Ohr hinüberträgt? –
So viel Sprachen, so viel Zungen,
Die harmonisch sich begegnen,
Und nach einem Ziele streben.
Wo sie alle sich vereinen,
Gedanken mit Gedanken
In süssen Lauten wechselnd –
Ach, auf dem seeumspülten Felsen!
möchte' ich gern die Hand dir reichen
Der du hülflos, einzeln stehst –
Aber die Parze hat ihn zerschnitten.
Den Faden, der mich an dich knüpfte –
Zerrissen ist der Menschen Leben
Von ihres Daseins Anbeginn –
Sie müssen sich vergeblich sehnen,
So lange der Tag am Himmel wellt
Und wenn die Sonne untergeht,
So haben sie noch nicht gefunden,
Was sie bei Tagesanbruch suchten.
Dies ahndet schon dee Kinderseele
Die dunkel in die Zukunft schaut,
Wenn bei des Lichtes erstem Gruss
Das neugebohrne Auge weint.
Hartknopf steckt den Küster Ehrenpreiss in einen
Graben.
Denn dieser machte es ihm auf dem Wege, wenn sie über das Torfmoor nach dem Filial gingen, gar zu arg. –
Er fing an von den Wolken zu sprechen, um auf die Glaubenslehren zu kommen, worüber er mit Hartknopfen disputiren wollte. –
Bleib' er bei seiner Nadel! sagte Hartknopf, denn Ehrenpreiss war seines Handwerks ein Schneider, und rede er nicht dumme und törichte Worte! –
Nun mochte aber Hartknopf seine Ohren verstopfen, so hörte doch sein Begleiter nicht auf, den ganzen langen Weg ihm noch länger, und jeden sauren Schritt ihm noch saurer zu machen.
Eines Sonntags waren sie nun auch ungefähr die Hälfte des Weges gegangen, als Ehrenpreiss, da ihm Hartknopf noch kein einziges Wörtchen geantwortet hatte, anfieng witzig zu werden, und allerlei Anspielungen auf die Taube, auf den Engel, auf das Hallelujah, u.s.w. machte –
Dies hörte Hartknopf eine Weile an, bis sie mitten im Torfmoore vor einem schlammigten Graben vorbeikamen. – Da fasste er, ohne ein Wort zu sagen, den Küster Ehrenpreiss, ehe dieser sechs versahe, beim Halskragen, und steckte ihn, so wie er war, bis an den Hals in den Graben – woraus er ihn nicht eher wieder erlösste, bis er ein unverbrüchliches Stillschweigen auf dem Wegt angelobt hatte. –
Und nun sieng Hartknopf an zu reden und sprach die ganze übrige Hälfte des Weges dem Küster Ehrenpreiss mit mächtiger stimme in die Seele, dieser aber ging triefend neben ihm her, und erkühnte sich nicht einen laut von sich zu geben, so lange sie noch neben dem Graben gingen. Als sie aber im dorf ankamen, machte er ein gross Geschrei, und drohte Hartknopfen zu verklagen, der selbst den Gesang in der Kirche anstimmen musste, weil Ehrenpreiss ganz mit Schlamm bedeckt, vor keinem Menschen erscheinen konnte.
Auszug aus einem Briefe, den Hartknopf an
mich schrieb.
Dieser Brief schilderte mir Hartknopfs Zustand, wie er in Stunden des frohen Muts zu sein sich vornahm, nicht wie er wirklich war, – er verschwieg mir den inneren Kampf seiner Seele um sein Beispiel lehrreicher für mich zu machen.
Jahre nachher deckte er mir den Schleier auf, und liess mich in die schreckliche Dunkelheit seines damaligen Zustandes blicken, den er mir in seinem Briefe mit diesen sanften Worten überkleidete:
"Ich schiffe nun, mein Lieber, den Lebensstrom hinunter – alles atmet Ruhe und Stille um mich her." –
"Ohne Geräusch und Sorgen eilen die Stunden hin. – Kaum bin ich ausgelaufen, und finde mich am Ziele" –
"Unsere Hütten sind gebauet, wir haben unsere Wallfahrt vollendet." –
"Der Seiger unsrer Dorfuhr tönt am Morgen, und am Mittage, und am Abend den stillen Frieden in unsre Seelen, und macht uns vertraut mit unsern Wohnungen."
"Wir gehen friedlich unsern Weg, und dulden, und tragen uns einander mit Sanftmut, weil wir vereint zum grab wallen."
"Der Rettigsaamen gedeiht auf unsern Feldern, mein Garten steht in voller Blüte, und die Gefährtin meiner stillen Tage ist hoch schwanger." –
"So ist denn alles, wie es sein kann, und muss, u.s.w."
Freundschaft und Zärtlichkeit.
Das Pfand der Liebe war nun da – Hartknopfen war ein Sohn gebohren, und das feste Band der Ehe war noch unauflöslicher zugezogen.
Der Herr von G.... übersandte ein reiches Angebinde, weil er Schwachheit halber als Taufzeuge nicht zugegen sein konnte.
Kersting aber feierte mit Hartknopfen diesen Tag in hohem Freundschaftsgenuss; er drückte ihm oft bedeutend die Hand – und Hartknopf sah in ihm eine feste Stütze bei allen Widerwärtigkeiten des Lebens, einen sichern Gewährsmann und Bürgen für seine Ruhe. –
Zartere Bande knüpften ihn nun an Weib und Kind, aber stärkere an seinen Freund, an den er sich im Sturm und Ungewitter hielt.
Die Freundschaft nimmt die Zärtlichkeit in ihren Busen auf, und schützt sie gegen die rauhen Stürme, und gegen den kalten Hauch der Luft. –
Die Freundschaft verbirgt die Zärtlichkeit in den ernsten Stunden, wo sie unerbittlich und strenge die Mine des Hasses annimmt.
Sie ist höher als die Zärtlichkeit, daurender als die Liebe, stark wie die Tugend, und mächtig wie der Verstand. –
Der geheimste Kummer.
ist derjenige, welchen Liebende sich selber gern verschwiegen, gern vor sich selbst verbergen möchten: – dass sie dem geliebten gegenstand das nicht zu sein vermögen, was sie ihm zu sein doch sehnlich wünschen. –
Dass immer qualenvoller ihr Zustand wird, jemehr sie sich zwingen wollen, noch immer das zu sein, was sie nicht mehr sind.