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Mittwoch nach unser Lieben Frauen Geburt angebrochenMontag und Mittwoch! sagte Ulrich zu sich selbst, und ritt getrost weiter. Wir haben gesehen, was für Vorsicht er demohngeachtet brauchte Herrmannen nicht zu begegnen, und wie ihm das Schicksal den unglücklichen Jüngling dennoch entgegen führte.

Aleke ahndete Unglück auf ihrem nach Abzug aller Gäste nun völlig verödetem schloss. Sie war trübsinnig bei der Abendtafel, unruhig in der Nacht, stand von der Seite ihres fest entschlummerten Gemahls auf, ging auf den Balkon, und sah in die düstere vom Mond beglänzte Ferne. Hier fand sie noch der erste Morgenstrahl. Sie betete, um sich von ihren grauenvollen Ahndungen loszureissen, betete ihr gewöhnliches Gebet: Gott möchte es ihr doch an dem eben angebrochenen Tage nicht an gelegenheit zur Ausübung einer guten Tat fehlen lassen. Sie wusste es aus der Erfahrung, dass übende Tugend das beste Mittel ist, ein traurendes Herz zu beruhigen.

Sie stand jetzt auf, und wandte ihre Augen vom rötlichen Morgenhimmel in das düstre Tal; da sah sie einen Trupp Leute nach dem schloss zu kommen. Ihr gang war langsam. Einer von ihnen eilte voraus, und schlug an die noch verschlossene Pforte.

Was bringt ihr? rufte Aleke vom Altan herab. – Ach edle Frau, antwortete der Kommende, der ihre stimme kannte, seid ihrs, das ist ein gutes Zeichen an diesem frühen Morgen. Wir bringen euch wieder einmal ein paar arme Gäste. Eben haben wir dort drüben auf dem Hügel bei der hohen Eiche ein paar Verwundete gefunden. Es ist noch Leben in ihnen, wir haben sie ein wenig verbunden, ihr werdet das übrige tun. Gott gibt ja immer Gnade zu euren guten Werken.

Aleke verstand nicht, was der Bauer weiter sagte, sie eilte selbst hinab, das Tor zu öfnen, und weckte im Vorbeigehen einige ihrer Bedienten, die im Vorzimmer schliefen, um Anstalten zur Aufnahme der Kommenden zu machen.

Die Leute der guterzigen Frau von Unna wussten in dergleichen Fällen schon alles, was zu tun war. Aleke war schon im fräulein stand eine liebreiche Wärterinn der Kranken gewesen, und es war ihr Glück, dass sie einen Gemahl hatte, welcher ihr in diesem Stück völlig freie Hand liess.

Es war in jenen zeiten eine Ehre, viel gute Werke zu tun, und es schmeichelte Bernhards Stolz nicht wenig, wenn man seine gemahlin die zweite Sankt Elisabet nannte, deren Glorie in seinen Augen darum viel heller strahlte, weil sie eine fürstin gewesen war.

Die Frau von Unna tat das Gute nicht aus solchen elenden Bewegungsgründen, aber sie war klug genug, die Schwachheit und Eitelkeit ihres Mannes in diesem Stücke zu nutzen, um nicht von ihm bei ihrer Wohltätigkeit eingeschränkt zu werden.

Jetzt hatte Aleke die Pforten geöfnet und ging den Trägern der Verwundeten entgegen um zuzusehen, ob man sie auch sanft und behutsam genug herbei schafte. – Sie trat hinzu, sah Ulrichs von den Schatten des Todes umdämmertes Gesicht, sah Herrmann, welcher kaum noch atmete, und sank ohne Empfindung zu Boden.

Ihre Leute kamen herbei, sie eilten ihr zu hülfe; die Verwundeten wurden ins Schloss geschaft, ihre Helferinn ward ihnen nachgetragen, und im Augenblick waren zwanzig hände bereit, ihnen beizustehen, ob gleich die meiste hülfe sich nach der von allen angebeteten Gebieterinn des Schlosses wandte, und bei den Verwundeten nur die nötigsten Personen blieben.

Alize schlug die Augen auf, sie sah das Gedräng um ihr Lager, und ein blick von ihr entfernte alle unnötige hülfe von ihr zu Ulrichen und Herrmannen, die derselben so sehr bedurften. Die Angst um sie machte, dass sie sich bald völlig erholte, und in ihr Zimmer eilen konnte, um zu sehen, was man zu ihrer Rettung getan habe.

Bernhards Hausmeister, ein erfahrner Wundarzt, hatte Herrmannen schon so weit gebracht, dass er die Augen öfnete, und als seine edle Schwägerinn zu ihm trat, sich genugsam besann, ihren Namen zu nennen und ihre Hand an seine Lippen zu ziehen. Aber Ulrich von Senden war noch fast völlig ohne Empfindung, nur der schwache Schlag des Herzens verriet, dass er noch lebe, seine Wunde war weit tiefer als Herrmanns, es war ihm mehr Ernst gewesen, sich, als seinen Freund tödlich zu verwunden.

Vierzehntes Kapitel.

geschichte Alekens von Langen und

Ulrichs von Senden.

Alizens unermüdete Sorgfalt, und die Geschicklichkeit ihrer Leute, verscheuchte endlich alle Gefahr, so wohl von dem von Senden, als von Herrmann. Dieser war es eigentlich, um dessen Bette sich die Frau von Unna persönlich beschäftigte, dahingegen Katarine von Senden herbeigerufen ward, ihres Gemahls zu warten. Herrmanns Neigung zu seiner liebenswürdigen Schwägerinn und ihr Zutrauen zu ihm, ward durch die Gewohnheit sich täglich zu sehen vermehrt, und bald entstand jene Freundschaft zwischen ihnen, die wir in einem der vorigen Kapitel bei Herzog Albrechten von Oesterreich und der schönen Ida bemerkt haben, nur dass hier auch der entfernteste Verdacht von Liebe wegfiel, der etwa einigen meiner Leser in Ansehung Herzog Albrechts beiwohnen möchte. – Wochen waren vergangen, seit sich die Verwundeten auf der Plettenburg befanden, Herrmann konnte wieder ausser dem Bette sein, und auch Ulrich war wohl genug, dass er Katarinen von sich schicken konnte, um Anstalten zu seiner Ankunft auf dem schloss Senden zu machen.

Oft war er der Gegenstand des Gesprächs zwischen Alizen und ihrem Kranken, Herrmann hatte in Ansehung seiner manche Frage zu tun, und die Frau von Unna war jetzt nicht mehr so ungeneigt, wie ehemals