen Decke belegt, und die Wände mit senkrechten blauen Streifen geziert.
In der Mitte stand ein rundes Tischgen, woran diese drei nun sassen. –
Sophien gegenüber hieng ein Spiegel, vor dem sie, wie beim Anfange von Hartknopfs Predigt, nur ein wenig die Augen niederschlug, und sie dann wieder aufschlug. –
Denn der Spiegel verdoppelte die schöne Seene, und stellte sie wie in dem Hintergrunde eines Gemähldes dar, das drei vorzüglich karakteristische Köpfe in sich fasste, die durch ihre Stufenfolge einen Akkord bildeten, dem nur ein fast unmerkliches Etwas zur völligen Harmonie und Reinheit fehlte.
Die Liebe welche bei dem Mahle herrschte, verdeckte diess Etwas, und knüpfte unvermerkt ein schönes täuschendes Band, zwischen diesen sich so nahe verwandtscheinenden Seelen, die in vertraulichen Gesprächen über die eigentlichen Lebenspunkte, und über das, was der Mensch in jedem Augenblick des Lebens zu seiner Glückseligkeit tun und nicht tun kann, sich immer näher aneinanderschlossen. –
Während diesen Gesprächen vernahm Hartknopf zum öftern en sanftes Echo aus seiner gehaltenen Predigt wieder. – Ganz leise hatten die saiten angeklungen, die seine Worte berühren wollten, nur einige waren verstummt geblieben. –
Bei diesem Liebesmahle verschwand allmälig das Torfmoor und die unglückbringende Taubengestalt über Hartknopfs haupt. –
Die ersten Worte des Pächters, womit er ihn in sein Haus geführt hatte, tönten immer noch angenehm in seinen Ohren.
In diesem haus wohnet Heil, sagte der Pächter, indem er ihn hineinführte, und Seegen, antwortete Hartknopf, indem er ihn umarmte. –
Der Pächter Heil sagte diess dem Ansehen nach kindische Wortspiel, mit einem so freundschaftlichen Händedruck und bedeutenden blick auf Hartknopf, und zugleich mit einem so edlen Selbstgefühl, dass Hartknopf auf einmal harmonisch in dieses Wortspiel mit einstimmte. –
Und Seegen! setzte er hinzu, und gewiss war seine ganze Seele bewegt, indem er diess sagte, er fühlte die Macht dieser Worte, sobald sie aus der Fülle des Herzens strömen; und aus dieser Fülle des Herzens die Kraft erhalten, womit der sterbende Patriarch das Hörn des Ueberflusses über seine Sühne ausschüttete, welche auf kommende Geschlechter seinen Seegen fortpflanzen. –
Nicht so harmonisch griff der Seegen ein, welchen er auf der Kanzel und vor dem Altar, der seegengewohnten Gemeinde gab. –
Er machte nämlich statt des Kreuzes mit dem Mittel- und Zeigefinger nur einen geraden Querstrich zweimal durch die Luft, woran die ganze Gemeinde, so oft er es tat, und der Küster Ehrenpreiss zwiefach sich ärgerte. –
Dergleichen Kleinigkeiten wurden in Hartknopfs Gemeinde zu sehr wichtigen Dingen, und verwickelten ihn in der Folge in tausend Verdriesslichkeiten, deren er sich nicht im mindesten versahe. –
Für jetzt