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, aber es war ihm doch fatal, dass er mit diesen Menschen nun leben musste.

Er ging über einen schmalen Damm nach dem Krainberge zu, der schwarz und öde vor ihm da lag.

Auf der braunen Fläche der Heide ruhte die Nacht des umwölkten himmels. –

Hin und wieder stand einsam ein gekrümmter Baum, welcher dem dürren Boden mühselig entwachsen war.

Und zwischen dem öden Heidekraut, stieg Hartknopf den sandigten Pfad hinauf.

Als er nun oben war, und in das Tal auf das Torfmoor hinunterblickte, so sähe er die beiden spitzen Türme von Ribbeckenau und Ribbeckenäuchen in fürchterlicher Nähe vor sich nebeneinander stehen.

In diesem Bezirke lag nun sein Leben, seine Reisen, sein Wirkungskreisshier endigte sich seine Laufbahn, und war wie auf einer Landcharte ihm vorgezeichnet.

Immer näher zog das Dunkel, immer schwüler wurde die Luft, und immer gepresster sein Atemzug. –

Der alte Superintendent Tanatos reichte ihm wieder die knöcherne Handdas Hochzeitkarmen mit der bangen Wehklage tönte wieder in sein Ohr. –

Der dunkelumwölkte Himmel ruhte wie eine schwarze Decke über der Erde, und die kleine Turmspitze von Ribbeckenau schien sich in dem niedrigen Gewölke zu verlieren. –

Einsam trauerten ein Paar dürre Baumstämme auf der Heide. – Das niederbückende Alter hatte sie beschlichen. –

Mit schnellen Schritten wandelte Hartknopf die Anhöhe wieder herabdenn der Tag hatte sich geneiget; und so wie er hinunterstieg, zog sich immer enger und enger sein Horizont um ihn zusammen. –

Wie ein Traum waren vierzig Jahre verschwunden, und er ging auf eben diesem Flecke gebückt am Stabe und immer noch wanderte ihm zur Seite der Küster Ehrenpreiss mit ihm über das Torfmoor, dann schloss sich die Laufbahn auf immer. –

Alles lief nun in einem fürchterlichen Punkte, in einer traurigen Spitze aus. –

Unaufhaltsam lief der Sand im Stundenglase, und das Ziel war da, nichts war dazwischen als die einförmige Wiederkehr dessen, was schon da war. – Schrecklich eröfnete sich der Abgrund dicht vor den Füssen des Wanderers. –

Das enge Grab war nun dadie Erde scholl dumpf auf den Sargkeine Aussicht, kein Gedanke an die Zukunft mehr. –

Alles verbauet, verschlossen, und gehemmtzwischen öden Mauren, die des Tages Glanz verdeckten. –

So wie nun Hartknopf über den kleinen Dorfkirchhof zu haus kehrte, erleuchtete ein Blitz, strahl die goldene Schrift an den Kreutzen auf den Grabhügelnsie flammte einen Augenblick, und verlosch wieder in schwarze Nacht. –

Die Kirchhofsmauer lief so enge zu, die Grabhügel waren so dicht aneinander gedrängt. –

Auf einmal sähe sich Hartknopf vor der tür seines Hauses, sein liebend Weib empfing ihn mit ausgestreckten Armen, und er erwachte wie aus einem schweren Traume. –

Die Schmiede.

War dem Pfarrhause schräg gegenüber, mit einem grünen platz, der mit Bäumen beschattet war, wo zwischen den Blättern die Funken flogen. –

Hartknopf konnte aus seiner Studierstube das Getöse der Hämmer auf dem Ambos hören, und dann schlug sein Herz stärker, – unwillkührich machte er das Buch zu, und konnte nicht auf der einsamen stube bleiben.

Die Jahre seiner frühsten Jugend traten in ihrer Kraft und Blüte vor seine Seele.

Um seine Schultern schlotterte die Löwenhautund auf die schwere Keule stützte sich sein Arm. –

Die Welt lag vor ihm offen vom Aufgange bis zum Niedergänge. – Er bahnte zwischen Ungeheuern durch Wüsten sich seinen Weg, bis aus den dunklen Zweigen, die goldne Frucht ihm entgegen blinckte, und er sie dem seufzenden Stamme mit kühner Hand entriss.

Heimlich stahl er sich aus dem haus fort, und eilte hinter die Bäume, welche die Schmiede versteckten; dann lehnte er sich über die halbe Tür am Eingange, und blickte sehnsuchtsvoll Nach dem glühenden Ofen hinüber, während dass die Funken um seine Locken spielten. –

Unter den wiederholten Schlägen ebnete sich der Huf, das starre Eisen spitzte sich.

Das Unförmliche bekam Gestalt und Form. –

Nun konnte er nicht länger widerstehenes dauerte nicht lange, so stand er in der Mitte der Arbeitenden, führte den Hammer wie sie, und die öbere Tür ward angelehnt, damit der Küster Ehrenpreiss nicht etwa vorübergehen, und seine Blicke dies Heiligtum entweihen mochten.

Hier brachte Hartknopf auch in dem bittersten Leiden noch manche süsse Stunde an der Seite seines Freundes zu, und stählte seine Brust zur Ertragung alles Ungemachs und aller Widerwärtigkeiten des Lebens.

Wenn er denn aber wieder zu haus musste, so wusch er sich sorgfältig die hände, damit sein liebendes Weib die Spuren der ungewohnten Arbeit nicht entdecken möchte.

Hartknopfs Klage.

Vom Mittag kommen Heuschrecken

Wie eine düstre Wolke,

Sie senken sich und fliegen wieder auf

Das Feld ist leer

Die mit Mühe den Acker pflügten,

Und die Saat ausstreuten,

Gehen der Erndte verlustig

Sie arbeiteten im Schweiss ihres Angesichts

Um Ungeheuer zu füttern,

Die den Fleiss der Mühevollen

Als eine süsse Beute verschlingen. –

Von wannen kommt der Trost den edlen,

Die durch Schmach betrübt sind,

Weil sie einsam stehen,

Und in fernen Zonen

Weit umher zerstreut sind

Sie sehnen sich im Stillen,

Und wünschen sich zu kennen,

Und möchten sich zu einem Chor vereinen,

Und einer sich im andern wieder finden

Sie haben sich verlohren

Und suchen sich vergebens

Sie trauren in den Wäldern

Und mischen ihre Seufzer

In Philomelens Klage.

Was rauschen über Berge über Meere

Mir für Stimmen, was für Töne mir entgegen,

Die die Lust mit leisen Flügeln

An mein