– das drohende Gewitter zieht vorüber. –
Nun ist der Schweiss getrocknet – die Sensen heben sich in schnellerm Takt, die Aehren fallen dichter – das Feld ist leer. –
Nun, denkt der Arbeiter bei sich selber, eilt der Abend näher – ich werde bald auf dem Lager liegen. – Es dauert nicht lange mehr. –
Und während er noch so denkt, ist es schon Feierabend. –
Langsam geht er zu haus – ihm ist das Bette einladender als der Tisch. –
Eilend nimmt er das Mahl zu sich, um sich zu der morgenden Arbeit zu stärken, und Zeit zum Schlaf zu gewinnen. –
Kaum hat er sich niedergelegt, so ist Gedanke und Bewusstsein ihm entflohen, bis die Liebe zur Arbeit ihn mit der Morgendämmerung wieder weckt.
Der Prediger schlummert noch ein Weilchen, aber nicht lange mehr – er grüsst die Morgenröcke in der Laube in seinem Garten hinter der Pfarrwohnung. –
Er durchwandert die schmälen Pfade zwischen den angepflanzten Beeten, und sieht was keimt, und was im Mutterschooss der Erde noch verschlossen bleibt. –
Dann eilt er auf die Wiese durch das Gartentürchen, und saugt aus Blumen und Kräutern den Honig seiner Rede. –
Hier lernt er betrachten und unterscheiden, was in der einfachsten Bildung mannichfaltige ist, und lernt das Mannichfaltige wieder vereinfachen, wie den Strauss von Blüten. –
Hier ordnen sich seine Predigten an die horchende Menge, und an den einsamen Traurenden. –
Er spähet den wunderbaren Bildungen in ihren ersten Keimen nach, und ahndet leise, wo er nicht fiel zu denken wagt. –
Die einsame Stunde mit dem Schleier umhüllt, verfliegt ihm schnell, und macht der geselligen im Rosenfarbenen Gewande Platz. –
Sie kommt im holden Reihentanz mit ihren Schwestern und ladet den frohen einsamen in ihre Umarmungen ein. –
Die Pfarrwohnung ist doch bequem, obgleich die Stuben schiefwinklicht sind. – Auch in schiefwinklichten Stuben wohnt die stille Freude und süsses Lebensglück. –
Da steht in einer Ecke der braune Bücherschrank, und in der andern der pyramidalische Aufsatz zum weissen hellklingenden Porzellain.
Das alles ist so glänzend und so schön – die Griffe an den neugemachten Türen sind polirt – die Küche ist hell und gross – die Fenster des Studierzimmers sind nach dem Garten zu – und grüne Vorhänge schützen gegen den brennenden Sonnenstrahl.
Und wohnt die Lieb' in Hütten des Landmanns, so wohnt sie doch viel bequemer in der zierlichen Pfarrwohnung, die wie ein Pallast über die Hütten emporragt, und wo der Rauch vom Heerde nicht aus der Tür zieht, sondern durch den Schornstein in die Luft empor steigt. – Hier tönen oft in stillen Stunden die saiten des Klaviers – und sind ein sanfter Wiederhall vom schönen Lebenswohllaut. – So fliehen die Tage hin, und kehren niemals wieder? – Dieselben nie – denn das Zufällige verschwindet, aber das Wesen der Dinge erneuert sich in ewiger Jugend. –
Hartknopf lernt den Grobschmidt Kersting
kennen.
Der kam links von einem benachbarten Flecken auf einem schmalen Wege über das Torfmoor hergewandert, als die Sonne sich schon zum Untergange neigte – da gesellte er sich zu dem Prediger Hartknopf, dessen erste Predigt in Ribbeckenau er in einem dunkeln Winkel in der Kirche mit lauschendem Ohre vernommen hatte.
Denn er mochte sich der Gemeinde nicht zeigen, weil er eine zu seltene Erscheinung in dieser Kirche war, deren Schwelle bei Lebzeiten des vorigen Pfarrers sein Fuss niemals wieder betrat, nachdem er sich einmal an Gestalt und Gebehrde des Redenden geärgert hatte.
Bei dem ersten Abendgruss aber fand Hartknopf seinen Mann an diesem geraden und unbiegsamen Wanderer durch das Leben, der mit festem Tritt den Boden zeichnete, der ihn trug, mit freiem Auge in die Weite um sich her blickte, und mit wohlwollenden Anstande Hartknopfen seine Rechte bot.
Dieser Grobschmidt Kersting war ein stiller Einwohner in Hartknopfs Pfarrdorfe – allein er war wegen seiner Geschicklichkeit in Pferdekuren in der ganzen umliegenden Gegend berühmt.
Dass er aber auch Menschenkuren durch die Zaubermittel einer wohlabgewogenen, aus dem Innersten des Herzens strömenden Beredsamkeit verrichtete, darum rühmte ihn niemand, denn niemand wusste es, der gebessert von ihm ging, durch wessen Rat er gebessert sei, – weil Kersting den Menschenarzt unter dem Pferdearzt und Grobschmidt so fein zu verstecken wusste, dass ihn unter dieser groben Hülle niemand ahndete.
Ich lernte diesen merkwürdigen Mann, welchen ich, da ich Hartknopfen besuchte, in Ribbeckenau nicht vorfand, erst viele Jahre nachher, auf einer Reise von Hannover nach Braunschweig, auf dem Postwagen kennen, nachdem er schon lange in einer ganz andern Lage gewesen war, und doch noch immer Vergnügen daran fand, unter dem Titel eines Grobschmidts seinen Rang und Wert unter den Menschen vor neugierigen Augen zu verdecken.
Denn, so wie viele die Sucht haben, mehr zu scheinen als sie sind; so hatte er den Fehler weniger scheinen zu wollen als er war.
O wie fühlte ich damals mein Herz erweitert, als ich diesen simplen Mann, der sich beim Ausfahren am Stadttore als Grobschmidt angegeben hatte, auf dem Postwagen hinter mir sitzend, mit seinem zehnjährigen Sohne Worte der Weisheit, eine seltne Sprache reden hörte, die nur hier und da aus einem mund noch wiederhallt, damit sie im Gedächtniss der Menschen nicht ganz verlösche. –
Seine Worte hoben allmälig die Scheidewand weg, die durch Alter, Sitten, Stand und Sprache Menschen von Menschen sondert. –
Die Menschen fanden sich und kannten sich wieder vom Aufgange bis zum Niedergange und wunderten sich, so lange sich verkannt zu haben. –
Der hohe