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Der Aufentalt der Geschwister von Unna in dem haus ihres ältesten Bruders dauerte einige Tage. Bernhard schien nach und nach Geschmack an Herrmannen zu finden. Der junge Mensch wusste so viel von Königen, Kaisern, Herzogen und Fürsten zu erzählen, dass der stolze Herr von Unna begunnte Ehrfurcht vor ihm zu haben, und es ihm weniger hoch anrechnete, dass er sich nicht tief genug vor ihm demütigte, auch schmeichelte ihm die achtung, mit welcher der schönen Aleke von ihm begegnet ward, und die die grösste fürstin nicht in höherm Grade hätte von ihm verlangen können.

Die Aebtissinn von Marienhagen, und die Fräuleins von Ueberwasser hatten jetzt nach ihren Klöstern zurückkehren müssen. Auch der träge Domherr von Münster hatte das Schloss verlassen, und niemand von Bernhards Gästen war mehr vorhanden als Herrmann, und die Familie von Senden.

Katarine nützte die Abwesenheit der Aebtissinn, ihrer feindseeligen Schwester, sich ihrem beleidigten Bruder in einem vorteilbaftern Lichte zu zeigen; sie sah, dass seine Absichten auf Bernhards Gunst nicht eigennützig waren, einige ansehnliche Geschenke, die er ihren Kindern gemacht hatte, bewiesen, dass er weder Unterstützung suche, noch bedürfe, und dieses war hinlänglich ihr Reue einzuflössen, dass sie einem solchen Bruder unwürdig begegnen konnte. Sie rang um Herrmanns Gunst, und gab vor, sie könne nicht ehe von seiner Aussöhnung überzeugt sein, bis er ihr versprach sie nach ihrem schloss zu begleiten, und ihr daselbst gelegenheit zu geben das Vergangene zu vergüten.

Herrmanns Sinn stand nach nichts so sehr, als nach der Audienz bei dem alten Grafen von Unna, von welchem er eben Botschaft erhalten hatte, dass er auf seiner Residenz angelangt seiIhn zu sprechen, war eigentlich das einzige Geschäft, was er hier hatte; der Besuch bei seinen Geschwistern war bloss Nebensache, war fast blosser Zufall, und leider war er durch denselben schon mehr verstrickt worden, hatte sich mehr Zeit durch ihn rauben lassen, als für seine Lage vorteilhaft war. Ohne Zweifel wär also die Bitte der Frau von Senden, welcher ihr Mann mit keinem Worte beitrat, abgeschlagen worden, wenn Herrmann sich nicht gescheut hätte, das Ansehn einer Empfindlichkeit über ehemalige Beleidigungen in den Augen seiner Schwester zu haben. – Er willigte also ein, und stürzte die Frau von Unna, welche dabei stand, dadurch in eine Ungeduld, die sie kaum zu bergen wusste.

Sie sind alle meine Bitten, euch in keine Gemeinschaft mit Ulrich von Senden einzulassen, vergeblich? rief sie, als sie mit ihm allein war. –

Ich besuche nicht ihn, sondern meine Schwester. –

Und werdet ihr es verhüten können, wenn ihr euch auf seinem schloss befindet, dass ein vertrauter Umgang unter euch Platz nehme? –

Und wär die Vertraulichkeit so eines edlen Mannes nicht Glück für mich? –

Ich sage euch, ihr dürft es nicht wagen eine Stunde mit ihm allein zu sein, es ist euer Unglück!

Ich bin irre an euch, Frau von Unna. Wollt ihr mir nachteilige Winke wegen Ulrichs Redlichkeit geben? –

Das will ich nicht. Ulrich mag wohl redlich sein, aberich kann mich nicht hierüber erklärenich weis nicht! – genug mich dünkt, ihr tut in eurer Lage am besten, ihr geht zu eurem alten Verwandten, den Grafen von Unna, richtet bei ihm aus, was ihr zu tun habt, und entfernt euch dann so schnell als möglich.

Zum Grafen von Unna will ich ziehen, aber erst meine Schwester besuchen. Es ist hart da sie hier so durchgängig gehasst wird, dass auch ich ihr übel begegnen soll.

Ich hasse Katarinen nicht, ich beklage sie und schiebe viele ihren Fehler auf ihre traurige Lage! –

Und doch gebt ihr mir zu verstehen, ich habe ursache von ihr irgend etwas zu befürchten, das mich abhalten soll in ihr Haus zu kommen? –

Nicht von ihr, bei Gott nicht von ihr! Ich halte sie nicht für boshaft genug euch heimlich zu schaden. – Aber Ulrich von Senden! Ulrich von Senden! –

Der edle trefliche Mann? Er in seiner Art das was Alize in der ihrigen ist? –

Er kann gut, kann edel sein, und doch! – Kannte ich ihn nicht länger als ihr? –

Ja, Alize, ihr müsst ihn gekannt haben, ich habe diese Tage über seine und eure Blicke belauscht, habe Spuren entdeckt, die mich begierig machen mehr zu wissenAlize! holde offenherzige Alize! Schwester! Freundinn! wollt ihr euch mir nicht entdecken? vielleicht könnte mein Rat euch nützlich sein, vielleicht könnte die Erfüllung meiner Bitte wenigstens so viel fruchten, dass ich mir eure wahre Meinung von Ulrichen von Senden besser zu erklären wüsste, und euren Warnungen widerspräch oder ihnen folgte, nachdem es meine überzeugung verstattete. – Werdet ihr meiner Bitte statt geben? Werdet ihr mir gewisse Dinge deutlich machen, die

Dieses hiess Alizen auf ihrer schwächsten Seite angreifen. Sie brach in einen Strom von Tränen aus, machte sich von Herrmanns Händen, welche die ihrigen gefasst hielten, los, und beteuerte, sie wollte nie wieder mit ihm über diesen Punkt sprechen. Er sei gewarnt, und möge hinfort tun und lassen was er wolle, ohne durch sie gestört zu werden.

Elftes Kapitel.

Katarine ist Alekens und Ulrichs Ehrenretterin.

Die Frau von Unna schien ernstlich über Herrmanns Zudringlichkeit erzürnt zu sein, sie entielt sich diesen Tag, den letzten seines Aufentalts zu Plettenburg, das kleinste Wort mit ihm zu