hub an, wie folget:
Wehklagen, und bang Seufzen vom Grauntale des
Abgrunds her
Sturmheulen, und Strombrüllen, und Felskrachen
das laut niederstürzt
Und Wutschreien, und Rachausrufen erscholl
dumpf auf!
Als Adam im Gesicht sah' was geschehen einst, im
Gericht wird!
Goldpallast, und bemoosst Dach
Stürzen ein – –
Aber Liebe wird im Schatten
Stiller Nächte sicher sein –
Unaufhörliches Begatten
Hüllet sich in Dunkel ein –
Bleibt dem Forscher unerklärbar
Macht den Weltbau unzerstörbar,
Lächelt aus des Lagers Ruh
Heulender Verwüstung zu. – u.s.w.
Dieser Kandidat Hund glaubte sein Gedicht durch
die Stellen zu verzieren, die er aus Klopstocks Messiade gestohlen hatte.
Er war ein sonderbarer Mensch, in dessen kopf viel und mancherlei durch einander lief. –
Er hatte auf dem Wege von Ribbeckenäuchen bis Ribbeckenau das Torfmoor mit Blumen bestreuet, die er sich von einem Bauer in einem grossen Korbe nachtragen liess.
Der Tanz der Liebesgötter.
Sie gaukelten über der Pfarrwohnung in Ribbeckenau im Schimmer der Abendröte.
Die bauern von Ribbeckenau rieben sich die Augen, da sie den Schimmer sahen, und wurden dadurch geblendet – denn die Fenster der Pfarrwohnung warfen einen hellen Glanz von sich –
Sie war in einen Feenpallast verwandelt, in welchem die Königin der Liebe tronte. –
Sie hatte sich auf einer Abendwolke herabgesenkt, und teilte nickend mit den sanften Augenbraunen ihre Befehle aus. –
Dann huben die Liebesgötter in mannichfaltigen verschlungenen Bewegungen den geheimnissvollen Tanz in der Abenddämmerung an, und schlossen ihn nicht eher, als bis die Morgendämmerung sich am Himmel zeigte. –
Sterblichen Ohren unvernehmbar ertönte die ganze Nacht hindurch die Luft von süssen Lauten, welche den Tanz beseelten.
Die funkelnden Sterne leuchteten dazu, und die Stille der Nacht feierte die wonnevolle Scene. –
Dreimal näherte sich der Schlafgebieter mit den Schlummerkörnern, aber Pfeil und Bogen der Tanzenden verscheuchten ihn.
Der Grobschmidt Kersting besucht das neue
Ehepaar.
Ich war den Tag vorher abgereisst, als Kersting von einer kleinen Reise wieder zurückkam, und seinen ersten Besuch bei dem neuen Ehepaare machte.
Er war weder ein Zuhörer von der Jubelpredigt, die ich mit angehört hatte, noch Zeuge bei der Trauung gewesen, sondern war während der Zeit mit Pferdekuren in der benachbarten Gegend beschäftigt.
Als er nun in die Pfarrstube trat, so fand er die Neuvermählten am Fenster stehend, und ihm den Rükken zukehrend. – Auf einmal trat er zwischen sie, und sie fuhren unwillkührlich, mit einem kleinen Schreck auseinander; er aber fügte sie wieder zusammen, legte schweigend ihre hände ineinander, und eine Träne stand in seinem Auge. –
Nun dachte Hartknopf an den ersten Abend, wo sie von der himmlischen Weisheit sprachen, und sein Entschluss zuerst in seiner Seele fest wurde.
Sophie aber schlug die Augen nieder, wie damals, als sie in dem dunkeln Kirchstuhle sass, und Hartknopfs Blicke zuerst den ihrigen begegneten.
Und was war es, dass eine Träne in Kerstings Auge stand, als er die hände der Liebenden ineinander legte?
Er hatte Sophien lange gekannt – – so wie sie ihn – er kannte ihren ganzen Wert – und wusste seinem angebeteten Freunde kein höheres Opfer als diess zu bringen. – –
Wie ein köstliches Kleinod drückte Hartknopf seinen Freund an seinen Busen – und Sophie schlug die Augen auf, und freuete sich tief im Herzen, dass zwei edle Männer vor ihr standen, die als Freunde sich umarmten.
Alles, was nun noch gesprochen ward, war gegen die stumme Scene unbedeutend.
Im Entzücken schwimmen.
Ist es nicht Ausgehen aus sich selbst? Urbergehen in ein Etwas, das wir nicht sind? Ruhen in einer sanften Umgebung, mit der wir eins sind?
hebt das Entzücken nicht da erst an, wo das Gefühl der eingeschränkten Ichheit mit allen seinen Qualen aufhört, und ein höheres edleres Leben seinen Anfang nimmt?
Hat die Sprache selbst einen höhern Nahmen für das Entzücken, als den, welcher auf diess süsse Ausgehen aus uns selber deutet: wo wir die Sorgen die uns drückten, ausziehen, wie ein Kleid, und in erneuerter Jugend hervortreten, die sich selber nicht fasst, und ihre Götterkraft nicht kennt?
Aber die Stunde der Auflösung ist noch nicht da. –
Die Schildkröte zieht sich in ihr felsenfestes Haus zurück – der Igel in sein Stachelnnest.
Der schwüle Tag.
Zwei Tage waren im süssen Taumel leicht und frölich dahin geflohen, der dritte war schwül und schwer. –
Schwarze Gewitterwolken lagerten sich am Horizonte, und eins drückende Hitze lähmte die Glieder. –
Sophie war in diesen Stunden ganz glücklich in ihrer stube und an ihrem Tischchen, Hartknöpfen aber ward die stube zu enge, und er ging allein aus.
Nicht unzärtlich – sein scheidender blick voll Liebe versenkte Sophien in eine süsse Ruhe, worinn die Momente ihr unbemerkt vorüberflohen – sie hatte nun keine Wünsche mehr, und fühlte doch keine Leere, – der schöne Umkreis ihres Daseins war nun ausgefüllt.
Ihr droheten die Gewitterwolken nicht, und ihre Brust atmete sanft unter der drückenden Luft. –
Als Hartknopf nun aus dem haus trat, begegneten ihm ein paar hämische Bauern, die sich gerade über seine Jubelpredigt, und den herabgestürzten Engel mit einander unterhielten.
Sie grüssten ihn, und sprachen dann wieder leise und hohnlächelnd zusammen. –
Hartknopf eilte, dass er aus dem dorf kam, da begegnete ihm beim Ausgehen aus dem dorf der Küster Ehrenpreiss, der ihm aus einer Art von höhnendem Respekte immer eine tiefe Verbeugung machte, die Hartknopfen ärgern sollte.
Hartknopf ärgerte sich zwar darüber nicht