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Ulrich, der sich in seinem Mantel verhüllte. Ueberall diese Erscheinung, wachend und im Traum, und immer die stimme in meinem Herzen: ich muss ihn ermorden!

Ermorden? fragte Herrmann und schloss ihn in seine arme, deinen Bruder ermorden? – Was hab ich getan? –

Weg von mir, du Peiniger! schrie Ulrich und riss sich von ihm los. – Ha wer bist du? – Kein Nachtgesicht? – Rede, wer bist du?

Dein Bruder, Herrmann von Unna! der um deine Freundschaft oder um den Tod fleht. Von dir verachtet, geflohen zu werden, ist zu schrecklich!

Herrmann von Unna? Du selbst? – O fliehe, fliehe! ich bin dein Mörder! – Doch nein! fliehe nicht! du darfst nicht fliehen! ich darf dich nicht lassen? – Sind wir nicht allein? – Nein wir sinds nicht! – Gott lob! dort kommen deine Retter! Siehe! Siehe!

Herrmann schaute und sah nichts. Es sind die Schatten der Bäume, mein Bruder! rief er. Ich brauche keine Retter, wenn du bei mir bist! – O Ulrich! du bist krank, sehr krank! dein Gemüt leidet! Gott, das ahndete ich nicht! – ich glaubte Hass wär es, der dich von mir trieb, so ist es nur schwarze Phantasie. – Gott lob! du wirst wieder genesen und deinen Bruder lieben!

Dich lieben? Kann ich dich mehr lieben als ich tue? O Herrmann! mein Herz hängt an dir und ich muss dich ermorden!

Warum? schrie Herrmann, den Ulrich erst in seine arme geschlossen hatte, und bei den letzten Worten gewaltsam von sich schleuderte. Warum ermorden? Was habe ich getan?

Du musst sterben! schrie von Senden, der sein Schwerd zog, du bist Herzog Friedrichs Mörder! –

Bei dem der ewig lebt, ich bins nicht! – – Die Kläger haben geklagt, die Zeugen gezeugt, die Richter gerichtet! Du bist Herzog Friedrichs Mörder! Tausend heimliche Henker lauren auf dein Blut, und o Gott, dein Bruder ist der unselige, in dessen hände du fallen musst! Aber bei dem Ewigen, ich will dich nicht überleben! – Siehe, ich habe geschworen, dessen nicht zu schonen, den mich der Richter richten heisst. – Hier dieser Stich sei dein, und dieser mein! –

Herrmann zuckte, taumelte und fiel, und Ulrich sank an seine Seite. O mein Bruder, stammelte er, indem er ihn fester umschlang, die Fehde ist zum Ende! – Dein ewig dein! Hinüber, hinüber ins Reich des Friedens und der Liebe!

Dreizehntes Kapitel.

Etwas von der heiligen Elisabet.

Der Morgen begann heran zu dämmern, die Landleute der Gegend gingen zur Arbeit, und da sie vorüber kamen bei der hohen Eiche, unweit des sausenden Stroms, da lag es vor ihnen im tauichten Grase wie Menschengestalt, und tiefes Röcheln der Sterbenden rauschte ihnen entgegen. – Sie beugten sich tiefer hinab, und ihren Wangen begegnete der kalte Hauch des Todes, sie tappten mit der Hand nach dem, was sie nur dämmernd sahen, und zogen sie in Blut getaucht zurück.

Jedermann drängte sich herbei, man fand zwei Jünglinge, die sich fest umschlungen hielten, und die beide durch einen Mordstahl gefallen zu sein schienen. Beide atmeten noch, die guterzigen bauern jauchzten, und wurden Rats, sie auf die Plettenburg zur Frau Aleken von Unna zu bringen, die schon so manchen Kranken und Verwundeten durch ihre Pflege dem tod entriss, und wohl auch diesen würde helfen können.

Alize hatte den von Senden so lang als möglich auf Bernhards schloss zurückgehalten, er gehorchte ihr gern, denn das was sie in Geheim bewog seine Abreise zu verzögern, das scheuchte auch ihn von seinem schloss zurück, so lang er Herrmannen daselbst wusste. Keins erklärte sich gegen das andere, denn mancherlei Betrachtungen hielten sie stets in weiter Entfernung von einander, aber beide verstanden sich, und eins dankte dem andern im Herzen, dass es sich sowohl in seine Wünsche fügte.

Bernhard, der für nichts Gefühl hatte als seine Grösse, dachte bei all diesem nichts, als dass Ulrich von Senden nunmehr die Ehre, auf seinem schloss bewirtet zu werden, bis in den fünften Tag genossen habe, und dass er wohl geneigt war, diese unerhörte Gnade zu verdoppeln, wenn Alize, die er wegen des Namens einer Frau von Unna gar hoch verehrte, es also verlangen sollte.

Ulrich hatte Ursachen, sich weit von der schönen Aleke hinweg zu wünschen, und Katarinens Nachricht, der Ritter von Unna würde den Montag nach Mariä Geburt zuverlässig scheiden, tat ihm wohl wie dem Gefangenen die Befreiung von den Fesseln.

Die Frau von Unna weinte, als sie von Senden Abschied nahm; sie dachte an vergangene zeiten, dachte an Herrmann, und ihr ward weh ums Herz. – Sie bat Ulrichen, doch den Weg nach haus über Ahaus zu nehmen, Bernhard lachte der Bitte, denn es war ein Umweg von mehr als einer Meile, den seine gemahlin von Ulrichen forderte, aber dieser versprach alles mehr als gern, weil er die Absicht der Bittenden erriet schwang sich auf sein Pferd, und entfernte sich.

Die Wege über Ahaus waren durch das grosse wasser unzugänglich gemacht. Von Senden musste umkehren und den gewöhnlichen wählen, er fragte seine Leute, was heute für ein Tag sei? –

Mitternacht ist vorüber, antworteten sie, eben ist