, welche man als Kinder kannte. Mich dünkt, ihr seid unsers Herrmanns Freund, ihr müsset ihr ihre Worte nicht übel deuten, sie ist –
Keine Entschuldigungen fräulein, schrie die Dame, ich werde mich nie zu Entschuldigungen weder gegen Herrmann, noch gegen seinen Freund, herablassen, mich dünkt, er ist es, welcher Entschuldigungen bedarf. Sein ärgerlicher Uebergang von Gott zur Welt, die gänzliche Vernachlässigung seiner Geschwister, die seine Wohltäter waren, ist noch nicht vergessen; sein bisheriger Lebenswandel ist nicht so beschaffen, Vergessenheit und Vergebung zu erwarten
Katarine, rief Petronelle mit bittendem blick, was tat euch Herrmann, ihn so vor einem Fremden zu beschimpfen.
Vor einem Fremden? fragte Katarine, ihr meint ja selbst, dass er ein Freund, ein Bote Eures Bruders sei! – Doch er sei es oder nicht, die ganze Welt weiss ja die anstössigen Geschichten mit der Münsterinn, die plötzlich, Gott weis wie, zu gräfin ward, seinen Anteil an Herzog Friedrichs Ermordung, und all' die Dinge, die ihn in die heimliche Acht brachten, und das Herz seiner Verwandten auf ewig vor ihm verschlossen.
Katarine war aufgestanden, und verlies den Sprachsaal mit Ungestüm, indess Herrmann mit in einandergeschlagenen Armen da stand und ihr voll Entsetzen nachsah. – Ich bitte euch, Fräuleins, rief er nach einer langen Pause, wer war diese Furie.
Unsere Schwester Katarine von Senden, schluchzte die weinende Petronelle.
Eure Schwester? rief Herrmann, Gott! eure Schwester? und also auch die Meinige? – Nein, nein! sie ist es nicht!
Wer bist du? fragte Agnes, welche dem Gitter näher trat und Herrmann schärfer ins Auge fasste.
O Herrmann! Herrmann! schrie Petronelle mit ausgebreiteten Armen. Ja du bists, mein weissagendes Herz hat mich nicht betrogen!
Bruder! Engel! Tröster in unserer Trübsal! schluchzte Agnes, o könnte ich dich in meine arme schliessen!
Herrmann, den die Freude über das Entzücken, mit dem er hier aufgenommen wurde, stumm machte, näherte seinen Mund dem Gitter, um die Küsse seiner Schwestern aufzufangen, und – doch wer vermag es zu schildern, wie liebende Geschwister sich empfangen, wie Engel Engel begrüssen?
Die Freude der glücklichen Dreie war jetzt ruhiger geworden, und Herrmann kam auf das zurück, was ein Stachel in seinem Herzen war, dass jenes Weib, das so wütend einen Abwesenden schmähen, ungereizt einen Unschuldigen beschimpfen konnte, seine Schwester sein sollte, und die Nonnen mussten es ihm auf zehnfache Art beweisen und versichern, ehe er es ganz zu glauben vermochte. –
Gott rief er! wenn all' die Uebrigen dieser gleichen, so segne ich meinen Entschluss, mich niemand als euch zu offenbaren.
Urteile nicht zu frühzeitig, rief die sanfte Agnes, Katarina ist unglücklich, das Unglück macht oft ungerecht gegen Unschuldige. Gern verschmerzen wir die Beleidigungen, die wir von ihr erdulden müssen, weil wir sie beklagen.
Ein teil von Herrmanns Unwillen legte sich, als er hörte, dass seine Beleidigerinn unglücklich sei, er fragte weiter, und Petronelle berichtete ihn, dass Katarina eben die Begegnung von der Aebtissinn zu Marienhagen, und den übrigen der Familie erdulden müsse, damit sie andere zu quälen pflege. Du weisst, sagte sie, Katarina war so wie wir zum Kloster bestimmt, sie zog eine unglückliche Verheiratung dem geistlichen Leben vor, und leidet nun durch Armut, durch Vernachlässigung ihres Mannes und durch die Vorwürfe ihrer ältern Geschwister, vornehmlich unserer Schwester der Aebtissinn. Katarine ist eine Mutter vieler Kinder, ihre einige hoffnung besteht auf der Gnade unsers ältern Bruders, welcher ohne Kinder lebt. Sie beneidet alles, was sich ihm naht, und sie würde vielleicht jetzt ihre böse Gesinnungen nicht auf so eine fürchterliche Art geäussert haben, wenn ihr Unwille nicht kurz vorher, ehe du erschienst, durch ein Gespräch von dir wär erregt worden. –
Von mir? fragte Herrmann. –
Ja, antwortete sie. Du hast die schrecklichen Dinge gehört, die sie von dir sagte, Gott, sollte es wahr sein, dass du dich in der heimlichen Acht befändest? –
Gute Seele rief Herrmann, bekümmere dich nicht, und ob es so wär, Gott ist Schützer und Retter der Unschuld!
Die Klosterjungfern weinten, und Herrmanns Tröstungen konnten sie mit Mühe endlich so weit beruhigen, dass die Erzehlung fortgesetzt wurde.
Stelle dir unser Entsetzen vor, fuhr Petronelle fort, als wir aus Katarinens mund diese schrecklichen Dinge vernahmen, Agnes äusserte den Wunsch, dem ich mit Inbrunst beistimmte, du möchtest in dein Vaterland fliehen, wo du vielleicht hülfe, wenigstens Unterstützung zur weitern Flucht bei unserm Bruder Bernhard finden würdest. Er muss arm sein, schrie sie, auch wir sind arm, wo soll er hülfe suchen, wenn ihm das Haupt seiner Familie, sein Bruder, der ihm Vater sein sollte, dieselbe versagt? Dieses waren die Worte, welche Katarinen, die alles was Bernhard besitzt für das Erbe ihrer Kinder hält, in die Wut versetzten, welche sie hernach auf die kleinste Veranlassung erneuerte.
Herrmann sah seine Schwestern mit einem Blicke an, der alles ausdrücken sollte, wovon sein Herz voll war, die innigste Liebe gegen die guten Seelen, die er vor sich hatte, und den tiefsten Kummer, dass er ihnen nicht so lohnen konnte wie er wünschte!
Der traurige Zug in seinem Gesicht ward falsch verstanden. Gräme dich nicht, mein Herrmann, rief Agnes und streckte ihre Hund wehmutsvoll nach